BQ Aquaris E4.5: das Ubuntu-Smartphone im Hands-On

BQ hat in München das Aquaris E4.5 mit Ubuntu als OS vorgeführt. Folgendes Hands-On liefert erste Eindrücke von dem Smartphone, seiner Bedienung und dem quelloffenen Betriebssystem.

Auf einem Event in München hat der spanische Hersteller BQ die Neuauflage des Aquaris E4.5 vorgestellt. Das Smartphone kostet 169 Euro und war in einem ersten Flash-Sale nach nur einer Stunde ausverkauft. BQ konnte zwar nicht verraten, wie viele Geräte insgesamt verfügbar waren, verkündete aber, dass die Nachfrage besonders hierzulande hoch war. Knapp 25 Prozent aller abgesetzten Geräte ging nach Deutschland.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Ubuntu als OS

Aber was macht das Aquaris E4.5 eigentlich so interessant? Es läuft im Gegensatz zu dem bereits im letzten Jahr vorgestellten Modell nicht mit Googles Android, sondern mit Ubuntu als Betriebssystem. Es ist das erste Smartphone, auf dem das vollständig quelloffene OS zum Einsatz kommt. Zwar gilt auch Android als Open Source, dennoch bietet es nicht vollkommene Einsicht. Bei Ubuntu ist es im Grunde möglich, genau nachzuvollziehen, was mit allen Daten passiert, womit es theoretisch eine komplette Datenkontrolle auf App und OS-Ebene erlaubt. Bei Android kann man sich nicht sicher sein, welche Daten an Googles Server gesendet werden, so Ravin Dhalani, BQs CTO auf dem Event.

Wie Dhalani ehrlich in München erklärte, ist das Ubuntu-Smartphone im Moment noch für Entwickler und nicht den Endverbraucher gedacht – zumindest noch nicht. Als Erstgerät sollte man es demnach nicht nutzen, da womöglich noch nicht alle von Android oder anderen Betriebssystemen gewohnten Apps und Funktionen für Ubuntu verfügbar sind. BQs CTO gab selbst zu, das Gerät nicht als sein primäres Smartphone zu verwenden, da beispielsweise der Messaging-Dienst WhatsApp noch nicht verfügbar ist, ohne den man in Spanien nicht auskommt. Es gibt zwar Alternative Apps wie Telegram, allerdings müssten Nutzer, dann erst Familie, Freunde und Bekannte dazu bewegen, auf diesen zu wechseln. Eine Funktion zum Synchronisieren von Daten wie Kontakten gibt es ebenfalls noch nicht. Mit der Ubuntu-Edition des Aquaris E4.5 will BQ viel mehr die Ubuntu-Community wachrütteln und dazu bewegen, Apps & Co. für die Plattform zu entwickeln.

Hardware

Dennoch ist das Aquaris mit Ubuntu ein vollständig funktionales Smartphone. Das war bei früheren Ubuntu-Experimenten nicht der Fall. Ubuntu Touch konnte schon 2013 auf einem Nexus 4 oder Nexus 7 installiert werden. Alle Features der Geräte wurden aber nicht unterstützt. BQ versichert, dass beim Aquaris E4.5 auf Seiten der Hardware alles an Bord ist, was man von Android & Co. gewohnt ist.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Das Ubuntu-Smartphone bringt GSM (850/900/1800/ 900), UMTS samt HSPA+ (900/2100), WLAN b/g/n, GPS, Bluetooth 4.0 sowie einen Umgebungslicht- und Näherungssensor, einen Beschleunigungsmesser, einen Kompass und ein Gyroskop mit. Dolby-Sound, FM-Radio und ein Mikrofon samt Rauschunterdrückung gibt es ebenfalls. Auch Dual-SIM-fähig ist das Aquaris E4.5 Ubuntu Edition, was laut BQs CTO eines der größten Probleme in der Entwicklung war. NFC gibt es dagegen nicht. Die Datenverbindung ist zudem nur innerhalb Europas möglich und würde beispielsweise während eines Urlaubs in den USA nicht funktionieren.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

An Bord sind natürlich auch eine rückseitige Kamera für Fotos und Videos sowie eine Front-Cam für Selfies. Die Hauptkamera nimmt mit 8 Megapixel auf und kommt mit einem Autofokus und einer ƒ/2,4-Blende. Ersten Tests zufolge schießt sie auch ganz annehmbare Bilder. Sie wird dabei von einem Autofokus und einem Dual-Blitz unterstützt. Die Videoauflösung beträgt 1080p. Die Kamera auf der Vorderseite löst 5 Megapixel auf.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Das System an sich lief dem ersten Eindruck nach äußert flüssig. Apps & Co öffneten sich jedenfalls ohne Verzögerung. Spiele haben wir in der kurzen Zeit nicht getestet. MediaTeks Quad-Core-CPU mit vier 1,3 GHz schnellen ARM-Cortex-A7-Kernen samt Mali-GPU mit 400 bis 500 MHz und 1 GByte RAM sollte aber auch für Spiele wie Candy Crush oder Cut the Rope ausreichen, die bereits für Ubuntu erhältlich sind.

Der Speicher für Daten und das System ist beim Aquaris 8 GByte groß. Ein microSD-Kartenslot erlaubt nochmals eine Erweiterung um bis zu 32 GByte. Das System selbst verbraucht etwas weniger Speicher als beispielsweise Android und ließ noch gut 5,3 GByte für Nutzerdaten übrig.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Apps & Scopes

Für Ubuntu gibt es schon einige häufig genutzte Apps wie Facebook, Twitter, Amazon, Ebay, Yelp oder Youtube. Mit Nokia Here ist auch schon eine Navigations-Software erhältlich. Weitere Anwendungen können über den Ubuntu-Store heruntergeladen werde. Hersteller, Entwickler und die Community müssen diesen aber noch füllen. Die Vielfalt an Anwendungen wird darüber hinaus zunehmen, wenn das Betriebssystem um den Support für Ubuntu-Desktop-Apps erweitert wird. Dies ist noch eines der großen Ziele für die Zukunft, sodass Smartphones mit dem OS zugleich auch als Desktop-PC dienen können. Ubuntu will auf dem anstehenden Mobile World Congress auch schon eine neue Technik aus diesem Bereich demonstrieren.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Neben normalen Apps gibt es auch die sogenannten Scopes. Dabei handelt es sich im Grunde um Homescreens, die Inhalte aus verschiedenen Quellen bündeln oder auch Verknüpfungen zu nativen Apps und Web-Apps bereithalten. BQ-CTO Dhalani verglich die Ubuntu-Scopes mit einem RSS-Feed, bei dem Inhalte aus vielen Quellen zusammenlaufen. Der Scope „Heute“ hält beispielsweise das aktuelle Datum, den Wetterbericht sowie Einträge aus dem Kalender bereit.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Der Apps-Scope ist sozusagen das Pendant zum App-Drawer unter Android. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Scopes wie Videos, Musik, Fotos oder Messages. Letzterer sammelt wie ein zentrales Postfach Nachrichten aus allen möglichen Quellen und erlaubt es, bei einigen wenigen Apps schon direkt zu antworten. Ansonsten startet ein Fingertipp ähnlich wie bei Android die Messaging-App. Trudelt eine Nachricht ein, informiert übrigens auch beim BQ Aquaris E4.5 eine Benachrichtigungs-LED.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Der Nachrichten-Scope hält beispielsweise News aus verschiedenen Quellen bereit.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Darüber hinaus gibt es beispielsweise auch einen Scope von Amazon oder Wikipedia-Artikeln in der Nähe. Auch Aufgaben oder Anrufe lassen sich auf einem Scope bündeln. Scopes für Inhalte von Webseiten wie CNET oder BBC sind auch möglich und schon mit an Bord. Im Grunde lassen sich alle möglichen Inhalte wie auch Facebook- oder Flickr-Fotos in einem gesonderten Scope anzeigen. Über die Einstellung lassen sich die Scopes verwalten und je nach Bedarf sortieren.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Erstellt werden die Scopes von Entwicklern oder der Community, die dann mit Updates dem Betriebssystem hinzugefügt werden. Ubuntu will das OS jeden Monat aktualisieren. Anwender sollen aber auch selbst Scopes auf dem Smartphone erstellen können.

Bedienung

Als eingefleischter Android-Nutzer muss man sich bei dem Ubuntu-Smartphone erst einmal zurecht finden. Die Bedienung ist nämlich anfangs teilweise etwas gewöhnungsbedürftig. Ubuntu kommt ohne die von Android gewohnten Buttons für Home oder Zurück und wird mit Gesten bedient. Die Wischgesten sind zwar im Grunde intuitiv und teilweise auch zu Android identisch, dennoch habe ich mich häufig dabei erwischt, wie vom Google-Smartphone gewohnt auf den unteren Bildschirmrand zu tippen, um zum Homescreen oder dem vorherigen Bildschirm zurückzufinden.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Die Bedienung geht nach einer gewissen Zeit aber sicherlich in Fleisch und Blut über. Ein Fingerwisch von ganz rechts nach links holt stets die Multitasking-Ansicht auf den Schirm. Mit einem Wisch von links nach rechts erscheint ähnlich wie bei Samsung-Geräten eine Launcher-Leiste, die Apps enthält und auch zum Heute-Scope zurückführt, das sozusagen als Home- oder Ausgangsbildschirm dient.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Eine Geste von unten nach oben fungiert ähnlich wie Menü und führt beispielsweise innerhalb eines Scopes zu den Einstellungen zum Verwalten der Screens. In Apps öffnen sich die Optionen. Das Öffnen der Benachrichtigungsleiste, die auch Shortcuts zu Einstellungen bereithält, ist zu Android identisch.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Innerhalb von Apps lässt sich der vorherige Bildschirm in der Regel wie unter iOS mit einem Pfeil in der linken, oberen Ecke aufrufen.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Das geht auch noch bequem mit einer Hand. Das Smartphone ist mit 137 mal 67 mal 9 Millimeter und seinem 4,5-Zoll-qHD-IPS-Screen noch nicht zu groß. Laut BQ ist Ubuntu aktuell auch besonders für die einhändige Bedienung ausgelegt. Um dann aus der App herauszukommen, öffnet man die Launcher-Leiste oder die Multitasking-Ansicht. Im Test habe ich mir mit letzteren Geste, die vom ganz rechten Rand ausgeführt werden muss, manchmal etwas schwer getan und musste sie hier und da mehrmals ausführen, insgesamt kann die Bedienung aber überzeugen.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Verbesserungsbedar

Was im Vergleich zu Android bisher nicht beeindrucken konnte, ist das Design von den Scopes und Apps, bei den es sich ja häufig auch noch um Web-Apps handelt. Und so sehen sie auch aus. Im Grunde kommt man sich bei der Verwendung meist so vor, als würde man sich auf der mobilen Webseite von Youtube & Co. befinden. Dies dürfte sicher aber ändern, sobald mehr native Apps für Ubuntu erscheinen. Das Design von Systemdiensten wie den Wähltasten, den Einstellungen oder auch der Multitasking-Ansicht machen in dieser Hinsicht schon einen besseren Eindruck.

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

BQ Aquaris E4.5 Ubuntu (Foto: CNET).

Zur Akkulaufzeit lässt sich nach dem Kurzen Hands-On leider noch nicht allzu viel sagen. Mit dem 2.150-mAh-Akku dürfte man aber wie auch bei Android über den Tag kommen.

Fazit

Insgesamt ist Ubuntu ein wirklich spannendes Projekt, auch wenn das BQ Aquaris E4.5 erst einmal noch nicht für den Endverbraucher ausgelegt ist. Aufgrund seiner Quelloffenheit dürften Smartphones mit Ubuntu besonders für Privatsphäre-bedachte Nutzer oder Anwender höchst interessant sein, die beruflich zu Datenschutz verpflichtet sind. Bis Ubuntu aber zu einem Betriebssystem für den Endverbraucher gereift ist, müssen wir uns noch gedulden.

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Autor: Christian Schartel
Christian Schartel Christian Schartel Christian Schartel

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu BQ Aquaris E4.5: das Ubuntu-Smartphone im Hands-On

  • Am 28. August 2015 um 09:28 von Frank

    Warum ist „Die Datenverbindung ist zudem nur innerhalb Europas möglich und würde beispielsweise während eines Urlaubs in den USA nicht funktionieren.“ ?

    Mfg.Frank

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