4K-Videos und Fotos bei Nacht: die besten Kamera-Neuheiten 2015

Foto-Handys und Tablets machen Kameraherstellern das Leben schwer und drücken die Umsätze bei kompakten Digicams. Die Kameraindustrie reagiert mit vielen innovativen Hightech-Features, um die besonderen Qualitäten der Digicams zu demonstrieren. CNET stellt die spannendsten Modelle vor.

Woran hat man im Sommer 2010 einen Touristen erkannt? Klar, an den Bermuda-Shorts und der Kamera, mit der er jede Sehenswürdigkeit geknipst hat. Woran wird man im bevorstehenden Sommer 2015 einen Touristen erkennen? Klar, an den Bermuda-Shorts und am Tablet-PC, mit dem er jede Sehenswürdigkeit knipst.

Gerade auf den Plätzen rund ums Rathaus und in der Altstadt vieler Metropolen ist es verblüffend, wie viele Touristen mittlerweile mit dem Tablet fotografieren. Diese Entwicklung macht den Foto-Herstellern zunehmend Sorgen. Denn jetzt machen nicht nur die Foto-Handys, sondern auch noch Tablets den Digicams Konkurrenz.

Kamera-Neuheiten 2015 (Bild: CNET.de)

Digicam-Hersteller in der Defensive

Die scheinbar so einleuchtenden Argumente für die Digitalkamera greifen nicht mehr so richtig. Zum Beispiel die Sache mit der Bildqualität. Sicherlich bieten die meisten Kameras eine bessere Bildqualität als Smartphones oder Tablets, weil sie über eine bessere Optik, einen größeren Sensor und wesentlich mehr Einstellmöglichkeiten verfügen. Aber heute werden die Bilder ja zumeist online verschickt und auf Tablet-Displays betrachtet und da fällt der Unterschied plötzlich gar nicht mehr so ins Gewicht.

Und die besagten Einstellmöglichkeiten sind manchem Nutzer ohnehin schnuppe. Das Wissen um ISO-Werte, Blendenöffnung und Tiefenschärfe geht langsam zurück. Viele Nutzer freuen sich einfach, dass auch ihr Tablet schön bunte und scharfe Fotos macht.

Nach Angaben des Photoindustrie-Verbands sank der Absatz von digitalen Kompaktkameras 2014 auf nur noch 3,62 Millionen. Im Vorjahr waren es noch 4,86 Millionen gewesen.

Die Gegenoffensive der Digicam-Hersteller

Gut, dass die Kamerahersteller die Herausforderung angenommen haben. Sie versuchen, ihre Modelle mit intelligenten Features, ansprechendem Design und spannenden Ideen wieder attraktiv zu machen. Offenbar mit Erfolg: Der Photoindustrie-Verband sieht „klare Wachstumsbereiche“ bei „hochwertigen Kompaktkameras, kompakten Systemkameras und Action Cams“.

Den Elan der Kamerabranche beweisen auch die Neuvorstellungen für das Frühjahr 2015. CNET stellt im Folgenden einige spannende Modelle vor.

 

Panasonic Lumix GF7: Systemkamera mit Stil

Als superkompakte Systemkamera preist Panasonic die neue Lumix GF7 an. Die GF7 arbeitet mit einem Four-Thirds-Sensor mit 16 Megapixeln und wechselbaren Objektiven. Der für Kompaktkameras relativ große Bildsensor (17,3 mal 13,0 Millimeter) erleichtert in Kombination mit offener Blende das Spiel mit der Tiefenschärfe und sollte gute, rauschfreie Bilder liefern.

Eine Besonderheit und zugleich ein Trend bei Kompaktkameras ist das nach oben und zur Vorderseite hin klappbare Display, dass damit auch für Selfies geeignet ist. Die Smartphone-Konkurrenz macht eben erfinderisch. Viele Einstellmöglichkeiten und die integrierte Wi-Fi-Funktion machen die GF7 auch für Hobbyfotografen interessant. Zumal die Smartphone-App von Panasonic wegen ihrer vielen Einstellmöglichkeiten zu den besten Fernsteuer-Apps bei Digicams zählt.

Serienbilder fertigt die GF7 mit bis zu fünf Bildern pro Sekunde an, wobei die Schärfe bei dem Bild neu bestimmt wird.

Ein weiterer Trend, dem einige Kamerahersteller folgen, ist der zum Fotografieren in der Dämmerung. Hier bietet Panasonic den „Low-Light-AF-Modus“, bei dem die Fokussiergenauigkeit bei dunkleren Motiven deutlich verbessert sein soll.

Eine witzige Funktion ist „Jump Snap“. Witzig vor allem für Menschen, die gerne vor der Kamera fröhlich in die Höhe springen und dann Gute-Laune-Bilder in die Welt schicken. Ein Bewegungssensor in der Kamera registriert, wenn der springende Mensch auf dem höchsten Punkt angelangt ist und löst dann ein Foto aus. Die Lumix DMC-GF7 gibt es in Schwarz-Silber und Braun-Silber, der Preis stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

Panasonic_LUMIX_TZ71

Fotos in der Dämmerung: Panasonic Lumix TZ71

Über „Low-Light“-Qualitäten verfügt auch die Reisezoomkamera TZ71. Wie bei Reisekameras üblich, haben die Entwickler der TZ71 ein besonders leistungsstarkes 30fach-Zoom von Leica spendiert. Dessen Brennweite reicht von 24 bis 720 Millimeter (entsprechend Kleinbild), also gutes Weitwinkel bis starkes Tele.

Viele Einstellmöglichkeiten für Hobbyfotografen, WLAN und Full-HD-Videos sowie ein elektronischer Sucher gehören ebenfalls zur Ausstattung.

Wer etwas weniger Geld ausgeben möchte, kann sich die Lumix TZ58 ansehen. Deren Zoom ist mit 24 – 480 Millimeter (entsprechend Kleinbild) etwas schwächer, sollte aber für die meisten Fotosituationen immer noch genügen, zumal es im Super-Telebereich ohnehin schwer fällt, das scharfzustellende Motiv in der Mitte zu halten und nicht zu verpacken.
Die Preise der Reisekameras stehen zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

 

Canon EOS M3

Canon EOS M3: für engagierte Hobbyfotografen

Der Kamerahersteller Canon versucht bei der EOS M3 schickes Design und anspruchsvolle Technik zusammenzubringen. Die EOS M3 ist eine kompakte spiegellose Systemkamera für Hobbyfotografen. Die Kamera nutzt einen CMOS-Sensor im APS-C-Format (23,5 mal 15,6 Millimeter) mit 24,2 Megapixeln. Damit bewegt sie sich auf einem Niveau mit den meisten Spiegelreflexkameras. Im Verbund mit dem aktuellen Bildprozessor Digic 6 und einem gegenüber dem Vorgänger deutlich schnelleren Autofokussystem soll sie auch engagierte Hobbyfotografen zufriedenstellen.

Das Touchdisplay lässt sich um 180 Grad nach oben und 45 Grad nach unten schwenken und ist damit selfietauglich, die Hersteller machen also auch bei anspruchsvollen Kameras Zugeständnisse an den Smartphone-Trend.

Bei Full-HD-Videos kann man während der laufenden Aufnahme die Schärfe verlagern, in die man auf dem Touchdisplay auf einen bestimmten Punkt tippt. Die Canon EOS M3 ist ab April für 749 Euro erhältlich.

 

Sony Action-Cam FDR-X1000V

Sony: Camcorder mit 4K

Ein wichtiger Trend, bei dem Tablets derzeit noch nicht mithalten können, ist beispielsweise der Trend zu 4K. So beherrscht Sonys neue Action-Cam FDR-X1000VR das höchstauflösende Videoformat (3840 x 2160 Pixel) und zwar mit 30 Bildern pro Sekunde. Die 449 Euro teure Sony glänzt auch sonst mit Leistung. So dreht die FDR-X1000VR Full-HD-Videos (1920 x 1080 Pixel) mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde und HD (1280 x 720 Pixel) mit 240 Bildern. Damit sind echte Zeitlupeneffekte in hoher Auflösung möglich. Die beeindruckende Datenrate von bis zu 100 Megabit pro Sekunde sollte für gute Bildqualität sorgen. Wer 4K noch nicht benötigt, für den reicht unter Umständen schon die Action-Cam HDR-AS200VR, die es schon für 299 Euro gibt und die Full-HD-Videos produziert.

Beide Modelle arbeiten mit einem Superweitwinkelobjektiv Zeiss Tessar, das einen Sichtwinkel von 170 Grad abdeckt. Zudem haben die Sony-Entwickler die Steadyshot-Technik optimiert, der Bildstabilisator soll Verwacklungen jetzt noch effektiver bekämpfen.

Interessant bei beiden Modellen ist auch die Funktion „Loop Recording“. Aufnahmen werden fortlaufend in einem „Memory-Card Puffer“ abgelegt. So sind beide Kameras auf Knopfdruck sofort einsatzbereit, da das Kameramodul nicht erst aktiviert werden muss.

Im Lieferumfang ist die Software „Action Cam Movie Creator“. Damit kann der Anwender beispielsweise die Route mit GPS-Daten aus der Kamera rekonstruieren. Besonders bequem gesteuert werden die Action-Cams über die Fernbedienung RM-LVR2. Diese ist im Lieferumfang der neuen Action-Cams bereits enthalten, wenn man jeweils die um 100 Euro teurere Kit-Version nimmt.

Durch die exzellenten Leistungsdaten und das umfangreiche Zubehör sind die Sony-Action-Cams inzwischen eine echte Alternative zum Marktführer Gopro.

 

Sony HDR-PJ620

Kompakter Camcorder für Hobbyfilmer

Auch der Sony-Camcorder FDR-AXP33 beherrscht den neuen 4K-Standard und bietet einen gegenüber dem Vorgänger verbesserten Bildstabilisator. Gleichzeitig wurde das Gehäuse deutlich verkleinert. Ein weiteres Highlight des Camcorders ist der eingebaute Projektor. Das Mini-Beamer bietet zwar keine Heimkinoabende, mit 50 Lumen ist er aber stark genug, um ein annehmbar großes Bild an die Wand zu werfen. Die Datenrate liegt ebenso wie bei der Action-Cam bei 100 Megabit pro Sekunde.

Der FDR-AXP33 kostet 1199 Euro, alternativ bietet Sony auch drei weitere, weniger anspruchsvolle Geräte, die zu Preisen zwischen 249 und 549 Euro zu haben sind.

 

Canon EOS 5DS R

Für Profifotografen: Canons Vollformat-Boliden

Für Profi-Fotografen stellt Canon die Modelle EOS 5DS und EOS 5DS R vor. Bei diesen Vollformat-Spiegelreflexkameras wird eine Auflösung von 50,6 Megapixeln erreicht.

Die EOS 5DS arbeitet noch mit einem Tiefpassfilter, der bei feinsten Strukturen Moiré-Effekte verhindert, dem man aber nachsagt, dass dies auf Kosten der Schärfe geht. Das etwas teurere Schwestermodell EOS 5DS R verzichtet auf den Tiefpassfilter.

Neben dem doppelt ausgelegten Bildprozessor Digic 6 gehört auch das Autofokus-System zu den Highlights der Vollformatkameras. Die Kameras arbeiten mit einem AF-System mit 61 Feldern, darunter sind 41 Kreuzsensoren. Beide Modelle sind erst ab Juni erhältlich, so kann man noch ein bisschen sparen. Die EOS 5DS R kostet 3699 Euro, die EOS 5DS ist für 3409 90 Euro zu haben.

 

FUJIFILM_XQ2

Eleganter Kamera-Klassiker: Fujifilm XQ2

Für Hobbyfotografen, die eine kompakte und schick gestaltete Digicam suchen, ist möglicherweise Fujifilms XQ2 eine Option.

Die Digicam arbeitet mit Fujifilms 2/3 Zoll großem X-Trans-CMOS-II-Sensor (5,6 mal 4,2 Millimeter), der in Fachkreisen einen guten Ruf genießt. Ein Highlight der Kamera ist das sehr lichtstarke Fujinon-Objektiv, das mit der größten Blendenöffnung 1.8 auch Aufnahmen im Dämmerlicht ermöglicht. Zudem kombiniert der Autofokus die präzise Kontrast- mit der schnellen Phasen-Messung und verspricht auf diese Weise besonders schnell und präzise zu agieren.

Da das Fujinon-Objektiv auch auf spektakuläre Zoom-Leistung verzichtet und sich mit einem 4fach-Zoom (25 -100 mm, entsprechend Kleinbild) begnügt, sind auch von der Optik her die Voraussetzungen für eine sehr gute Bildqualität gegeben. Das Display lässt sich nach oben und nach unten klappen und ermöglicht so bequemes Fotografieren über Kopf oder von Motiven am Boden. Die Fujifilm XQ2 kostet 379 Euro und ist in mehreren Farben erhältlich. Eine elegante Ledertasche ist zusätzlich für 39 Euro zu haben.

 

Nikon AW130

Für Taucher: Nikon AW130 mit 30 Meter Tauchtiefe

Für die Fans der Action-Fotografie präsentiert Nikon eine Neuauflage der erfolgreichen Coolpix AW-Serie. Die AW130 ist bis zu einer Tauchtiefe von 30 Metern wasserdicht, daneben widersteht sie Frost bis zu minus 10 Grad und darf gerne aus einer Höhe von zwei Metern fallen gelassen werden.

Die Kamera kann auch über WLAN und Smartphone-App bedient werden. Das Objektiv arbeitet mit 5fach-Zoom. Die neue AW 130 filmt in Full HD mit 60 Bildern pro Sekunde (1080/60i). Außerdem sind die Navigationssysteme GPS, GLONASS und QZSS an Bord. Damit lassen sich Reiserouten festhalten oder Fotos mit genauen Angaben für Längen- und Breitengrad versehen. Auf einer eingebauten Weltkarte können bis zu 30 Standorte gespeichert werden.

Die AW130 ist in den Schwarz, Blau, Orange, Camouflage und Gelb erhältlich und soll 349 Euro kosten.

 

Pentax K-S2

Kompakte Spiegelreflexkamera: Pentax K-S2

Pentax, alias Ricoh Imaging hat sich auf besonders kompakte und damit technisch pfiffige Digicam spezialisiert. In diese Linie passt auch die neue digitale Spiegelreflexkamera Pentax K-S2. Laut Hersteller ist sie die „weltweit kleinste wetterfeste Spiegelreflexkamera im APS-C-Format“. Damit man die kleine Spiegelreflexkamera nicht übersieht, gibt es sie in mehreren Farben, darunter in Weiß. Die Pentax folgt auch dem Trend zum klappbaren Display. Das Display der Kamera ist nach allen Seiten beweglich.

Die technischen Daten lesen sich gut. Der APS-C-Sensor (23,5 x 15,6 Millimeter) liefert 20,12 Megapixel an den Bildprozessor PRIME MII. Auf einen Tiefpassfilter verzichtet Pentax, das soll gewährleisten, dass auch sehr feine Strukturen scharf dargestellt werden.

Die Belichtungsmessung arbeitet mit 77 Feldern und das Autofokus-Modul nutzt elf Sensoren, davon sind neun als Kreuzsensoren ausgeführt.

Firmware-Upgrade bei Panasonic

Dass es nicht immer gleich ein neues Produkt sein muss, sieht man am Beispiel Panasonic. Der Hersteller stellt für seine bei Videofilmen beliebte Digicam Lumix GH4 ein Firmware-Update bereit. Dadurch soll vor allem das Video-Interface auf den neuesten Stand gebracht werden und mehr Funktionen bekommen. Interessant ist dies vor allem für Kunden, die im Bereich der professionellen Videoproduktion arbeiten.

Auch für den 4K-Camcorder HC-X1000 bringt Panasonic ein Firmware-Update, das unter anderem soll es Funktionen im Bereich der Rauschunterdrückung bieten.

Fazit: Fortschritte in allen Bereichen

Die hier aufgeführten Modelle sind nur einige Beispiele dafür, dass sich die Kamerahersteller auch 2015 wieder einiges haben einfallen lassen. Auch ein Blick auf die neuen Angebote von Olympus oder die Systemkameras von Sony kann sich lohnen. Welche Marke auch immer, Hobbyfotografen oder -filmer finden eine Menge Features, die vor vier oder fünf Jahren noch den Profis vorbehalten waren. Man denke nur an die Fortschritte im Bereich Autofokus, Serienbilder oder Bildstabilisator.

Touristen auf Städtereise werden weiterhin mit ihren Tablets filmen und fotografieren, aber vielleicht lässt sich der ein oder andere doch davon überzeugen, zusätzlich eine hochwertige Digicam anzuschaffen.

Wenn die Menschen beim Sprung auf dem höchsten Punkt sind, löst die Lumix GF7 automatisch aus. (Foto: Hersteller)

Wenn die Menschen beim Sprung auf dem höchsten Punkt sind, löst die Lumix GF7 automatisch aus. (Foto: Hersteller)

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu 4K-Videos und Fotos bei Nacht: die besten Kamera-Neuheiten 2015

  • Am 9. August 2015 um 17:12 von Nobody Anonymous

    ICH photographiere stets und immer noch mit einer (Digital-) Kamera. Diese kann das nicht nur besser, sondern ist erheblich kompakter als jedes Tablet.

    Natürlich bleibt es einem jeden überlassen, mit einem „Schrank“ zu photographieren. Welchen Sinn auch immer das macht.

    Mit Handys telephonieren. Mit Tablets ins Internet. Mit Kameras photographieren: das ist – und bleibt – meine einzige und universelle Lösung.

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