Panasonic-Camcorder HC-W570: Doppel-Kamera mit Superzoom im Test

Videotaugliche Smartphones und Digicams machen Camcordern das Leben schwer. Lohnt sich die Anschaffung eines Camcorders heute noch? Panasonics kompakter HC-W570 will den Beweis dafür antreten und wartet mit einem Feature auf, das keine Digicam bietet.

Der HC-W5790 ist ein sehr handlicher und leichter Camcorder, gedacht für Einsteiger und Gelegenheitsfilmer. Da stellt sich natürlich die Frage, wozu man im Zeitalter von Digicams, die mit Full HD filmen, noch einen Camcorder braucht, der auch nur in Full HD filmt.

Die Antwort ist einfach. Camcorder sind beim Filmen deutlich angenehmer zu bedienen, da vor allem der Zoomhebel genau unter dem Zeigefinger liegt und der Zoom im allgemeinen wesentlich sanfter agiert. Auch sind Objektiv und Sensor auf das bei Videos übliche 16:9-Format optimiert. Hinzu kommt das dreh- und schwenkbare Display der Camcorder. Das ist beim Filmen sehr praktisch.

Panasonics Twin-Camera-Konzept

Der HC-W5790 bietet darüber hinaus mit dem Twin-Cam-Konzept ein Feature, mit dem keine Digicam aufwarten kann. Im Display des Camcorders ist eine zweite Kamera integriert. So kann der Hobbyfilmer mit zwei Kameras gleichzeitig filmen. Die Aufnahmen der Zusatzkamera werden als Bild-im-Bild dargestellt.

Das Twin-Camera-Konzept ist das Highlight des kompakten HC-W570. Erwähnenswert ist aber auch der Zoom: Ein optischer 50fach-Zoom, der digital auf den Faktor 90 hochgetrieben wird. Das sind starke Werte. 399 Euro verlangt Panasonic für den HC-W570. Das Gerät ist in Schwarz oder Weiß erhältlich.

Der HC-W570 kostet 399 Euro. Mit Abmessungen von 60 x 62 x 129 Millimetern und einem Gewicht von 266 Gramm ist der Camcorder sehr leicht und handlich. (Foto: Mehmet Toprak)

Der HC-W570 kostet 399 Euro. Mit Abmessungen von 60 x 62 x 129 Millimetern und einem Gewicht von 266 Gramm ist der Camcorder sehr leicht und handlich. (Foto: Mehmet Toprak)

Design und Verarbeitung

Beim Design verzichtet Panasonic auf gestalterische Extravaganz, der Camcorder ist schlicht und funktionell gestaltet. Der dünne Handriemen aus braunem Kunstleder und die genarbte Lederoptik des Kunststoffgehäuses bemühen sich rührend, dem Ganzen einen Hauch von Exklusivität zu verleihen.

Die Verarbeitung ist gut, alle Bedienelemente sitzen ordentlich und haben kein Spiel.

Vor dem Zoomhebel auf der Oberseite liegt die Taste für Foto-Schnappschüsse, die Starttaste für Videos ist auf der Rückseite des Camcorder platziert und lässt sich bequem mit dem Daumen betätigen.

Bedienung und Funktionen

Der Schutzdeckel des Objektivs öffnet sich automatisch nach dem Einschalten des Geräts. Die Bedienung des Camcorders ist logisch und übersichtlich aufgebaut. Panasonic setzt beim HC-W5790 auf ein 7,5 Zentimeter großes Touchdisplay. Die Touchfunktion ist nicht optimal umgesetzt. Im Praxistest muss man gelegentlich mehrmals tippen, bis die gewünschte Funktion ausgelöst wird. Außerdem sind treffsichere Finger gefragt, also eher nichts für Grobmotoriker.

Das Touchdisplay des HC-W570 ist 7,5 Zentimeter groß. (Foto: Mehmet Toprak)

Das Touchdisplay des HC-W570 ist 7,5 Zentimeter groß. (Foto: Mehmet Toprak)

Der Zoom arbeitet ruhig und lässt sich feinfühlig bedienen, je stärker man den Hebel nach links beziehungsweise rechts drückt, desto schneller zoomt das Objektiv.

Full-HD-Videos nimmt die Kamera mit bis zu 50 Bildern pro Sekunde auf. Daneben stehen eine Reihe von unterschiedlichen Bild- und Bitraten zur Verfügung, auch dies ist ein Vorteil des Camcorder-Konzepts. Ein Zeitlupenmodus ist aber leider nicht vorgesehen. Die Videos werden entweder in AVCHD oder MP4 gespeichert.

Einen guten Job macht auch der Bildstabilisator. Solange man nicht im extremen Telebereich arbeitet, gelingen ruhige Kamerabewegungen ohne heftige Wackler. Der Nutzer kann dabei die Intensität, mit der der Bildstabilisator arbeitet, in zwei Stufen einstellen.

Videos und Bildqualität

Fotos liefert der Camcorder mit zehn Megapixel ab, die Bildqualität entspricht dabei der einer einfachen Einsteiger-Digicam. Nichts auszusetzen gibt es an der Bildqualität der Videos. Die sind scharf und feinzeichnend, das gilt auch für den Telebereich. Bei Aufnahmen im Dämmerlicht macht der Camcorder ebenfalls eine gute Figur.

Der Zoomhebel liegt bequem unter dem Zeigefinger, daneben ist der Auslöser für Fotos. (Foto: Mehmet Toprak)

Der Zoomhebel liegt bequem unter dem Zeigefinger, daneben ist der Auslöser für Fotos. (Foto: Mehmet Toprak)

Der 50fach-Zoom umfasst ein Brennweitenspektrum von 28 bis 1740 Millimeter, bezogen auf das Kleinbild-Format. Man hat also den Bereich von Weitwinkel bis Supertele zur Verfügung. In der Praxis sind die extremen Telebrennweiten aber nur sehr schwer zu handhaben, da jede noch so winzige Kamerabewegung zu enormen Ausschlägen im Bild führt. Sich schnell bewegende Objekte wie etwa ein landendes Flugzeug, das man aus mehreren hundert Metern Entfernung mit dem Zoom heran holt, sind nur schwer in der Bildmitte zu halten, selbst wenn der Camcorder auf einem Videostativ montiert ist.

Automatik, Kreativeffekte und Szenenmodus

Für Einsteiger hilfreich sind die verschiedenen Automatikmodi an Bord. Der Panasonic-Camcorder bietet auch einige Effektfilter. Mit den Filtern „Miniatureffekt, Stummfilm, 8mm Film und Zeitraffer“ ist die Filtergalerie allerdings eher spärlich bestückt. Das ist freilich nicht weiter tragisch, schließlich nutzen Hobbyfilmer sowieso lieber das Videobearbeitungsprogramm am PC, wenn sie den Videoclip mit optischen Gimmicks aufhübschen wollen.

Der Szenenmodus passt die Aufnahme an typische Motive an. Zur Auswahl stehen unter anderem „Porträt“, „Sport“, „Landschaft“ oder „Sonnenuntergang“.

Die zweite Kamera am Touchdisplay wird einfach durch Herausdrehen aktiviert. (Foto: Mehmet Toprak)

Die zweite Kamera am Touchdisplay wird einfach durch Herausdrehen aktiviert. (Foto: Mehmet Toprak)

Aufnahmen mit doppelter Kamera

Die bereits erwähnte zweite Kamera ist direkt neben dem Display an einem Gelenk befestigt. Die Kamera wird aktiviert, indem man sie herausdreht, so dass die Linse sichtbar wird. Im Display selbst erscheint dann links unten ein zweites kleines Bild. Die Minikamera arbeitet mit einer Festbrennweite von etwa 30 Millimetern (bezogen auf Kleinbild).

Auf diese Weise lassen sich nette Ideen realisieren. Während die Hauptkamera nach vorne filmt, könnte man die zweite Kamera auf sich selbst richten. Oder man zoomt mit der Hauptkamera an ein Motiv heran, während das Weitwinkelobjektiv der zweiten Kamera die ganze Szenerie im Blick behält.
Darüber hinaus lässt sich ein Smartphone oder Tablet, das per WLAN mit dem Camcorder verbunden ist, als Zweitkamera nutzen. Der Videostream aus der Smartphone-Kamera landet dann als Bild-im-Bild im Hauptvideo.

Das Hauptvideo ist bei Bedarf separat abspeicherbar. Auf diese Weise landen zwei Videodateien auf der SD-Speicherkarte, eine mit dem kleinem Bild-im-Bild-Video und eine, die nur das Video von der Hauptkamera enthält.

Der HC-W570 macht auf Knopfdruck auch Fotos, die Bildqualität ist dabei in Ordnung, aber nicht überragend. (Foto: Mehmet Toprak)

Der HC-W570 macht auf Knopfdruck auch Fotos, die Bildqualität ist dabei in Ordnung, aber nicht überragend. (Foto: Mehmet Toprak)

Optionen für Fortgeschrittene

So schlicht wie der Camcorder auch sein mag, so bietet er doch einige Optionen, die für etwas fortgeschrittene Nutzer interessant sind. Im Modus „Intelligenter Automatik-Plusmodus“ kann man beispielsweise Automatikmodus und individuelle Einstellung für Helligkeit und Farben kombinieren.
Daneben bietet der Panasonic einen manuellen Modus. Hier stellt man Fokus, Helligkeit, Weißabgleich und Blende von Hand ein. Die Einstellung der jeweiligen Werte durch Herumtippen auf dem Display ist jedoch auf Dauer recht unbequem.

Ähnlich wie bei Digicams kann der Anwender Schärfe und Belichtung auf ein bestimmtes Objekt fixieren, die Kamera verfolgt das Objekt bei der Aufnahme und versucht Schärfe und Helligkeit ständig anzupassen.

Die Option „intelligente Kontraststeuerug“ versucht besonders dunkle Bildpartien aufzuhellen und helle Bildpartien etwas zu dämpfen. Sogar Werte wie Kantenschärfe oder Farbtiefe kann der Nutzer während der Aufnahme verändern.

Mikrofoneinstellungen

Angesichts der Optionen für Hobbyfilmer würde man auch einen Anschluss für ein externes Mikrofon erwarten. Den sucht man aber vergebens. Kleiner Trost: Das interne Stereomikrofon bietet eine Zoomfunktion, bei der die Aufnahmecharakteristik mit dem Zoomobjektiv gekoppelt wird. Zoomt man beispielsweise ein entferntes Motiv heran, dann verengt sich der Aufnahmewinkel des Mikrofons, zieht man das Bild in Richtung Weitwinkel auf, verbreitert sich der Aufnahmewinkel des Mikrofons. Ein Windfilter ist ebenfalls zuschaltbar. Und der Eingangspegel der Tonaufnahme lässt sich auch einstellen. Ein vollwertiger Ersatz für ein externes Mikrofon sind diese Optionen aber nicht.

Durch die Kombination von optischem 50fach-Zoom und Digitalzoom wird ein maximaler Zoomfaktor von 90fach erreicht. (Foto: Mehmet Toprak)

Durch die Kombination von optischem 50fach-Zoom und Digitalzoom wird ein maximaler Zoomfaktor von 90 erreicht. (Foto: Mehmet Toprak)

Fernsteuerung mit Panasonice Image App

Der Camcorder lässt sich über NFC (Near Field Communication) oder über WLAN mit einem Smartphone oder Tablet verbinden. Die „Panasonic Image App“ steht für iOS oder Android zur Verfügung. Die App ist sehr leistungsfähig. Mit ihr kann man nicht nur die Aufnahme aus der Entfernung starten und stoppen, sondern auch den Zoom betätigen, zwischen verschiedenen Aufnahmemodi wechseln, den Weißabgleich vornehmen sowie Fotos und Videos drahtlos auf das Mobilgerät übertragen.

Im Praxistest klappte der Verbindungsaufbau zwischen einem Android-Smartphone und dem HC-W570 aber nicht auf Anhieb und vor allem nicht direkt aus der Image App heraus. Erst nachdem das Smartphone den Camcorder per Netzwerk-Scan entdeckt und eine Verbindung aufgebaut hatte, verband sich die App mit dem Camcorder. Die Verbindung bleibt dann bis zu einer Entfernung von etwa sechs oder sieben Metern stabil.

Die Image App von Panasonic erlaubt auch Zoomen während der Aufnahme. Die Verbindung zum Camcorder kann auch über NFC oder das Scannen des QR-Codes aufgebaut werden. (Foto: Mehmet Toprak)

Die Image App von Panasonic erlaubt auch Zoomen während der Aufnahme. Die Verbindung zum Camcorder kann auch über NFC oder das Scannen des QR-Codes aufgebaut werden. (Screen: Mehmet Toprak)

Fazit: Handlicher Camcorder für Einsteiger

Der HC-W570 ist ein kompakter und handlicher Camcorder mit guter Bildqualität und starkem Zoomobjektiv. Die Bedienung ist übersichtlich strukturiert, allerdings ist das Herumtippen auf dem Touchdisplay nicht besonders bequem. Ein schönes Feature ist die zweite Kamera, die mit etwas Geschick interessante Videos ermöglicht. Der Preis von 399 Euro ist in Ordnung.

Wer keine Doppelkamera braucht, dem könnte unter Umständen Panasonics HC-V160 gefallen. Dieser Camcorder ist noch kleiner, verzichtet auf WLAN und die Optik beschränkt sich auf ein 38fach-Zoom, das digital auf 77fach gesteigert werden kann. Auch die Bildqualität ist nicht ganz so gut wie beim HC-W570. Dafür kostet der HC-V160 nur 199 Euro.

Günstige Alternative: Panasonics HC-V160 kostet nur 199 Euro. Dafür muss der Käufer auf WLAN und Twin-Cam-Technik verzichten: (Foto: Panasonic)

Günstige Alternative: Panasonics HC-V160 kostet nur 199 Euro. Dafür muss der Käufer auf WLAN und Twin-Cam-Technik verzichten: (Foto: Panasonic)

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