Wikileaks: entwendete E-Mails von Sony veröffentlicht

Die 170.000 E-Mails und mehr als 30.000 Dokumente aus dem sogenannten Sony-Archiv umfasst belegen unter anderem enge Kontakte zur US-Regierung und der Demokratischen Partei. Sony wirft dem Streamingdienst Netflix vor, Piraterie zu unterstützen.

Wikileaks hat eine als „The Sony Archives“ bezeichnete durchsuchbare Online-Datenbank veröffentlicht. Wie The Next Web berichtet, enthält die als „The Sony Archives“ bezeichnete durchsuchbare Online-Datenbank, 173.132 E-Mails und 30.287 Dokumente, die Ende 2014 angeblich bei einem Hackerangriff auf Sony Pictures entwendet wurden. Die Datenbank soll unter anderem fast 100 E-Mail-Adressen der US-Regierung enthalten, die einen E-Mail-Verkehr zwischen Sony und dem Weißen Haus dokumentieren.

Wikileaks-Logo (Bild: Wikileaks)

„Das Archiv zeigt die internen Abläufe eines einflussreichen internationalen Konzerns“, wird Wikileaks-Herausgeber Julian Assange in einer Presseerklärung zitiert. „Es ist aktuell und steht im Mittelpunkt eines geopolitischen Konflikts. Es gehört in die Öffentlichkeit. Wikileaks wird dafür sorgen, dass es dort bleibt.“

Demnach liefern einige der E-Mails Einsichten in die Verbindungen zwischen Sony und der Demokratischen Partei. Unter anderem sollen Sony-Mitarbeiter Wahlkampf- und Spendenveranstaltungen zur Unterstützung von Andrew Cuomo besucht haben, der seit 2011 Gouverneur des Bundesstaats New York ist.

TechCrunch zufolge geht aus den E-Mails auch hervor, dass Snapchat 0,11 Prozent seiner Aktien für Beratungsleistungen des ehemaligen Apple-Managers und iOS-Chefs Scott Forstall zurückgelegt hat. Sony-Pictures-CEO Michael Lynton ist Mitglied des Snapchat-Aufsichtsrats und sein E-Mail-Postfach wurde bei dem Angriff auf sein Unternehmen ebenfalls kompromittiert. Die Aktien könnten Forstall laut TechCrunch angesichts einer Bewertung von 15 Milliarden Dollar für das gesamte Unternehmen bis zu 16,5 Millionen Dollar einbringen.

Sony Pictures soll sich auch dafür eingesetzt haben, dass Netflix die Konten von Kunden schließt, die versuchen, per VPN aus Ländern auf Netflix zuzugreifen, in den das Filmangebot des Unternehmens noch nicht verfügbar ist. In einer E-Mail bezeichnet Keith Le Goy, President of Distribution bei Sony Pictures, die Umgehung von Länderbeschränkungen als „eine andere Form der Piraterie“. Netflix wiederum profitiere von Abonnements aus Ländern, für die es gar keine Vertriebsrechte besitze.

Das gilt laut Sony vor allem für Australien. Nach Angaben der australischen Regierung stellt die Nutzung von VPN-Diensten, um sich Zugang zu sonst nicht verfügbaren Streamingangeboten zu verschaffen, keinen Verstoß das australische Urheberrecht dar.

Sony hat die Veröffentlichung des Archivs kritisiert. Es enthalte auch persönliche und vertrauliche Informationen von Sony-Mitarbeitern.

Ende November 2014 hatten US-Medien erstmals über einen erfolgreichen Hackerangriff auf Sony Pictures berichtet. Die Angreifer behaupteten, interne Daten und Geschäftsgeheimnisse erbeutet zu haben. Sie drohten mit der Veröffentlichung der gestohlenen Daten, falls Sony Pictures die nicht näher genannten Forderungen der Hacker nicht erfülle.

Kurz darauf tauchten die ersten Daten im Internet auf. Darunter waren Outlook-Postfächer, persönliche Informationen von Mitarbeitern und Ausweiskopien von Schauspielern und Crew-Mitgliedern, die an Filmprojekten von Sony Pictures gearbeitet haben. Wenige Tage später erschienen zudem mehrere unveröffentlichte Filme auf Filesharing-Sites.

Auch wegen der Forderung, den Vertrieb der Filmkomödie „The Interview“ einzustellen, hatte die US-Regierung kurz darauf Nordkorea für den Angriff auf Sony Pictures verantwortlich gemacht. Anfang des Jahres stellte sich dann heraus, dass die NSA seit 2010 Zugriff auf Server in Nordkorea hat, weswegen das Weiße Haus so schnell die Hintermänner benennen konnte.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
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