Samsung: Chipserie „Artik“ für das Internet der Dinge enthüllt

Die Prozessoren sollen in einer Vielzahl von IoT-Geräten zum Einsatz kommen – von Wearables bis hin zu Heimservern und Hausgeräten. Den Anfang der Reihe machen drei Modelle, die sich in Leistung, Komplexität und Preis unterscheiden.

Wie erwartet hat Samsung in San Francisco auf der Konferenz Internet of Things World eine Prozessorplattform für internetfähige Geräte vorgestellt. Die neue Hardware für Internet-of-Things-Geräte (IoT) – von Wearables bis hin zu intelligenten Waschmaschinen – trägt den Namen Artik, wie unsere Kollegen von CNET.com schon vorab berichtet hatten.

Artik 1 (Bild: Samsung)

Artik 1 (Bild: Samsung)

Samsung stellte gemeinsam mit der Hardware auch eine freie Entwicklungsplattform samt Starter Kit für Artik vor. Wie die Chips selbst ist auch die „SmartThings Open Cloud“ ab sofort verfügbar. Sie umfasst offene APIs, Websockets für Echtzeit-Datenerfassung sowie SDKs für Java, Android, iOS, PHP und Python.

Samsungs neue Plattform umfasst zunächst drei Chipvarianten namens Artik 1, Artik 5 und Artik 10, die sich in Leistung, Komplexität und Preis unterscheiden. Das günstigste Modell soll unter 10 Dollar kosten, das teuerste weniger als 100 Dollar. Mit ihnen will Samsung die von seinen Smartphones bekannte Technologie in den IoT-Markt bringen, wie Samsungs Chief Strategy Officer Young Sohn erklärte.

Der kleinste und leistungsschwächste Vertreter der neuen Chipreihe ist der Artik 1 mit einer Grundfläche von 12 mal 12 Millimetern. Er vereint einen MIPS32-basierten Dual-Core-Prozessor, 1 MByte SRAM, 4 MByte Flashspeicher, eine Energieverwaltung, eine Verschlüsselungsengine und ein Bluetooth-LE-Modul. Ein mit 250 MHz getakteter Prozessorkern kümmert sich um anspruchsvollere Arbeitslasten, während ein stromsparender Kern mit 80 MHz weniger rechenintensive Aufgaben übernimmt. Außerdem integriert der Artik 1 einen 9-Achsen-Bewegungssensor mit Gyroskop, Beschleunigungssensor und Magnetometer. Laut Samsung ist er für IoT-Geräte wie Beacon-Sender, Fitness-Tracker oder intelligente Armbänder gedacht.

Artik 5 (Bild: Samsung)

Artik 5 (Bild: Samsung)

Der Artik 5 kommt auf Maße von 2,9 mal 2,5 mal 0,35 Zentimeter und eignet sich laut Hersteller insbesondere für Smarthome-Hubs. Er bietet einen Zweikern-Prozessor auf ARM-A7-Basis mit 1 GHz Takt, 512 MByte DDR3-RAM und 4 GByte Flashspeicher. Hinzu kommen verschiedene Sicherheitsfunktionen, WLAN-Unterstützung (802.11b/g/n) sowie De- und Encoder für Video.

Das leistungsfähigste Modell Artik 10 soll vor allem Heimserver und Personal Clouds antreiben. Er bringt auf einer Fläche von 3,9 mal 2,9 Zentimetern bei einer Bauhöhe von 3,5 Millimetern eine Octa-Core-CPU mit 2 GByte DDR3-RAM und 16 GByte Flashspeicher unter. Der Anwendungsprozessor besteht aus vier ARM-A15-Kernen mit 1,3 GHz Takt und vier A7-Kerne mit 1 GHz. Außerdem unterstützt der Chip HD-Video-Kodierung sowie 5.1-Audio.

Artik 10 (Bild: Samsung)

Artik 10 (Bild: Samsung)

Wie Alex Hawkinson, CEO und Mitgründer des im vergangenen Jahr von Samsung übernommenen Smarthome-Start-ups SmartThings erläuterte, soll die SmartThings Open Cloud es Geräteherstellern wie auch Mobilfunkanbietern erleichtern, Anwendungen für IoT-Geräte bereitzustellen, die deren Sensoren nutzen.

Wie andere Hersteller auch setzt Samsung große Hoffnungen in das Internet der Dinge. Gartner-Analysten gehen davon aus, dass die Zahl der vernetzten Geräte bis 2020 auf 26 Milliarden ansteigen werden, von 900 Millionen im Jahr 2009. IDC rechnet damit, dass der IoT-Markt bis 2020 ein Volumen von 3,04 Billionen Dollar erreichen wird.

Schon im Januar auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas hatte Samsungs Co-CEO Boo-Keun Yoon angekündigt, dass 90 Prozent aller von Samsung produzierten Geräte – von Smartphones bis hin zu Kühlschränken – sich bis 2017 mit dem Internet verbinden können werden. Bis 2020 soll dies für seinen gesamten Produktkatalog gelten.

Die Chipplattform Artik zielt aber nicht nur auf Samsungs eigene Geräte ab. Andere Hersteller werden die Prozessoren ebenfalls in ihre Produkte integrieren können. Das dürfte Samsung, dessen Mobilgeschäft sich in letzter Zeit rückläufig entwickelte, zusätzliche Umsatzquellen erschließen, aber auch den Wettbewerb mit anderen Chipherstellern wie Intel und Qualcomm verschärfen. Denn all diese Firmen sehen in Wearables und dem Internet der Dinge neue Wachstumsfelder.

So hatte beispielsweise Intel schon im Januar den Prototyp eines neuen Prozessors für Wearable Computing vorgestellt. Er ist Bestandteil eines knopfgroßen Computers namens Curie. Das serienreife Produkt will Intel im zweiten Halbjahr auf den Markt bringen. Nach Unternehmensangaben basiert Curie auf Intels System-on-a-Chip Quark SE. Es unterstützt Bluetooth Low Energy und besitzt einen 6-Achsen-Kombi-Sensor mit Beschleunigungsmesser und Gyroskop sowie einen Akkuladeschaltkreis. Intel beschreibt Curie als „vollständige Low-Power-Lösung für den Wearable-Bereich“. Hier könnte es künftig mit Samsungs Artik konkurrieren.

[Mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

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Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Samsung: Chipserie „Artik“ für das Internet der Dinge enthüllt

  • Am 14. Mai 2015 um 15:13 von Ralph

    Hi @all,

    IoT…..DER schlagende Begriff für den Supergau in der IT. Wer sich bei den IoT-Geräten auf Sicherheit verlässt, ist von allen guten Geistern verlassen.

    Habe der diesjährigen Konferenz innosecure in Velbert beigewohnt. Wie überrascht viele Entwiklungsingenieure waren, wie leicht es ist RFID, NFC etc. zu knacken…..lässt mir die Haare zu Berge stehen. Zumal dort nahmhafte Hersteller Vertreten waren, die z.B. Hotelzugangslösungen etc. entwickeln. Ein Ingenieur sagte wörtlich:“Was heute alles möglich ist!“

    Und diese Firmen investieren schon einiges in Sicherheit…..bei der Waschmaschine, dem Toaster, der Heizung…da glaube ich nicht wirklich dran.

    Vor allem: Was bringt es mir, wenn ich z.B. per Smartphone abrufen kann, ob die Jalousien zu sind, oder der Herd aus ist (um den dann ausschalten zu können – wenn ich das kann, dann die ganze Welt auch). Da gab es mal was, das nannte sich Nachbar oder Familie, die Mann mal eben anrief und bat mal nach dem Rechten zu sehen.

    Und was bringt mir eine Alarmanlage, die mir einen Vollbrand meldet, wenn ich auf Malle am Strand liege? Außer, dass mein Urlaub dahin ist….?

    Das alles eröffnet ein neues Geschäftsmodell:
    Der Hacker übernimmt dein Smart-Home und stellt (hoffentlich) keinen Blödsinn an, wenn du zahlst.

    Geile Sache…..und ich war auch mal total heiß auf so was…..

    Gruß
    R.

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