Android-Smartphones aus zweiter Hand: Die meisten Ankaufportale sind gründlich beim Factory Reset

Die meisten etablierten deutschen Ankäufer nutzen zertifizierte Verfahren zum Löschen der Daten, bevor sie die Smartphones aus zweiter Hand wieder verkaufen. Nutzer können zudem selbst für mehr Sicherheit beim Factory Reset sorgen.

Eine Studie des Sicherheitssoftwareanbieters Avast hatte bereits im vergangenen Jahr aufgedeckt, dass die Zurücksetzen-Funktion von Android nicht so wirksam bei der Beseitigung der Nutzerdaten ist, wie gedacht. Das Sicherheitsunternehmen hatte zwanzig gebrauchte Android -Smartphones auf eBay gekauft und war in der Lage, mehr als 40.000 Fotos, 750 E-Mails und SMS-Nachrichten sowie 250 Kontakte wiederherzustellen. Nun haben auch Wissenschaftler der Universität Cambridge einen Versuch durchgeführt und kamen zu demselben Schluss, dass beim Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen persönliche Daten der Smartphone-Besitzer zurückbleiben. Sie haben mehrere Smartphones von verschiedenen Herstellern wie Samsung, HTC, LG, Motorola und Google bei dem Auktionshaus Ebay und Recycling-Firmen aus zweiter Hand gekauft. Die Geräte waren mit Android 2.3.x bis 4.3 ausgestattet. Auf 21 Geräten konnten sie ausreichend Daten wiederherstellen, um sich Zugriff auf die Google- und Facebook-Konten sowie SMS und E-Mails der Vorbesitzer zu verschaffen.

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Die Daten-Partition war laut den Cambridge-Mitarbeitern trotz eines Factory Reset auf keinem der Geräte vollständig entfernt. Das Wipen scheiterte ihnen zufolge, weil OEMs die Funktionen für die Datenlöschung nicht richtig implementiert haben und zudem Treiber fehlen, die ein vollständiges Löschen unterstützen. Laut den Wissenschaftlern lassen sich möglicherweise nicht nur Daten von etwa 500 Millionen Android-Smartphones wiederherstellen, sondern auch von etwa 630 Millionen SD-Karten, die zur Erweiterung des internen Speichers benutzt wurden.

Die Meldung ist insbesondere für Verbraucher beunruhigend, die ihr Android-Smartphone bereits selbst weiterverkauft haben, oder es an eines der gängigen Ankaufsportale weiterverkauft haben. ITespresso hat deshalb dort nachgefragt, ob bei einer vergleichbaren Untersuchung hierzulande ähnlich alarmierende Ergebnisse zu erwarten wären.

Die gute Nachricht vorab: Offenbar arbeiten die meisten etablierten deutschen Ankäufer professioneller als ihre englischen Pendants. Allen die auf die Anfrage von ITespresso fristgerecht antworteten – neben dem Pionier Wirkaufens.de auch Flip4new und die Deutsche Telekom – war das Problem der unvollständigen Datenlöschung durch ein Factory Reset bereits bekannt. Dieser potenziellen Schwachstelle wird daher durch entsprechende Maßnahmen begegnet. Wie sich die Situation bei Rebuy.de und dem Trade-In-Service von Amazon darstellt, kann ITespresso an dieser Stelle nicht schildern, da die Anfragen nicht zeitnah beantwortet wurden.

Branchenpionier Wirkaufens.de löscht eigenen Angaben zufolge bereits “seit geraumer Zeit” mit einem zertifizierten Verfahren die Daten auf allen angekauften Smartphones, Tablets und Laptops. Dazu werden die eingesandten Geräte direkt nach dem Auspacken an eine Löschstation angeschlossen, auf der Software des Spezialisten Blancco läuft. Das Gerät wird dabei nicht angeschaltet, Mitarbeiter haben keinen Zugriff auf die Daten.

Falls sich noch SD-Karten in den Geräten befinden, werden diese entfernt und in einem abgeschlossenen Behälter aufbewahrt. Dieser wird regelmäßig durch eine Firma abgeholt und die SD-Karten werden vernichtet. Nachdem die Daten auf dem Mobilgerät zertifiziert gelöscht wurden, wobei Löschprotokolle erstellt werden, wird das aktuelle Betriebssystem auf das Gerät gespielt. Erst dann kommt das Gerät in die weitere Bearbeitung.

Bei Flip4new läuft das Ganze ähnlich ab. Das Unternehmen setzt dazu ebenfalls die Lösung von Blancco ein. “Diese ist das einzige am Markt etablierte Löschverfahren, welches die Daten der Kunden verlässlich und nachweisbar löscht. Somit können keine Daten missbräuchlich genutzt werden“, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Da Ebay seinen Elektronik-Ankauf in Deutschland über Flip4new abwickelt, gilt dafür dasselbe.

Die Deutsche Telekom, die sowohl in ihren Shops als auch in diversen Aktionen Altgeräte zurücknimmt, wickelt den Prozess über den Partner Teqcycle ab. Dem hat sie diese Aufgabe nicht übertragen, ohne sich vorher gleich mehrfach abzusichern.

“Der gesamte Rückholprozess unseres Partners Teqcycle inklusive der Datenlöschung wurde von der Dekra zertifiziert”, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Auch hier komme die Software von Blancco zum Einsatz. Der habe der TÜV Süd 2013 mit einem Gutachten bescheinigt, dass sie alle Daten des Endgerätes ohne die Möglichkeit einer Wiederherstellung löscht. Das Gutachten schließt Endgeräte mit Android-Software explizit mit ein. Zum selben Ergebnis ist laut Telekom auch die MGID – Mitteldeutsche Gesellschaft für Informationssicherheit und Datenschutz mbH gekommen, die die hundertprozentige Datenlöschung mittels Blancco ebenfalls in einem Gutachten bestätigt habe.

Alle Befragten raten ihren Kunden dennoch vor Abgabe Ihres Handys alle persönlichen Daten soweit wie möglich zu löschen und die SIM- beziehungsweise Speicherkarte zu entfernen. Außerdem sollten sie nach Möglichkeit bereits selbst ein Factory Reset durchführen. Das, so Wirkaufens.de, sei vor allem “beim Privatverkauf absolute Pflicht”. Wie jetzt auch die Untersuchung der britischen Wissenschaftler gezeigt hat, schützt das aber unbedingt vor Datenmissbrauch durch Kriminelle. Wer sicher gehen will, sollte daher an einen Aufkäufer verkaufen, der eine zertifizierte Datenlöschung anbietet und ihm die auch bestätigt.

Darüber hinaus können Smartphone-Besitzer selbst vor dem Verkauf für Sicherheit sorgen. Wie man einen sicheren Factory Reset durchführt, das erklärt folgender Artikel.

[Mit Material von Peter Marwan, ITespresso.de]

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Autor: Christian Schartel
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