Nicht ohne mein Smartphone

Dieses Credo gilt heute bei vielen Deutschen. Wie es dazu kam und welche Folgen das explosionsartige Wachstum der Mobilfunkbranche für den Tarifmarkt hat, zeigt unsere kleine Zeitreise.

(Bild: Syda Productions - Fotolia.com)

Handys und vor allem Smartphones wurden in den letzten Jahren zu einem Massenprodukt. Dies hängt nicht zuletzt auch mit den immer günstiger werdenden Mobilfunkverträgen zusammen. Doch war dem nicht immer so. Einige erinnern sich vielleicht noch daran, als die ersten klobigen und teuren Klötze auf den Markt kamen, die sich Mobiltelefone nannten und es schier unbezahlbar war, damit zu telefonieren.

Heute hingegen übersteigt die Zahl der Mobiltelefone in Deutschland die Zahl der Einwohner. Doch wie kam es dazu und wie wird wohl die Zukunft des deutschen Mobilfunkmarktes aussehen? Werden die Preise weiter fallen oder beginnt mit der Fusion von E-Plus und O2 eine neue Ära im Zeitalter des Mobilfunks?

Die Ära der Smartphones und wie alles seinen Anfang nahm

Die heutige Jugend, die ihre superschlanken und superleichten Smartphones gewöhnt ist, kann sich kaum vorstellen, wie das mobile Telefonieren noch vor einigen Jahrzehnten aussah. Groß, klobig und schwer waren die Geräte und sie konnten, bis auf einige Ausnahmen, lediglich zum Telefonieren genutzt werden. SMS, mobiles Internet, Kamera? Fehlanzeige! Dafür waren die Steinzeit-Handys dann aber wenigstens so richtig teuer.

Das IBM Simon inklusive Ladestation. (Bild: Wikimedia.commons.org/Bcos47 CC0 1.0)

Das IBM Simon inklusive Ladestation. (Bild: Wikimedia.commons.org/Bcos47 CC0 1.0)

Der Großvater der modernen Smartphones, das IBM Simon, kam 1992 auf den Markt und war Vorreiter eines neuen Zeitalters der Mobiltelefone. Schon zuvor gab es mobile Telefone, welche allerdings ausschließlich zum Telefonieren genutzt werden konnten. Doch das reichte dem US-Unternehmen IBM nicht. Die Entwickler wollten ein mobiles Telefon erschaffen, welches dem Besitzer weiteren Zusatznutzen bot. Das IBM Simon war in der Lage, E-Mails und Faxe zu versenden, was damals einer echten Sensation glich. Zudem hatte es eine Kalender-Funktion sowie ein Adressbuch und auch einige Spiele gab es schon. Außerdem war Simon das erste Gerät, welches über einen Touchscreen verfügte.

Natürlich war das erste smarte Telefon entsprechend teuer und vor allem unter wohlhabenden Geschäftsleuten beliebt. Das Wort Smartphone gab es damals übrigens noch nicht. Und noch etwas war damals anders, nämlich die Größe sowie das Gewicht des Gerätes. Das Simon war stolze 23 Zentimeter hoch und sein Akku hielt im Telefonie-Modus gerade mal eine Stunde. Es wurden damals 50.000 Geräte verkauft. Dennoch war Simon seiner Zeit voraus, denn es gab nach seinem Erscheinen erstmal keinen weiteren Personal Communicator auf dem Markt. Die Welt hatte den Nutzen von Smartphones einfach noch nicht erkannt.

Der Siegeszug der Finnen

Erst vier Jahr nach Simons Geburtsstunde kam der nächste nennenswerte Communicator auf den Markt, diesmal von der finnischen Firma Nokia. Und es sollten noch weitere Exemplare Folgen. Nokia ist es unter anderem zu verdanken, dass die Vorläufer der heutigen Smartphones bei der breiten Bevölkerung solch einen großen Anklang fanden.

Der Nokia 9000 Communicator mit 8 MByte RAM: Der Nokia 9000 Communicator ist ein Mini-Computer inklusive Mobiltelefon. Das Gerät hattte 8 MByte RAM an Bord, auf die eine von Intels 386er-Prozessoren abgeleitete CPU zugreifen konnte. Das Gehäuse des Communicators wurde untypischerweise seitlich aufgeklappt und der Internetzugang erfolgte über GSM. Sogar über einen HTML-fähigen Browser verfügte das gute Stück aus dem Hause Nokia schon.

Das Nokia 8810 – voller Empfang ganz ohne Antenne: 1998 kam es auf den Markt, das erste Nokia, das trotz fehlender Antenne vollen Empfang bot. Die Entwickler hatten eine Möglichkeit gefunden, die Antenne des Nokia 8810 vollständig im Gehäuse zu platzieren. Es sollten noch weitere Nokia-Handys mit diesem typischen Design folgen.

Mobiltelefonie ganz ohne Antenne – typisch Nokia (Bild: Darryl Sleath - Fotolia.com)

Mobiltelefonie ganz ohne Antenne – typisch Nokia (Bild: Darryl Sleath – Fotolia.com)

Das Nokia 7110 – das erste WAP-fähige Handy: Ein Jahr später, nämlich im Jahr 1999 und somit kurz vor der Jahrtausendwende, brachte Nokia das 7110 heraus. Dabei handelte es sich um das erste WAP-fähige Handy auf dem Markt. WAP steht für Wireless Application Protocol und war damals der Hit. Wer es sich leisten konnte und vielleicht auch ein bisschen angeben wollte, nannte das 7110 inklusive Internet via WAP sein Eigen. Eine Vielzahl an Internetfirmen wollte auf den Erfolgszug aufspringen und begann ihre Websites auch im WAP-Format zu programmieren, damit sie auf dem Handy genutzt werden konnten. Denn normale http-Seiten konnte das Gerät aufgrund ihrer riesigen Java-Applets, welche normale Modemleitungen verstopften, nicht anzeigen. Dennoch konnte sich WAP nicht durchsetzen und ist heute noch so ein Trend, an den sich kaum jemand erinnert.

Das Nokia 3650 – das erste Smartphone mit Videofunktion: Wir machen einen kleinen Zeitsprung in das Jahr 2003, als das erste Nokia Smartphone mit Videokamera-Funktion erschien. Wie im weiteren Textverlauf klar wird, waren Smartphones mit integrierter Fotokamera damals bereits gang und gäbe. Doch das Produkt der Finnen war das erste auf dem Markt, dass es erlaubte, kleine Filme aufzunehmen. Nicht nur die Aufnahme, auch die Wiedergabe von Videos war möglich, selbstverständlich in einer deutlich schlechteren Qualität als es heute der Fall ist. Zudem war das Handy nicht in der Lage, mehr als ein paar Minuten an Filmaufnahmen aufzuzeichnen.

Toshiba Camesse – das erste Mobiltelefon mit eingebauter Kamera: Nun aber genug von den erfolgreichen Finnen und zurück in die 1990er Jahre, genau gesagt ins Jahr 1999 als das Toshiba Camesse auf der Bildfläche erschien. In Deutschland kennt dieses Smartphone, welches gerne mal in süßem Pink daherkam, so gut wie niemand, dafür erfreute es sich bei den Japanern größter Beliebtheit. Und das zu Recht, denn es handelte sich um das erste mobile Gerät, welches über eine integrierte Fotokamera verfügte. Kein Wunder, dass es bei den fotofreudigen Japanern Anklang fand. Doch die Kamera war nicht der einzige Vorteil des Geräts, es bot dem Nutzer auch ein eigenes Grafikprogramm, mit welchem er seine Bilder direkt bearbeiten konnte. Auch Internetplattformen, auf die die Nutzer ihre Bilder hochladen konnten, gab es bereits. Natürlich muss auch hier gesagt werden, dass die Aufnahmen mit der Fotoqualität heutiger Smartphones nur sehr wenig gemein haben.

Siemens macht mit dem SL45 Musikhören auf dem Handy möglich: Auch Siemens sollte die Beliebtheit der smarten Mobiltelefone noch weiter vorantreiben. Im Jahr 2001 brachte das Unternehmen das SL45 heraus, welches über eine wechselbare MMC-Speicherkarte sowie einen integrierten MP3-Player verfügte. Erstmals war es nun möglich, die eigene Lieblingsmusik immer und überall auf dem Mobiltelefon zu hören, anstatt dafür ein zusätzliches Gerät mit sich zu führen.

Der Blackberry 5810 – ein unverzichtbares Accessoire in der Businesswelt: Im Jahr 2002 erblickte der Blackberry 5810 das Licht der Welt. Das Smartphone überzeugte durch eine hochwertige QUERTZ-Tastatur und einen Push-Maildienst. Letzterer zählt bis heute zu den besonderen Features der Smartphones. Vor allem im Business-Bereich verbreitete sich der Blackberry rasant.

Der Apple-Hype nimmt seinen Anfang (Wikimedia.commons.org/Aconcagua (CC-BY-SA 3.0) .

Der Apple-Hype nimmt seinen Anfang (Wikimedia.commons.org/Aconcagua (CC-BY-SA 3.0) .

2007 war die Geburtsstunde des ersten iPhones und der Beginn des Apple-Hypes: Alles verändern sollte die Firma Apple. Unter der Leitung von Steve Jobs erschien 2007 das erste iPhone. Vorher war Apple vor allem für seine Computer bekannt, doch das iPhone wurde schnell zum echten Hype und jeder wollte eins haben. Dies lag nicht etwa an den verwendeten Hardware-Komponenten, denn die waren wenig revolutionär. Vielmehr ist die Beliebtheit des iPhones dem selbst entwickelten Betriebssystem von Apple zu verdanken.

Ein Gerät – 1000 Funktionen (Bild: ra2 studio - Fotolia.com)

Ein Gerät – 1000 Funktionen (Bild: ra2 studio – Fotolia.com)

Schlank, smart und leistungsfähiger als mancher Computer – die modernen Smartphones sind kleine Alleskönner

Moderne Smartphones sind schlanke und kompakte Technikwunder. Sie sind zum Teil leistungsfähiger als so mancher Computer, schießen gestochen scharfe Bilder und nehmen Videos in Full HD-Qualität auf. Lange Akkulaufzeiten, große Displays mit sensiblen Touchscreens sowie die beliebten Betriebssysteme Android, iOS oder Windows bieten den Nutzern eine Vielzahl an Möglichkeiten. Telefonieren steht längst nicht mehr im Focus, vielmehr ist das Smartphone heute ein kleines Multimedia-Wunder, welches seinen Besitzer stets mit dem Rest der Welt vernetzt. Noch vor wenigen Jahren konnten sich wohl die Wenigsten vorstellen, wozu sie ihr Smartphone im Jahr 2015 alles nutzen würden.

Das explosionsartige Wachstum der Mobilfunkbranche und die Folgen für den Tarifmarkt

Heute verfügt bereits jeder dritte Deutsche über mehr als einen Mobilfunkanschluss. Noch vor einigen Jahren war dies, aufgrund der hohen Preise auf dem Tarifmarkt, noch undenkbar. Doch wie kam es dazu, dass Mobilfunktarife heute so erschwinglich sind wie nie? Um dies zu beantworten, muss ein genauerer Blick auf die Entwicklung des deutschen Mobilfunkmarktes geworfen werden.

Kaum zu glauben, aber die ersten nicht stationären Telefone wurden bereits Anfang der 1950er verkauft, so ein Beitrag des Portals mobilbranche.de. Sie ließen sich jedoch nicht in der Hosentasche herumtragen, sondern waren fest im Dienstwagen installiert. Ein Bremer Taxi war das erste Auto in Deutschland, welches über ein Autotelefon verfügte. Dieses wog 16 Kilo und kostete damals 15.000 D-Mark, wofür damals auch drei VW Käfer zu haben waren.

Vom A- zum B- zum C-Netz: Das erste flächendecke Mobilfunknetz, genannt A-Netz, hatte seine Geburtsstunde im Jahr 1958. Da sich Ottonormalbürger die hohen Kosten jedoch nicht leisten konnte, wurde es in der Regel nur von Politikern sowie Großunternehmern genutzt. Auch die Handys hatten es in sich. Das Modell B72 vom Hersteller TeKaDe kostete damals ebenfalls rund 15.000 D-Mark.

Die ersten Handys waren sehr klobig und teuer (Wikimedia.commons.org/Cherumbino (CC-BY-SA 4.0)

Die ersten Handys waren sehr klobig und teuer (Wikimedia.commons.org/Cherumbino (CC-BY-SA 4.0)

Natürlich war auch den Herstellern bewusst, dass sie die breite Masse mit diesen Geräten nicht würden erreichen können. Deshalb bemühten sie sich, immer kleinere Modelle zu entwerfen. Der Durchbruch auf dem Mobilfunkmarkt kam jedoch immer noch nicht, auch nicht mit der Einführung des B-Netzes im Jahr 1982. Es wurden weitere Autotelefone entwickelt, von denen einige sogar zeitweise aus dem Auto herausgenommen und herumgetragen werden konnten. Zwar ließen sich die Abmessungen sowie das Gewicht immer weiter reduzieren, der stolze Preis blieb aber bestehen.

Erst die Einführung des C-Netzes im Jahr 1985 setzte neue Impulse. Ein Jahr später brachte Nokia das Mobira Talkman 320F heraus, welches immerhin weniger als fünf Kilo wog, allerdings die Abmessungen eines Schuhkartons besaß. Doch bereits ein Jahr später gelang den Finnen der Durchbruch und sie stellten ihr nur 800 Gramm schweres Mobira Cityman vor. Das Handy erlangte nicht zuletzt dadurch Weltruhm, dass es von Michail Gorbatschow genutzt wurde.

Das Mobira Cityman (Bild: Wikimedia.commons.org/Fennoradio (CC-BY-SA 3.0) )

Das Mobira Cityman (Bild: Wikimedia.commons.org/Fennoradio (CC-BY-SA 3.0) )

Die Problematik der internationalen Netz-Kompatibilität

Das C-Netz wurde jedoch nur in Deutschland, Südafrika und Portugal eingesetzt, weshalb damals die internationale Netzkompatibilität ein großes Problem darstellte. Andere Länder nutzten damals andere Standards, was ein weltweites Roaming schlichtweg unmöglich machte. Erst das D-Netz machte weltweites Roaming möglich, jedoch zu exorbitanten Preisen. Das mobile Telefonieren auch international möglich machen sollte das D-Netz, welches 1992 mit GSM-Standard eingeführt wurde. GSM steht dabei für „Global System for Mobile Communications“. Doch die breite Masse erreichte die mobile Telefonie auch jetzt noch nicht. Zum einen waren nur wenige Endgeräte verfügbar, zum anderen waren die Preise der Handyverträge noch immer sehr hoch. Wer 1992 einen Laufzeitvertrag mit Handy besaß, musste rund 2000 D-Mark dafür bezahlen. Hinzukamen die Grundgebühr von 80 D-Mark und der Minutenpreis für Handygespräche lag bei zwei D-Mark.

Nokia macht, dank Design und Funktion, den Mobilfunkmarkt ab den 90ern auch für Privatpersonen attraktiv. So waren es wieder die Finnen, die schließlich die breite Bevölkerung von dem Nutzen der Mobiltelefonie überzeugen konnten. 1996 stellte Nokia sein 8110 vor, welches Dank seiner Funktionen und seines Designs schnell Anklang bei den Deutschen fand. Wie bereits erwähnt, brachten die Finnen in den Folgejahren noch weitere Geräte inklusive zahlreicher technischer Neuerungen auf den Markt und waren lange das Maß der Dinge.

Der Mobilfunkmarkt wuchs in den 1990er Jahren rasant, wie die nachstehende Statistik zeigt. Der größte Sprung kann dabei zwischen 1999 und 2000, konnte also zur Jahrtausendwende verzeichnet werden. Auch danach steigt die Kurve jedoch immer weiter an.

Heute gibt es in Deutschland mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner (Bild: Bundesnetzagentur / Statista)

Heute gibt es in Deutschland mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner (Bild: Bundesnetzagentur / Statista)

Zusätzlich nach oben getrieben werden die Zahlen durch die Veröffentlichung des iPhones 2007 und dem Durchbruch der internetfähigen Smartphones. Ab 2008 scheint der deutsche Markt fast schon gesättigt, gibt es nun doch bereits mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner. Die Zahlen gehen nur noch leicht nach oben, beziehungsweise sind in den Jahren 2012 und 2014 sogar leicht rückläufig. Lediglich eine Verschiebung zwischen den einzelnen Anbietern findet noch statt. Die Vorreiterrolle Deutschlands in den 1990er Jahren auf dem Mobilfunkmarkt wird ersichtlich, wenn die folgende Statistik der Entwicklung der weltweiten Mobilfunkanschlüsse betrachtet wird.

Die Anzahl der deutschen Mobilfunkteilnehmer wuchs in den 1990ern enorm. Dominiert wurde der damalige deutsche Markt zunächst von der Telekom und D2 Mannesmann, welches heute unter dem Namen Vodafone bekannt ist. Die Konkurrenz der beiden Anbieter um das Wohlwollen der Kunden war deutlich spürbar, jedoch konnten beide Unternehmen in dieser Zeit hohe Gewinne verzeichnen. Mannesmann nahm dies zum Anlass, in andere europäische Märkte zu expandieren. 1999 schließlich wurde das Unternehmen aus Düsseldorf vom britischen Vodafone-Konzern in einer feindlichen Übernahme aufgekauft und anschließend zerschlagen.

Entwicklung der Anzahl weltweiter Mobilfunkanschlüsse (Bild: itu.int/ Statista)

Entwicklung der Anzahl weltweiter Mobilfunkanschlüsse (Bild: itu.int/ Statista)

Telekom und D2 Mannesmann dominieren den deutschen Markt

Doch bereits Mitte der 1990er Jahre schafften es zwei weitere Mobilfunknetze, sich auf dem deutschen Markt zu etablieren. Die neuen E-Netze wurden zum einen von E-Plus und zum anderen von Viag Interkom, dem heutigen O2, betrieben. Die Konkurrenten holen auf und lassen einen wahren Tarifdschungel entstehen.

Es gelang den beiden neuen Anbietern auf dem Markt bald, die Konkurrenz in puncto Kundenzahlen einzuholen. Später kamen noch Service-Provider, wie mobilcom und debitel hinzu. Doch das große Angebot an verschiedenen Anbietern brachte den Verbrauchern auch Nachteile. Immer neue Tarifmodelle kamen auf den Markt, weil sich die Konkurrenz natürlich stark voneinander abgrenzen und möglichst viele Alleinstellungsmerkmale entwickeln wollte. Auf einmal mussten sich die Kunden mit Faktoren wie dem der Vertragslaufzeit, der Grundgebühr, der Taktung oder der Anschlussgebühr befassen. Nicht Wenigen fiel es schwer, sich im dichten Tarifdschungel zurechtzufinden.

Der technische Fortschritt und die UTMS-Lizenzen

Die technischen Möglichkeiten wurden immer komplexer, dennoch blieben die Verbindungspreise relativ konstant. Dies lag nicht zuletzt an dem Verkauf der UTMS-Lizenzen und den folgenschweren Auswirkungen auf die Mobilfunkbranche.

Günstigere Verbindungkosten wurden in der Anfangszeit der Mobiltelefonie vor allem durch den sich rasch entwickelnden technischen Fortschritt erzielt. Im Jahr 1995 etwa mussten die Kunden für den Abschluss eines Handyvertrages noch rund 42 D-Mark zahlen und einen Gesprächsminutenpreis von 1,99 D-Mark hinnehmen. SMS waren interessanterweise damals noch kostenlos. Es war wohl so, dass die Betreiber noch nicht begriffen hatten, welches riesige Potential die kleinen Kurznachrichten innehatten.

Zu Beginn waren SMS noch komplett kostenlos (Stepan Jezek - Fotolia.com ).

Zu Beginn waren SMS noch komplett kostenlos (Stepan Jezek – Fotolia.com ).

Trotz drastisch steigender Kundenzahlen zur Jahrtausendwende bleiben Verbindungspreise aufgrund von UTMS-Lizenzen stabil. Wie die vorhergehende Statistik bereits belegte, explodierten die Kundenzahlen zur Jahrtausendwende förmlich. Dennoch blieben die Verbindungskosten relativ konstant. Dies lag vor allem an den UTMS-Lizenzen, welche im August 2000 vom Bund versteigert wurden. Dabei wurden Lizenzen von Frequenzblöcken für eine Nutzung durch das Universal Mobile Telecommunications System an zugelassene Mobilfunkanbieter versteigert. Dies kostete die Mobilfunkanbieter insgesamt 100 Milliarden D-Mark.

Diese Einnahmen flossen in den Staatshaushalt. Die Mobilfunkanbieter wiederum konnten die erworbenen Lizenzen in den Folgejahren abschreiben und somit die Steuerlast reduzieren. Die teilnehmenden Unternehmen mussten, aufgrund der exorbitanten Summen, jedoch Fremdkapital aufnehmen und entsprechend Zinsen entrichten. Die hohen Kosten setzten zudem den Gewinn, die Aktienkurse sowie das Rating der Mobilfunkunternehmen in der Zeit zwischen Versteigerung und Öffnung der Netze unter Druck. Es kam in der Folge zu gewaltigen Kurseinbrüchen an der Börse bei Telekom und den Internetwerten. Die Internetblase war geplatzt und das große Geschäft mit dem Mobilfunk verzögerte sich. Viele Unternehmen gerieten in massive Schwierigkeiten. Was war also schiefgelaufen?

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Erschwerend zu diesen drei grafisch dargestellten Faktoren kam hinzu, dass neue Technologien, wie das kabellose Internet, also WLAN, entwickelt wurden, welches UMTS zumindest lokal begrenzte und ihm so schnell den Rang streitig machte. Gewinner der Auktion waren vor allem die Zulieferer, da sie ihre neuen Endgeräte vertreiben konnten, allen voran Blackberry und Nokia. Zusätzlich zu den Kosten der Lizenzen fielen auch Kosten für den Ausbau der Netze in zweistelliger Milliardenhöhe an. Die Kosten für die Netzumrüstung wurden auf die Kunden umgewälzt, weshalb das Preisniveau der Verbindungskosten relativ stabil blieb.

Die Preisschlacht beginnt – jeder will der günstigste sein

Die stabilen Verbindungspreise sollten jedoch nicht von allzu langer Dauer sein, denn schon 2005 kamen die ersten Tarif-Discounter auf den Markt. Heute entscheidet nicht mehr allein der Preis pro Gesprächsminute, vor allem die Internetverbindungskosten sind ausschlaggebend bei der Entscheidung für diesen oder jenen Anbieter.

Die Ära der Tarif-Discounter

Der Düsseldorfer Anbieter E-Plus rief 2005 seine Zweitmarke Simyo ins Leben. Die Simyo GmbH war einer der ersten Mobilfunkdiscounter in Deutschland. Simyo besitzt kein eigenes Mobilfunknetz, sondern agiert als Mobilfunkprovider. Ohne ausdrücklich als die Tochterfirma von E-Plus aufzutreten, nutzte Simyo das E-Plus-Netz. Zuvor hatte bereits Tchibo als erster branchenfremder Discount-Anbieter das Netz von O2 genutzt und bot seine Dienste für 35 Cent die Minute an. 19 Cent in alle Netze, damit lockte nun Simyo zahlreiche Kunden an. Dies führte in der Folge zu einem Preisrutsch, da immer mehr Anbieter auf den Markt kamen und versuchten, sich gegenseitig zu unterbieten. Die Netze, also Vodafone, O2, E-Plus und Telekom blieben die Gleichen, doch mittlerweile nutzen mehr als 25 Discount-Anbieter diese Netze mit. Heute können Kunden schon für 5 Cent die Minute telefonieren, was 1992, bei der Einführung des D-Netzes und einem Minutenpreis von zwei D-Mark, noch unvorstellbar war.

Internetverbindungskosten sind heute ein entscheidender Faktor bei der Preisgestaltung. War früher noch der Minutenpreis ein ausschlaggebendes Argument für oder gegen einen bestimmten Tarif, sind heute ganz andere Dinge wichtig. Der entscheidende Faktor bei der Preisgestaltung sind heute die Internetverbindungskosten, denn jeder möchte mit seinem Smartphone möglichst immer und überall, aber vor allem möglichst günstig, mit der Welt verbunden sein und Zugriff auf das World Wide Web und seine zahlreichen Apps und Anwendungen haben. Es ist deshalb ratsam, beim Abschluss eines neuen Vertrags genau zu recherchieren und die relevanten Schlüsselfaktoren miteinander zu vergleichen, sowohl preislich als auch inhaltlich. Natürlich hat der Markt auch auf diesen Umstand längst reagiert und passende Lösungen entwickelt.

Online-Tarifvergleiche sind dabei nützliche Tools, mit welchen es ganz einfach ist, den passenden Tarif für die eigenen Bedürfnisse herauszufinden. Der Verbraucher muss sich so nicht mehr durch den unübersichtlichen Tarifdschungel kämpfen, sondern bekommt die Informationen, die er braucht auf einen Blick. Wie so etwas aussehen kann, ist unter handy.toptarif.de nachzuvollziehen. Hierbei kann aufgrund von Angaben zum Gerätetyp, der Vertragslaufzeit, der Preiskategorie oder auch den Angaben zu Hard- und Software gefiltert und der passende Tarif gefunden werden.

Was ändert sich durch die Fusion von O2 und E-Plus auf dem deutschen Tarifmarkt?

Wie bereits deutlich wurde, beschert der Wettbewerb den Mobilfunkkunden derzeit günstige Preise. O2 und E-Plus haben ihre Netze inzwischen zusammengelegt.Telekom und Vodafone begrüßen den neuen großen Konkurrenten, welcher mit rund 46 Millionen Anschlüssen nun der größte Mobilfunker Deutschlands ist. Grund für die freundliche Begrüßung ist wohl der bereits ausführlich beschriebene Preiskampf, welcher die Mobilfunkbranche über Jahre in Atem hielt.

Mit E-Plus wurde derjenige Anbieter geschluckt, welcher zuvor die Konkurrenz erfolgreich um Marktanteile brachte. Doch was hat sich nun durch die Fusion der beiden Mobilfunkriesen geändert? Zum einen ist es so, dass die Handys von Kunden von O2 und E-Plus, welche im jeweils eigenen Netz weder UMTS noch LTE empfangen, künftig selbstständig ins UMTS-Netz des Partnernetzes wechseln, was auch als nationales Roaming bezeichnet werden kann. Dieses Roaming gilt zudem für alle anderen Marken, die diese Netze nutzen, wie zum Beispiel Simyo oder Fonic. Das Roaming gilt allerdings nicht für LTE. Die O2-Mutter Telefónica plant jedoch, dass einem Anteil von 90 Prozent der Bevölkerung bis 2016 LTE zur Verfügung stehen soll.

Komplett fusioniert sein werden die Netze von O2 und E-Plus erst in drei Jahren, denn zuvor müssen noch zahlreiche Sendemasten abgebaut werden, da zurzeit Masten von O2 und E-Plus häufig nah beieinander stehen und diese nicht einfach addiert werden können.

Werden die Mobilfunktarife nun teurer? Bisher sieht es nicht danach aus. Eher das Gegenteil ist der Fall. Es gibt nun zwar nur noch drei Mobilfunknetze in Deutschland, aus der Fusion von O2 und E-Plus entstand jedoch ein vierter Anbieter, und zwar Drillisch. Der Grund dafür ist die Forderung der Wettbewerbshüter der EU, welche von Telefónica die Abgabe von Netzkapazitäten verlangen. Drillisch erhielt nach Verhandlungen den Zuschlag hierfür. Nach der Übernahme von E-Plus durch Telefónica will sich Drillisch nun als Nummer vier im deutschen Mobilfunkmarkt etablieren, wie das Unternehmen aus dem hessischen Maintal im März mitgeteilt hatte. Mit Marken wie Yourphone.de, maXXim oder DeutschlandSIM erwirtschaftete es im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von knapp 290 Millionen Euro. Ende Mai wurde bekannt, dass Drillisch rund 300 Ladengeschäfte von Telefonica Deutschland übernimmt.

Fazit

Eine spannende Betrachtung der Entwicklung des deutschen Mobilfunknetzes der letzten Jahrzehnte geht zu Ende. War Mobiltelefonie anfangs sehr umständlich und kostenintensiv, sodass sie nur von Politikern und reichen Unternehmern genutzt wurde, gibt es in Deutschland heute mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner. Smartphones werden längst nicht mehr nur zum Telefonieren genutzt, sondern sind kleine Hochleistungscomputer, die ihren Nutzern die ständige Vernetzung mit dem Rest der Welt ermöglichen. Auch die Verbindungspreise sind in den letzten 25 Jahren stetig gesunken und heute findet eine regelrechte Preisschlacht der Discounter statt. Die Übernahme von E-Plus durch O2 hat neuen Schwung in die Entwicklungen gebracht.

Doch wohin wird die Reise des deutschen Mobilfunkmarktes zukünftig gehen? Klar ist, wenn es Telefónica schafft, sein LTE-Vorhaben einzuhalten, dann bekommen sowohl Telekom als auch Vodafone große Konkurrenz. Denn vor allem Drillisch wird die aktuellen Preise wohl zu unterbieten versuchen. Telekom und Vodafone können darauf entweder mit einer Verbesserung ihres Netzes oder mit einer Preissenkung reagieren. Beide Szenarien wären sicherlich im Interesse der deutschen Kundschaft.

Dürfen sich zukünftige Generationen über noch günstigere Tarife freuen? (Bild: MNStudio - Fotolia.com)

Dürfen sich zukünftige Generationen über noch günstigere Tarife freuen? (Bild: MNStudio – Fotolia.com)

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