Facebook führt neue Möglichkeiten zu Meldung von Urheberrechtsverstößen ein

Profi-Youtuber finden immer häufiger eigene Filme, die unberechtigt von Dritten auf Facebook gepostet wurden. Die Fälle sind nicht leicht zu finden und das Löschen dauert noch zu lange.

Facebook hat jetzt neue Optionen eingeführt, unberechtigt eingestellte Videos zu melden, und droht im Fall mehrfacher Verstöße mit der Löschung des Kontos, wie The Verge berichtet. Das Unternehmen hat damit auf Kritik reagiert, sein enormes Wachstum bei Videos beruhe hauptsächlich auf Urheberrechtsverstößen.

Facebook Logo (Bild: Facebook)

Facebook hatte vergangenen Monat gemeldet, dass es täglich 4 Milliarden Videos zeige und somit in einer Liga mit Youtube spiele, worauf Hank Green, Chef eines Youtube-Studios mit 30 Mitarbeitern, in Form eines Beitrags auf Medium.com reagierte.

Green argumentierte, eine große Zahl an Videos auf Facebook laufe dort ohne die nötigen Rechte. Damit bezog er sich auf die Praxis des „Freebooting“: Dabei werden fremde Videos genommen und als natives Facebook-Video eingestellt, wodurch der Rechteinhaber seiner Werbeeinnahmen – und Klicks – beraubt wird. Native Videos – also in diesem Fall direkt von Facebook gehostete – werden mehr gesehen als eingebundene Videos fremder Sites und sind daher Facebooks bevorzugte Distributionsform. Green zufolge täuscht Facebook zusätzlich überhöhte Abrufzahlen vor: „Facebook zählt gesehene Videos ab drei Sekunden – egal ob etwa der Ton ein oder aus ist. Zu diesem Zeitpunkt sehen noch etwa 90 Prozent der Menschen, die über die Seite scrollen, noch hin. Aber nach 30 Sekunden sind es nur noch 20 Prozent.“ Dies sei die sinnvollere Marke.

Nach drei Sekunden lasse sich bereits die Absicht erkennen, ein Video anzusehen, so Facebooks Antwort. „Wenn Sie über drei Sekunden auf einem Video bleiben, signalisiert uns das, dass Sie nicht mehr nur einfach einen Feed überfliegen“, schreibt Produktmanager Matt Pakes in einem Kommentar auf medium.com.

Green hält diese Darstellung für wenig überzeugend. Seiner Meinung nach müsste Facebook von einer harten Nuss sprechen, die es zu knacken habe, statt sich für falsche Zahlen aufgrund gestohlener Inhalte zu rühmen. Er stehe aber nicht etwa einseitig auf der Seite Youtubes. „Der einzige Grund, warum mich das so aufregt, ist, dass Facebook sein Wachstum höher stellt als anständiges Verhalten.“ So sei es äußerst schwierig, gestohlene Videos auf Facebook zu identifizieren, da sich die Suche etwa nicht nach Videos filtern lasse. Zudem müsse man eine Reihe Formulare ausfüllen, und auch dann benötige Facebook noch Tage, um gestohlene Inhalte zu entfernen.

Facebook-Abrufe von Videos bringen derzeit noch keine Umsätze, Rechteinhaber wie Freebooter können dort also lediglich Popularität gewinnen – was zumindest für die erste Gruppe wenig attraktiv ist. Gegenüber Youtube mit einer guten Milliarde Nutzern kann es eine Basis von 1,5 Milliarden monatlich aktiven Mitgliedern vorweisen. The Verge vermutet, dass Facebook eine Einführung des auch von Youtube genutzten Identifikationssystems Content ID vorbereitet, um Videos zu identifizieren und abzurechnen. Gründe für Eile habe es dabei nicht. Wenn sein Angebot irgendwann fertig sei, könnten es sich vermutlich ohnehin wenige leisten, ihm fernzubleiben.

In den letzten zehn Jahren habe sich die Kommunikation von Text zu Fotos verlagert, sagte Facebook-CEO Mark Zuckerberg Ende Juli in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Jetzt erfolge der Wechsel hin zu Video. „Wir sehen dort riesiges Wachstum.“ Das sei aber nicht alles – der Schlüssel seien immersive 3D-Videos, weshalb Facebook ja den Virtual-Reality-Spezialisten Oculus gekauft habe.

[Mit Material von Floria Kalenda, ZDNet.de]

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Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann

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