Qualcomm Snapdragon 820 kommt mit LTE Cat 12 und WiGig

Der Mobil-Prozessor Qualcomm Snapdragon 820 wird LTE Cat 12 mit maximalen Downloadraten von bis zu 600 MBit/s bieten. Außerdem kommt das SoC mit 4×4-MIMO, LTE-U und WiGig, das extrem schnelle Verbindungen auf kurze Entfernungen ermöglicht.

Qualcomm hat weitere Details zu seinem zukünftigen Prozessor-Flaggschiff Snapdragon 820 veröffentlicht. Nachdem es vor einem Monat schon über die Kryo-CPU informierte, gibt es nun Einzelheiten zum LTE-Modem und WLAN-Modul preis. Der Qualcomm Snapdragon 820 wird LTE Kategorie 12 mit Download- beziehungsweise Uploadraten von bis zu 600 MBit/s respektive 150 MBit/s sowie WiGig unterstützen.

(Bild: Qualcomm)

(Bild: Qualcomm)

Damit arbeitet das LTE-Modem des Snapdragon-810-Nachfolgers theoretisch nochmals deutlich schneller als zuvor. Der Vorgängerchip, der beispielsweise im neuen Google-Smartphone Nexus 6P integriert ist, kommt mit LTE Kategorie 10 mit bis zu 450 MBit/s im Download und 50 MBit/s im Upload.

Das heißt aber nicht, dass Smartphones mit dem neuen Qualcomm-Modem in jedem Fall schneller sein werden. Qualcomm realisiert die höheren Durchsatzraten vor allem durch zwei Technologien: Dreifach-Carrier-Aggregation und ein verbessertes Modulationsverfahren. Für letzteres ist nicht nur ein zusätzlicher Transceiver-Chip nötig, es muss auch von der aktuell genutzten Basisstation unterstützt werden. Dreifach-Carrier-Aggregation bedeutet, dass sich drei 20-MHz-Verbindungen zu einer schnelleren bündeln lassen.

Der Snapdragon 820 wird darüber hinaus 4×4-MIMO unterstützen, also vier Datenströme über vier Antennen, und über einen separaten Wi-Fi-Chip auch 802.11ac Multi-User MIMO – als voraussichtlich erstes SoC überhaupt. Dafür wird ein Wave-2-kompatibler Access Point benötigt.

Eine Premiere ist auch, dass Qualcomm LTE über nicht lizenziertes Spektrum unterstützt. Dieses Verfahren LTE-U wird allerdings kontrovers diskutiert: Kritiker fürchten Störungen in WLAN-Netzen, die ebenfalls im Spektrum um 5 GHz funken. US-Provider Verizon will LTE-U dennoch nächstes Jahr einführen.

Schließlich wird der Snapdragon 820 noch einen Zusatzchip für IEEE 802.11ad alias WiGig enthalten. Es ermöglicht im 60-GHz-Band extrem schnelle Verbindungen, allerdings nur auf kurze Entfernungen. Ein möglicher Anwendungsbereich könnte der Datenaustausch mit einer Dockingstation oder einem Monitor sein.

Über die CPU-Einheit „Kryo“ des Snapdragon 820 hatte Qualcomm vor einem Monat detailliert informiert. „Kryo wird im neuesten 14-Nanometer-FinFET-Verfahren gefertigt und ist für Taktraten von bis zu 2,2 GHz konzipiert“, teilt der Hersteller mit. Der Snapdragon 820 biete eine jeweils doppelt so hohe Leistung und Energieeffizienz wie das Vorgängermodell Snapdragon 810. Als 14-Nanometer-Chipfertigungspartner kommen derzeit hauptsächlich Samsung und Globalfoundries in Frage.

Wenig ist bisher hingegen über die Grafikeinheit Adreno 530 bekannt. Qualcomm lässt nur wissen, dass sie 40 Prozent schneller als der Vorgänger Adreno 430 im Snapdragon 810 sein wird. Mehr weiß man über den digitalen Signalprozessor (DSP) Hexagon 680, der dank Hexagon Vector Extensions (HVX) für Bild- und Videoverarbeitung, Computervision, Augmented Reality und VR-Brillen geeignet sein wird.

Ergänzend zu den aktualisierten Hardware-Komponenten führt Qualcomm mit dem Snapdragon 820 auch eine Technik namens Symphony System Manager ein. Sie soll für eine optimale Verteilung unterschiedlicher Arbeitslasten auf CPU, GPU und DSP sorgen, sodass stets die leistungsfähigste und zugleich energieeffizienteste Kombination die Arbeit erledigt. Erste Geräte auf Basis des Snapdragon 820 werden für 2016 erwartet.

Im High-End-SoC-Bereich fehlt es allerdings nicht an Alternativen. So soll Mediateks X20 mit zehn CPU-Kernen (zwei Cortex-A72 sowie zwei Cluster mit je vier Cortex-A53) noch vor Jahresende erscheinen. Der in 16 Nanometer gefertigte Achtkern-Chip Kirin 930 von HiSilicon ist sogar schon verfügbar, während die Arbeiten an den Nachfolgern Kirin 940 und 950 laufen. Gerüchten zufolge arbeitet auch Samsung an einem angepassten CPU-Code namens Mongoose für das nächste Exynos-Spitzenmodell. Quellen von Reuters berichten hingegen, dass Samsung mit dem nächsten Galaxy-Spitzenmodell zur Snapdragon-Reihe zurückkehren könnte.

[Mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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Autor: Christian Schartel
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