Android: Google plant offenbar Infotainment-OS fürs Auto

Im Gegensatz zur App Android Auto soll Googles Android-Infotainment-OS für Fahrzeuge ohne ein Smartphone auskommen und direkt die Hardware des Wagens nutzen. Automobilhersteller könnten es anstelle eigener ab Werk aufgespielter Lösungen verwenden, die auf älteren und weniger sicheren Android-Versionen basieren.

Google arbeitet offenbar an einer eigenen Infotainment-Betriebssystemversion von Android, die direkt auf der Hardware von Fahrzeugen läuft und sich damit von dem bereits bekannten Android Auto unterscheidet. Das berichtet die Webseite Ars Technica, die Hinweise darauf in der aktualisierten Ausgabe des Android Compatibility Definition Documents (CDD) für Android 6.0 Marshmallow entdeckt hat.

(Screenshot: Google)

Im Gegensatz zur App Android Auto, soll Googles Android-OS für Fahrzeuge ohne ein Smartphone auskommen und direkt die Hardware des Wagens nutzen (Screenshot: Google)

In dem CDD hält Google die Kompatibilitäts-Bedingungen seines OS für Partner fest, die den Google Play Store oder andere Apps des Suchmaschinenbetriebers lizensieren wollen. In dem 74 Seiten langen Dokument finden sich beispielsweise Details zur Implementierung von APIs, Teilen der Android-Oberfläche oder Media-Codecs sowie der Kompatibilität von Hardware.

Android Auto wurde im dem CDD bislang nicht erwähnt, da es sich dabei nicht um ein Betriebssystem wie Android, Android TV oder Android Wear handelt, sondern lediglich um eine App wie Apple Car Play, die Funktionen von Android mithilfe eines mit dem Fahrzeug verbundenen Smartphones auf das Infotainmentsystems des Autos überträgt. Ausgeführt wird die Software auf dem Mobilgerät. Das Infotainmentsystem des Autos wird sozusagen nur als Touchscreen verwendet.

In der neuen Version des Android Compatibility Definition Documents werden nun aber zahlreiche Funktion wie „android.hardware.type.automotive“ oder ein „uiMode“ namens „UI_MODE_TYPE_CAR“ angeführt, die offenbar in Verbindung mit Autos stehen. Dies würde nur dann Sinn machen, wenn Google auch an einer eigenen Android-Version für Fahrzeugsysteme arbeitet, die direkt die Hardware des Autos nutzt und ohne gekoppeltes Smartphone auskommt. Das Dokument legt auch fest, dass die Auto-Version von Android einen Home-Button enthalten muss. „Zurück“ und „Zuletzt genutzte Apps“ sind fakultativ. Die aktuelle Android-Auto-App enthält zwar einen Home-Button, aber keinen für „Zurück“ oder die letzten Apps. Ein Recent-Button würde nur Sinn machen, wenn das Auto-OS mehr Apps als nur Karten, Musik und Telefon unterstützt.

Gerüchte über eine Android-OS-Version für Fahrzeugsysteme kursieren auch schon länger im Netz. So berichtete Reuters schon letzten Dezember, Android M werde einen Modus für die Infotainment-Nutzung im Auto enthalten. Harman International, ein wichtiger Zulieferer von General Motors, soll an der Entwicklung beteiligt sein.

Automobilhersteller könnten Googles Auto-OS dann anstelle eigener ab Werk aufgespielter Lösungen verwenden. Einige Autohersteller nutzen nämlich schon Android in ihren Fahrzeugen, setzen aber jeweils auf selbst angepasste Software auf Basis älterer Versionen des Android Open Source Project (AOSP). Nach Recherchen von Ars Technica läuft etwa der Honda Accord 2016 unter Android 4.0 und der Hyundai Sonata 2016 unter Android 2.3, denen im Vergleich zu den neueren Versionen wichtige Sicherheitsupdates fehlen.

Die App Android Auto ist seit März 2015 verfügbar und erfordert eine Verbindung des Smartphones mit dem Bordsystem des Autos, dessen Display sie nutzt. Sie macht so ausgewählte Dienste wie Maps und Music auf Fahrzeugsystemen etwa von Pioneer verfügbar. Der Fahrer kann auch per Sprachbefehl Telefonate starten sowie SMS versenden.

Zu den Unterstützern zählt VW, das aber auch Kompatibilität zu Apples Konkurrenzsystem CarPlay bietet. Der neue 911er von Porsche hingegen unterstützt nur Apples CarPlay und verzichtet auf Android Auto. Dem Autohersteller sammelt Google zu viele Fahrzeugdaten bis hin zur Drosselklappenstellung und entwickelt zudem aktiv ein selbstfahrendes Auto, dessen Entwicklung man mit der Lieferung von Fahrzeugdaten nicht unterstützen möchte.

[Mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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Autor: Christian Schartel
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