Nest Cam: Überwachungskamera lässt sich nicht abschalten

Offenbar trennt der Ein/Aus-Schalter nur die Bereitschafts-LED vom Strom, wodurch die Stromaufnahme nur um weniger als 10 Prozent sinkt. Laut Nest wechselt die Kamera jedoch in einen Bereitschaftsmodus und stellt die Überwachung ihrer Umgebung ein.

Offenbar lässt sich die internetfähige Überwachungskamera Nest Cam der Google-Tochter Nest nicht abschalten, wie eine Analyse von ABI Research ergeben hat. Demnach trennt der Ein/Aus-Schalter der Kamera nur die LED vom Strom, die die Betriebsbereitschaft anzeigt. Die Kamera selbst bleibt, entgegen der berechtigten Erwartung von Nutzern, eingeschaltet.

Nest Cam (Bild: Nest)

Nest Cam (Bild: Nest)

„Ein typisches Ausschalten oder ein Standby-Modus würden die Stromaufnahme um Faktor 10 bis Faktor 100 senken“, teilte ABI Research mit. „In diesem Fall reduziert sich die Stromaufnahme nur von 370 mA auf 340 mA. Das bedeutet, dass selbst wenn ein Verbraucher denkt, er oder sie habe die Kamera erfolgreich ausgeschaltet, das Gerät immer noch läuft.“

Der geringere Stromverbrauch sei indes nur auf die deaktivierte LED zurückzuführen. „Es scheint, die Nest Cam arbeitet rund um die Uhr“, ergänzte Jim Mielke, Vice President bei ABI Research.

Nach Herstellerangaben wechselt die Nest Cam beim Ausschalten in einen Bereitschaftsmodus. Sie übertrage aber keine Bilder mehr. „Wenn die Nest Cam über die Bedienoberfläche abgeschaltet wird, fährt sie nicht vollständig runter, da wir erwarten, dass sie jederzeit wieder eingeschaltet werden kann. Wenn die Nest Cam aus ist, stellt sie die Übertragung von Videos in die Cloud vollständig ein, was bedeutet, dass sie ihre Umgebung nicht mehr beobachtet.“

Nest hatte die Überwachungskamera im Juni vorgestellt. Sie zeichnet Full-HD-Videos auf und bietet auch eine Nachtsichtfunktion. Ihre Videostreams lassen sich auch unterwegs mit einem Smartphone betrachten. Alle Übertragungen schützt sie mit einer 128-Bit-SSL-Verschlüsselung, laut Nest auch, wenn das Gerät abgeschaltet ist.

Sicherheitsexperten warnen indes, dass mit dem Internet verbundene Videokameras ein beliebtes Ziel von Hackern sind. Vor allem Geräte, die mit einem voreingestellten Passwort ausgeliefert werden, das Nutzer bei der Ersteinrichtung nicht zwangsweise ändern müssen, sind leicht angreifbar.

Aber auch schwache Passwörter müssen als „Sicherheitslücke“ angesehen werden, da sie Brute-Force-Angriffe erleichtern. Diesen Umstand machten sich Cyberkriminelle zunutze, um weltweit rund 900 Überwachungskameras zu kompromittieren und sie für Distributed-Denial-of-Service-Angriffe zu nutzen. Nach Angaben des Sicherheitsunternehmens Incapsula gibt es weltweit mehr als 245 Millionen Sicherheitskameras. Nicht professionell eingerichtete und betriebene Systeme – in diese Kategorie fällt wahrscheinlich auch die Nest Cam – sind in dieser Zahl nicht enthalten.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
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