Internet Archive richtet Museum für historische Computerviren ein

Das Malware-Museum stellt insgesamt 65 historische Computer-Viren aus. Besucher können Schädlinge wie Casino oder Techno so erleben, wie sie in den 80er und 90er Jahren auf einem IBM-PC auftraten.

Das Malware-Museum ist eine Sammlung von historischen Schadprogrammen, die in den 80er und 90er Jahren Computer heimgesucht haben. Gegründet wurde es von dem Sicherheitsexperten Mikko Hypponen von F-Secure und Jason Scott, dem Kurator des Internet Archive.

(Screenshot: Malware Museum)

Das Malware-Museum stellt insgesamt 65 historische Computer-Viren aus (Screenshot: Malware Museum)

Sobald die Viren ein System infiziert hatten, zeigten sie manchmal eine Animation oder Meldungen auf dem Bildschirm an, dass der PC kompormittiert wurde. Mithilfe von Emulatoren und durch das Entfernen der zerstörerischen Routinen der Malware ermöglicht es das Malware-Museum, die jahrzehntealten Schadprogramme ohne Gefahr zu erleben.

Unter den Ausstellungstücken finden sich manche Viren, die noch einen Hauch an Witz und Kreativität versprühten. Beispielsweise zerstörte Casino die Daten auf der Festplatte eines Nutzers, speicherte sie aber noch im RAM zwischen, um dem PC-Besitzer eine „letzte Chance“ zu geben, sie durch eine Partie Jackpot an einem simulierten Spielautomaten zurückzugewinnen.

Über den Browser-Emulator DOS Box können Besucher des Museums Casino und andere Malware so erleben, wie sie auf einem IBM-PC seinerzeit auftraten. DOS Box war fürs MS-DOS-Spielearchiv des Internet Archive konzipiert worden.

Insgesamt werden 65 Exponate gezeigt, darunter die nach einer Figur im Roman „Der Herr der Ringe“ benannte Schadsoftware Frodo. Sie aktiviert sich am Geburtstag dieser Figur, dem 22. September. Auch Techno ist das Ausprobieren wert: Es piept, schreibt den Bildschirm mit dem Begriff Techno voll und fordert den Nutzer auf, keinesfalls die Tastatur anzurühren.

Zudem enthält das Museum ein Video einer Präsentation einer Demonstration von Hypponen bei der Konferenz Defcon 2011, wo er eine Floppy-Disk mit dem ersten PC-Virus Brain.A von 1986 präsentierte. Vor ihm gab es Hypponen zufolge allerdings schon einige Apple-Viren, die auf lange Sicht aber eine untergeordnete Rolle spielen sollten.

Zu den Besonderheiten von Brain.A zählt laut Hypponen, dass seine pakistanischen Autoren ihre Namen, Telefonnummern und Postadressen darin hinterlegten. Hypponen kontaktierte sie und erfuhr, der Virus sei nur als Beweis gedacht, dass DOS nicht so sicher wie Unix sei. Wie damals die meisten Viren verbreitete sich Brain.A von Disk zu Disk. Er jagte zahlreichen Anwendern weltweit einen gehörigen Schrecken ein.

[Mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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Autor: Christian Schartel
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