LG G5 Test – der Weitwinkel macht den Unterschied

Das im Frühjahr vorgestellte LG G5 ist das erste modulare Smartphone, das breit erhältlich ist. Mit zusätzlichen Modulen lässt sich so der Sound verbessern oder ein Kameragriff hinzufügen. Wirklich begeistert hat uns im Test aber letztendlich etwas anderes.

LG G5 im Übergizmo Video-Test

Design & Verarbeitung

Das LG G5 ist das erste Smartphone des koreanischen Herstellers, das mit einem vollwertigen Aluminium-Unibody Gehäuse kommt (und nach dem LG Class das zweite Alu-Smartphone von LG überhaupt). Das Gefühl in der Hand ist somit sehr hochwertig, das Gerät ist sehr stabil und verwindungssteif gebaut.

Das Bild wird allerdings von der recht dicken Grundierungs- und Lackschicht getrübt. Die Diskussion kam zuerst auf, als ein Blogger die Rückseite aufkratzte und nur recht tief „richtiges“ Aluminium vorfand. LG erklärte es damit, dass man beim LG G5 mit einer neuartigen und leichteren Aluminium-Legierung arbeitet, dann das Smartphone grundiert und anschließend mit einem Lack besprüht, der zusätzlich Metallpartikel enthält. So viel zur Theorie, in der Praxis sieht es leicht anders aus.

LG G5 Test Ubergizmo 19

Ich habe das G5 diversen Testpersonen in die Hand gedrückt und gefragt, aus welchem Material es besteht. „Plastik“ antwortete die überwiegende Mehrheit. Am besten ihr bildet euch selbst ein Bild vom LG G5, die Wahrnehmungen unterscheiden sich teils enorm. Ich persönlich empfinde das Material als hochwertig und sehr kratzbeständig – zwei Eigenschaften, die mir bei einem Smartphone wichtig sind. Ob es sich nun wie „echtes“ Metall anfühlt, diese Frage überlasse ich euch.

Ergonomisch gesehen ist das G5 ein Sprung nach vorne im Vergleich zum G4. Durch die Metallstruktur fühlt es sich hochwertiger und stabiler an. Das G5 ist dazu auch noch ca. 2,5mm schmaler und lässt sich dadurch sicherer in der Hand halten. Auch die gewölbte Rückseite, die von einem Chromrand unterbrochen wird, trägt zur Ergonomie bei. Etwas schade ist, dass das LG G5 im Vergleich zum Vorgänger in der Höhe sogar marginal gewachsen ist, obwohl die Displaydiagonale von 5,5 Zoll auf 5,3 Zoll abgenommen hat. Dies ist sowohl dem Modulslot an der Unterseite als auch dem großen gewölbten Displayrahmen auf der Oberseite geschuldet.

Die Aluminium-Rückseite des LG G5 fühlt sich mehr nach Plastik an (Bild: Übergizmo)

Die Aluminium-Rückseite des LG G5 fühlt sich mehr nach Plastik an (Bild: Übergizmo)

Die Verarbeitungsqualität ist insgesamt gut, LG leistet sich aber auch einige Patzer, die in dieser Preisklasse nicht sein dürfen. Vor allem im Übergangsbereich zwischen dem Magic Slot genannten Modulhalter und dem Gehäuse finden sich die meisten Fehler. Bei unserem Testgerät ist das Aluminium-Gehäuse in der Mitte leicht gewellt, dazu stimmt die Breite des Moduls nicht ganz mit dem Gehäuse überein, sodass sich eine spür- und sichtbare Kante bildet. Ebenfalls sind die Öffnungen für USB Typ-C sowie den Kopfhörerausgang zu scharfkantig. Was ebenfalls hätte besser gelöst sein können, das sind die Aussparungen für die Antennen am Chromrand. Diese sehen eher aus, als ob der Lack abgeplatzt wäre und man hätte es sicher schöner lösen können.

Die Aussparungen für die Antennen sehen wie Lackplatzer aus (Bild: Übergizmo)

Die Aussparungen für die Antennen sehen wie Lackplatzer aus (Bild: Übergizmo)

Tschüss, Rear Key, hallo Fingerabdrucksensor!

Was im Vergleich zu allen Vorgängern seit dem LG G2 fehlt  ist der so genannte Rear Key auf der Rückseite. Die G-Reihe von LG zeichnete sich dadurch aus, dass sowohl Standby-Knopf als auch die Lautstärketasten auf der Gehäuserückseite angebracht waren und somit angenehm mit dem Zeigefinger zu bedienen waren. Beim G5 ist nur der Standby-Knopf (ja, es ist ein richtiger Knopf!) hinten geblieben, wurde dafür aber mit einem Fingerabdrucksensor ausgestattet. Dieser arbeitet recht schnell und zuverlässig und entsperrt den Bildschirm in der Regel beim ersten Kontakt. Er ist nicht ganz so schnell wie beim Huawei P9 oder dem Samsung Galaxy S7, die Geschwindigkeit reicht aber mehr als aus.

Auch der Funktionsumfang fällt bei der Konkurrenz größer aus. Neben dem Entsperren des Bildschirms kann man lediglich Notizen und Fotos per Fingerabdruck sperren. Leider können damit keine ganzen Foto-Ordner gesperrt werden, sondern nur einzelne Bilder, die man mühselig auswählen muss.

Der Rearkey ist weg, stattdessen gibt's einen Fingerabdrucksensor (Bild: Übergizmo)

Der Rearkey ist weg, stattdessen gibt’s einen Fingerabdrucksensor (Bild: Übergizmo)

Magic Slot und die Module

Der Magic Slot ist das Aushängeschild des LG G5. Mit einem Tastendruck am unteren linken Rand kann man die Unterseite des Smartphones lösen und diese samt Akku nach unten herausziehen. Daraus ergeben sich diverse Vorteile: Zum einen kann man innerhalb weniger Sekunden den Akku mit einem frischen, aufgeladenen austauschen. Zum anderen kann man statt der normalen Unterseite andere Module verwenden, die das Smartphone mit sinnvollen Funktionen erweitern.

Im Moment gibt es nur zwei der so genannten „Friends“, die an das LG G5 von unten angesteckt werden können. Der erste Freund ist das LG Hi-Fi Plus Modul, ein Digital-Analog-Converter (DAC) von Bang & Olufsen, der 32bit Sound mit bis zu 384kHz wiedergeben kann. Bei unserem Kurztest auf dem MWC war der Klang dadurch etwas klarer, da uns aber ein finales Testgerät fehlt, wollen wir nicht näher darauf eingehen; audiophile Nutzer sollten sich den sehr ausführlichen Test zum Hi-Fi Plus Modul auf androidauthority anschauen.

Der Magic Slot (Bild: Übergizmo)

Der Magic Slot (Bild: Übergizmo)

Der zweite Freund, den wir umso ausführlicher testen konnten, ist das Cam Plus Modul. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei um eine Erweiterung der Kamera. Das Cam Plus Modul ist im Grunde ein erweiterter Griff, der sich an die Rückseite des LG G5 schmiegt, um es beim Fotografieren besser bedienen zu können. Passend dazu gibt es einen Auslöseknopf mit einer Zwischenstufe für den Fokus, einen Videoknopf sowie einen kleinen Schieber, um die Kamera jederzeit sehr schnell starten zu können. An der rechten Ecke gibt es sogar ein kleines Rädchen, um rein- oder rauszuzoomen, wobei es aber „nur“ digitaler Zoom ist, der aber zusätzlich zwischen den beiden Objektiven hin- und herschaltet. Leider hat das Rädchen keinerlei Widerstand oder spürbare Stufen, sodass man nicht wirklich spürt, wann die nächste Zoom-Stufe erreicht ist. Abgerundet wird das Cam Plus Modul vom zusätzlichen, eingebauten 1200mAh Akku, der den internen Akku des LG G5 nebenbei auflädt und somit etwa 30% zusätzliche Laufzeit bietet – perfekt für lange Sightseeing Tage!

Das Cam Plus Modul bietet viele Knöpfe und einen eingebauten Akku (Bild: Übergizmo)

Das Cam Plus Modul bietet viele Knöpfe und einen eingebauten Akku (Bild: Übergizmo)

Es gibt aber auch drei Nachteile beim Magic Slot. Erstens, die Preise für die beiden Module sind nicht gerade niedrig: 149 Euro kostet das Hi-Fi Plus von B&O, 99 Euro das Cam Plus. Zweitens, es gibt bisher nur diese zwei Erweiterungen. LG wird zwar demnächst eine Entwicklerkonferenz für den Magic Slot abhalten, aber Stand heute habt ihr nicht viel Auswahl. Dabei hätte man einiges daraus machen können. Ein Modul mit einem zusätzlichen, flachen Akku, ein Gamingpad, ein Soundmodul mit lauten Stereo-Lautsprechern – der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Dritter und letzter Nachteil – das Smartphone geht aus, wenn ihr die Unterseite aufmacht. LG hat darauf verzichtet, einen kleinen Akku im G5 zu verbauen, um das Handy für wenige Minuten weiter betreiben zu können, während man die Module tauscht. Plug’n’play ist somit nicht wirklich möglich. Schade.

Brillantes Display, beste Performance

Wie vorhin schon angemerkt setzt LG beim G5 auf ein 5,3 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 2560*1440 Pixeln. Die Anzeige ist extrem scharf, sodass sich einzelne Pixel nicht unterscheiden lassen. Hervorzuheben sind die natürlichen Farben sowie sehr gute Blickwinkel für ein IPS-Panel. Fotos und Videos sehen dadurch lebendig aus und Spiele machen einfach Spaß. Bei der Helligkeit wirbt LG zwar mit einer maximalen Helligkeit von 850 nit, diesen Wert konnten wir aber nicht erreichen. Im Vergleich zu einem Huawei P9 Plus zieht das LG G5 bei direktem Sonnenlicht sichtbar den kürzeren.

Das Display könnte etwas heller sein (Bild: Übergizmo)

Das Display könnte etwas heller sein (Bild: Übergizmo)

Bei der Hardware setzt LG auf die diesjährige Top-Kombination aus einem Qualcomm Snapdragon 820 Prozessor (Quad Core mit maximal 2,15 Gigahertz) sowie 4 Gigabyte Arbeitsspeicher. Das LG G5 erreicht somit nicht nur Bestwerte in allen möglichen Benchmarks, es läuft auch im Alltag butterweich. Alle Animationen sind flüssig, Apps öffnen fast im Augenblick der Berührung und Multitasking ist ebenfalls ein großes Vergnügen. Spiele? Überhaupt kein Problem, mit dem LG G5 seid ihr für die nächsten Jahre bestens gerüstet. Auch beim Speicher setzt LG, wie alle anderen Hersteller auch, auf 32GByte eingebauten Medienspeicher, der sich mit microSD Speicherkarten erweitern lässt.

Kameras – Der Weitwinkel macht den Unterschied

In der Einleitung sprach ich davon, dass nicht der Magic Slot das spannendste am LG G5 sei. Lösen wir es auf – das Feature, das mich am meisten begeistert hat, war die Kamera; zwei Kameras, um genau zu sein.

Selbst einem ungeschulten Blick wird auffallen, dass das LG G5 hinten besonders ist. Das liegt an den beiden Kameralinsen auf der Rückseite. Eine davon macht Bilder mit 16 Megapixeln und bietet einen „gewöhnlichen“ 78 Grad Bildwinkel, die andere bietet nur 8 Megapixel, kann dafür aber mit Fisheye-ähnlichen 135 Grad Bildwinkel aufnehmen. Kennt ihr die Situation, wo ihr ein Gruppenbild machen wollt, aber nicht alle ins Bild passen? Oder ihr wollt ein Foto von einem Raum machen, seht im Sucher aber nur die Wand vor euch? Das alles sind genau die richtigen Situationen für einen Super-Weitwinkel.

Die Kameras auf der Rückseite - ein Highlight (Bild: Übergizmo)

Die Kameras auf der Rückseite – ein Highlight (Bild: Übergizmo)

Ganz ehrlich, wenn ihr einmal die Weitwinkelkamera im LG G5 ausprobiert habt, wollt ihr nicht mehr zurück. Auf einmal ist die Welt da draußen viel größer und weiter, die Möglichkeiten für die eigene Kreativität verdoppeln sich gefühlt. Gut, es gibt natürlich auch ein Paar Nachteile. Die Weitwinkel Kamera fängt bei wenig Licht deutlich früher an zu rauschen und nimmt generell dunklere Aufnahmen auf. Außerdem kann sie keine 4K Videos aufnehmen. Dennoch, die 135 Grad Linse begeistert.

Die Bildqualität des LG G5 ist insgesamt sehr gut, auch wenn die Bilder im Vergleich zu einem Huawei P9 etwas nüchtern, aber dafür neutraler aussehen. Bei wenig Licht profitiert das G5 vom optischen Bildstabilisator sowie der weiten f1.8 Blende und schießt gute, helle und scharfe Aufnahmen. Wer gerne selbst Hand anlegt, der bekommt einen komplett manuellen Modus mit Einstellungen für Belichtungsmessung und -Korrektur, ISO-Wert, Verschlusszeit, Fokus und mehr. Leider wurde dieser Pro-Modus für die Video Aufnahme deaktiviert. Schade.

Insgesamt macht es viel Spaß mit dem LG G5 sich ins Foto-Abenteuer zu stürzen. Die Kamera gehört zu den besten dieses Jahres, der zusätzliche Weitwinkel macht das G5 einzigartig.

Gute Akkulaufzeit

Beim Akku setzt LG auf ein Modell mit 2800 Milliamperestunden, womit der Akku nicht nur im Vergleich zum G4 kleiner geworden ist, sondern auch nicht ganz an die Konkurrenz heranreicht. Die Akkulaufzeit kann sich dennoch sehen lassen. Mit deaktiviertem Always-On Display hielt das G5 bei unserer Nutzung einen vollen Tag mit etwa vier Stunden Display-On-Zeit. Dabei wurde öfters über Spotify gestreamt, diverse Messenger und Social Media Netzwerke wurden aktiv genutzt und auch die Kamera wurde öfters für Schnappschüsse rausgeholt. Für Vielnutzer besonders praktisch ist die QuickCharge 3.0 Funktion, die es ermöglicht das G5 in nur 28min zur Hälfte zu laden; 90% erreicht ihr in nur einer knappen Stunde.

Das LG G5 überzeugt, muss aber auch Kritik einstecken (Bild: Übergizmo)

Das LG G5 überzeugt, muss aber auch Kritik einstecken (Bild: Übergizmo)

LG G5 Test – Fazit

Das LG G5 ist ein sehr gelungenes Smartphone, das mit seinen Innovationen überzeugt. Vor allem die beiden hochwertigen Kameras auf der Rückseite wissen zu gefallen, sodass man nie mehr die Wahl zwischen Standard und Weitwinkel missen möchte. Die Performance, Akkulaufzeit sowie die Ausstattung sind auf einem sehr hohen Niveau. Das modulare Design bietet ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, solange man es auch wirklich ausnutzen möchte. Das entsprechende Zubehör für den Magic Slot ist bisher aber teuer und bietet nur geringe Funktionserweiterungen, das kann sich in Zukunft ändern.

Wer über die Verarbeitungsmängel sowie das etwas zu dunkle Display hinwegsehen kann, erhält mit dem LG G5 ein sehr gutes und recht einzigartiges Smartphone.

(Bild: Übergizmo)

Pro / Con

(Bild: Übergizmo)Sehr gute Kamera mit Weitwinkel-Option

(Bild: Übergizmo)Sehr gute Performance

(Bild: Übergizmo)

Erweiterungsmöglichkeiten durch Magic Slot

(Bild: Übergizmo)Verarbeitungsqualität mit Mängeln

(Bild: Übergizmo)wenige, teure Module für den Magic Slot

Autor: Christian Schartel
Christian Schartel Christian Schartel Christian Schartel

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