3D-Drucker für zu Hause – BQ Witbox 2 im Test

3D-Druck ist eine der vielversprechendsten Zukunftstechnologien. Mit 3D-Druckern kann man so ziemlich alles drucken, was man sich vorstellen kann – ob Autos, Motorräder, Flugzeuge, Häuser, Prothesen, Schaltkreise oder Lebensmittel. Vielen von euch wird es vermutlich so gehen wie uns: Wir haben zwar schon viel von 3D-Druckern gehört, gelesen und gesehen, aber selbst benutzt haben wir bislang noch keinen. Wir hatten nun die Möglichkeit, den 3D-Drucker BQ Witbox 2 für eine geraume Zeit auszuprobieren. Lest unsere Erfahrungen im Test.

Der BQ Witbox 2 ist laut Hersteller ein perfekter Drucker für zu Hause. Er zählt sich mit einem Preis von 1690 Euro nicht zu den günstigsten, aber auch nicht den teuersten Modellen. Für den Einstieg bietet er aber sicherlich schon ein gehobenes Niveau. BQ bewirbt den 3D-Drucker auch als ein Gerät mit Profi-Qualität.

Aufbau & Lieferumfang

Der 3D-Drucker kommt in einer großen und vor allem schweren Schachtel. Bevor man die Verpackung in aller Vorfreude direkt oben aufschneidet, sollte man auf die Instruktionen auf dessen Deckel achten. BQ hat sich hier nämlich Gedanken gemacht und ein praktisches System überlegt.

Den Karton öffnet ihr nicht wie üblich an der Oberseite, sondern hebt diesen einfach wie eine Servierglocke nach oben weg. Dazu findet ihr an beiden Unterseiten der Verpackung zwei Kunststoffverankerungen, die durch eine Drehung  gelöst werden. Das hat den Vorteil, dass ihr den schweren 3D-Drucker nicht umständlich aus der Verpackung heben müsst.

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Im Lieferumfang ist alles Nötige enthalten, um direkt mit dem 3D-Druck loslegen zu können. Neben dem Gerät samt allen Komponenten ist auch gleich eine Spule mit PLA-Filament (bei uns rot) sowie eine 4 GByte große SD-Karte mit drei vorinstallierten 3D-Modellen für die ersten Testdrucke mit dabei. Zudem ist ein Wartungskit enthalten, das zwei Nadeln und eine Drahtbürste zur Reinigung des Hotends beinhaltet. Ein Spachtel zum Lösen der fertigen Drucke vom Druckbett ist ebenfalls inklusive.

Der Aufbau des Witbox 2 geht relativ flott und ist auch für Nutzer problemlos meisterbar, die bislang noch keine Erfahrungen mit der Materie hatten. Der schwierigste Teil ist, das schwere Gerät auf den Tisch zu hieven. BQ liefert vier Kunststoffschutzecken für die Metallfüße mit, die den Stand sichern und die Unterlage vor Kratzern schützen.

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Anschließend müsst ihr noch die Seitenwände aus Plexiglas anbringen, die Extruder-Schutzvorrichtung entfernen,  die obere Abdeckplatte aufsetzten und das Druckbett einsetzten – dann kann es quasi schon fast losgehen.

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BQ liefert die nötigen Imbusschlüssel für die Montage mit. Zu Guter Letzt muss noch die Metallhalterung für die Filamentspule angebracht und das Gerät an den Strom angeschlossen werden.

Design & Bedienung

Der Drucker sieht mit seiner weißen Verkleidung ziemlich schick aus und sollte sich daher beispielsweise auch gut in den Haushalt oder in ein Büro integrieren lassen. Er misst 508 mal 393 mal 461 Millimeter, benötigt also schon etwas Platz zum Aufstellen. Mit Karton wiegt er satte 34 Kilogramm.

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Beim BQ Witbox 2 handelt es sich um einen 3D-Drucker mit einem geschlossenen Bauraum. Das hat den Vorteil, dass ihr nicht direkt den ultrafeinen Partikeln ausgesetzt seid, die beim Drucken ausgestoßen werden und unter Umständen gesundheitsschädlich sind.

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Außerdem hält sich dadurch die Geruchsentwicklung in Grenzen, was gerade für den Einsatz zu Hause ein großes Plus ist. Auch während dem Drucken konnte man sich ohne Probleme in dem Raum aufhalten. Dennoch empfiehlt es sich, den Drucker in einem gut belüfteten Zimmer aufzustellen.

Die Plexiglastür kann mit einem Schlüssel abgesperrt werden. Dadurch ist der Bauraum während eines Drucks beispielsweise für Kinder unzugänglich – ebenfalls ein Plus für den Heimeinsatz. BQ liefert zwei Schlüssel mit.

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An der Vorderseite des BQ Witbox 2 befindet sich ein LC-Display, das über ein Drehrad bedient wird. Ein Touchscreen wäre natürlich komfortabler, die Bedienung geht aber auch mittels drücken und drehen leicht von der Hand. Die neue grafische Oberfläche mit Icons macht die Steuerung dabei noch deutlich intuitiver – für allem für Anfänger. Beim Vorgänger und vielen anderen Modellen wird nur Text angezeigt. Der Hauptscreen umfasst jetzt beispielsweise Symbole zum Laden von GCode-Dateien von der SD-Karte, Nivellieren der Basis oder Ein- und Ausgeben des Filaments.

Filament & Technische Daten

Der Witbox 2 arbeitet wie bereits erwähnt mit PLA-Filament und verwendet das FFF/FDM-Verfahren. Das Filament hat einen Durchmesser von 1,75 Millimetern. Der Drucker verarbeitet neben Standard-PLA auch elastisches FilaFlex sowie gemischtes Holz-, Kupfer- und Bronze-Filament. Diese bestehen in der Regel zu 70 bis 80 Prozent aus PLA. Die von BQ angebotenen Spulen kosten zwischen 20 und 50 Euro für um die 600 bis 1000 Gramm.

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Das Druckvolumen des 3D-Druckers beträgt 297 mal 210 mal 200 Millimeter, womit sich schon recht große Projekte realisieren lassen. Mit Lampenschirmen oder ähnlichem stößt man aber auch hier des Öfteren an die Grenzen und muss seine Objekte etwas kleiner skalieren. Die empfohlene Höchstgeschwindigkeit beträgt je nach Material bis zu 200 mm/s, die Auflösung der 0,4-mm-Düse bis zu 20 Mikrometer.

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Drucken & Nivellieren

Bevor ihr drucken könnt, müsst ihr das Filament einlegen. Im Allgemeinen hat das stets gut geklappt. Allerdings muss man zum Beispiel bei Bronze aufpassen, dass es beim Einfädeln in die Führung nicht abbricht, da es etwas spröde ist. Bei der Filamentausgabe hatten wir hin und wieder das Problem, dass sich besonders Bronze nicht vom Extruder lösen wollte. Hier half dann nur kräftiges ziehen, in der Hoffnung, dass es nicht abreißt und man den kompletten Schlauch abmontieren muss.

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Vor einem Druck müsst ihr natürlich den 3D-Drucker mit einer entsprechenden Modell-Datei füttern. Wer keine eigenen Modelle erstellen will oder kann, der findet auf Thingiverse so ziemlich alles, was das Herz begehrt. So richtig cool wird ein 3D-Drucker aber erst, wenn man seine eigenen 3D-Modelle anfertigen kann. Dazu muss man auch keine CAD-Software beherrschen, sondern kann beispielsweise auch das einfachere SketchUp nutzen.

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Für den Anfang wird man sich aber wohl – wie wir – schon fertiger Modelle bedienen. Die heruntergeladenen Modell-Dateien von Thingiverse könnt ihr mit der Software Cura öffnen. Diese müsst ihr anschließend als GCode abspeichern, damit sie der Witbox versteht. In Cura könnt ihr Objekte drehen, verkleinern oder vergrößern und Einstellungen wie die Fülldichte ändern.

Beim Speichern eines Files solltet ihr unbedingt warten, bis dieser auch wirklich komplett von Cura auf der SD-Karte gespeichert wurde. Nach dem Klick hat dies bei uns je nach Größe einige Zeit gedauert. Am unteren Bildschirmrand muss ein Dialogfeld erscheinen, das den Abschluss des Vorgangs bestätigt. Ansonsten ist das Modell womöglich nicht vollständig auf der Karte und bricht dann beim Drucken einfach ab.

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Zum Drucken empfehlen wir, die Druckprofile von BQ für das entsprechend verwendete Filament zu nutzen – zumindest wenn man sich mit den manuellen Einstellungen in Cura noch nicht so gut auskennt. Die Profile findet ihr auf der Support-Seite von BQ. Einfach entpacken und nach Bedarf in Cura vor dem Speichern laden. BQ hat Profile für Bronze/Kupfer, Holz, FilaFlex und PLA. Allerdings nur letzeres mit Unterteilung in Low, Medium und High-Quality.

Die SD-Karte mit den gespeicherten GCodes wird anschließend im Innenraum hinter dem Display eingesteckt und der entsprechende File über das Bedienelement ausgewählt.

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Die Nivellierung hat BQ beim Witbox 2 deutlich verbessert. Das neue Modell kommt mit einer sensorgestützten automatischen Bettnivellierung, die von der Firmware vor jedem Druck angestoßen wird. Dies ist äußerst praktisch, da man selbst nicht eingreifen muss, was den 3D-Druck für Anfänger erleichtert.

Je nach verwendeter Qualität und Größe des zu druckenden Objekts dauert es schon mehrere Stunden, bis ein Projekt fertig ist. Bei sehr großen Objekten, die den Bauraum komplett ausnutzen, kann es auch schon mehrere Tage dauern. Der schnellste 3D-Drucker ist der Witbox 2 sicherlich nicht.

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Wie bereits erwähnt, hält sich die Geruchsentwicklung während dem Drucken in Grenzen. Dafür ist der Witbox 2 recht laut. Wir hatten ihn bei uns im Video-Studio stehen. Ein Aufnehmen war währenddessen nicht möglich. Allerdings hat BQ die Lautstärke im Vergleich zum Vorgänger schon reduziert. Die zweite Generation kommt mit nur einem Lüfter aus. Und zur Not besteht auch die Möglichkeit, einen Druck zu pausieren.

Druckqualität 

Die Druckqualität des BQ Witbox 2 ist im Großen und Ganzen ordentlich. Wir haben meist mit mittlerer Qualität gedruckt, um die Druckzeit zu verkürzen. Beim genauen Hinschauen sieht man hier stets leicht die verschiedenen Schichten. Insgesamt konnten sich die Ergebnisse aber dennoch sehen lassen. Wer eine höhere Qualität einstellt, dürfte auch noch bessere Ergebnisse erzielen. Nachfolgend findet ihr einige Fotos von den gedruckten Objekten und könnt euch selbst ein Bild machen.

Das normale PLA-Filament wird auch schon bei einer niedrigeren Fülldichte (20 Prozent) erstaunlich fest und hart. Das Holz- und Bronzefilament sind nicht so widerstandsfähig. Besonders Bronze zeigte sich als etwas brüchig. Zudem sehen mit Holz oder Bronze gedruckte Modelle am Ende natürlich nicht so aus, als seien sie aus massivem Holz oder Bronze gefertigt.

Von links nach rechts: PLA, Holz, Bronze (Bild: Übergizmo)

Von links nach rechts: PLA, Holz, Bronze (Bild: Übergizmo)

Aufgefallen ist uns bei den fertigen Modellen, dass der Witbox 2 häufig Fäden am Druckobjekt hinterlässt. Diese muss man dann händisch entfernen. Bei einfachen Modellen ist dies absolut kein Problem, kompliziertere Drucke wie der graue Lampenschirm benötigen dann schon etwas mehr Feinschliff mit einem Messer oder ähnlichem. Durch passende Einstellungen dürfte sich die Fädenbildung aber wahrscheinlich reduzieren lassen.

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Probleme & Wartung

Wie wohl bei jedem 3D-Drucker muss man auch beim BQ Witbox 2 stets mit Ausschuss rechnen. Gerade bei größeren Projekten muss man sich auf Probleme einstellen und damit rechnen, nochmal von vorne zu beginnen. Allerdings kann man viele Probleme vermeiden oder zumindest dessen Auftreten in Grenzen halten.

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Nach längerem Einsatz des Druckers kann schon mal die Düse verstopfen und sich ein Klumpen bilden. Mit Drahtbürste und Nadel ist eine Verstopfung in der Regel schnell wieder gelöst. Passiert das während eines Drucks, bekommt man es allerdings meist nicht mit, wenn man nicht ständig nach dem Rechten schaut – und das Projekt ist dahin. Deswegen sollte man regelmäßig auf eine Verschmutzung der Düse achten.

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Außerdem kann es passieren, dass ein Modell nicht richtig auf dem Druckbett haftet und während eines Drucks verrutscht. Der BQ Witbox 2 kommt leider ohne beheiztem Druckbett. In diesen Fällen helfen beispielsweise die von BQ als Zubehör angebotenen Fixpads. Alternativ tuen es aber auch ein Uhu-Stick oder Haarspray. Ein Pritt-Stift ist dagegen nicht so gut geeignet, kann aber auch helfen. Allerdings liegt ein Verrutschen häufig auch an suboptimalen Einstellungen. Anfangs hatten wir Probleme damit. Nachdem wir ausschließlich die BQ-Profile verwendet haben, gab es keine Zwischenfälle mehr.

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Ein weiteres Problem kann von der Filamentspule ausgehen. Ist das Filament nicht richtig gewickelt, rollt es während eines Drucks nicht ab und kann daher nicht eingezogen werden. Der Druck läuft dann einfach weiter, auch wenn kein Filament mehr herauskommt. Eine Funktion, die im Fall der Fälle den Druck pausiert, wäre sicherlich nicht unpraktisch.

Die Wartung des 3D-Druckers hat sich bei uns ansonsten aber sehr in Grenzen gehalten. Bis auf das Reinigen des Druckbetts oder der Düse sind keine größere Arbeiten angefallen. Einmal haben sich die Schrauben vom Druckbett gelöst, aber auch dies war schnell wieder behoben. Praktisch für Wartungsarbeiten: Der Witbox 2 kommt mit Beleuchtung im Innenraum.

Fazit

3D-Drucker machen riesengroßen Spaß – keine Frage. Die Vorstellung, sich einfach alles in kürzester Zeit ausdrucken zu können, was man sich wünscht, ist aber noch in weiter Ferne. Aktuell sind 3D-Drucker für den Heimgebrauch noch was für Bastler oder diejenigen, die in der Ausbildung oder im Beruf mit 3D-Modellen arbeiten.

Wer sich einen 3D-Drucker anschaffen möchte, ist mit dem Witbox 2 von BQ aber gut bedient. Er liefert eine überzeugende Druckqualität, ist dank grafischer Oberfläche und automatischer Nivellierung einfach zu bedienen,  erfordert nicht viel Wartung und ist schnell aufgebaut und in Betrieb genommen. Ein geschlossener und verriegelbarer Bauraum sind Pluspunkte für den Einsatz zu Hause. Zudem bietet er für seinen Preis ein sehr großes Druckvolumen.

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Autor: Christian Schartel
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