Cyberangriff auf Antidoping-Agentur WADA

Die WADA ist Opfer eines Cyber-Attacke geworden. Wie die Antidoping-Agentur auf ihrer Webseite zugab, haben Hacker medizinische Daten mehrere Athleten der diesjährigen Olympischen Spiele in Rio de Janeiro gehackt. Verantwortlich für den Angriff soll eine „russische Cyberspionagegruppe“ sein, vermutet die WADA. Wann die Daten geknackt wurden, gibt sie nicht bekannt.

Die Hacker interessierten sich unter anderem für die Dopingtests der Tennisspielerinnen Serena und Venus Williams. Auch Turnerin Simone Biles sowie Basketballspielerin Elena Delle Donne sind betroffen. Die geleakten Daten sollen Informationen über Medikamente enthalten, für welche die Olympioniken eine Ausnahme-Genehmigung erhielten. Ob bei diesen Dopingverdacht besteht, wie die Hackergruppe Fancy Bear zuletzt behauptet hat, ist unklar. Mehrere US-Sportverbände weisen derartige Gerüchte zurück.

Dopingforscher Prof. Dr. Dr. Perikles Simon stellt Ausnahmegenehmigungen allerdings grundsätzlich in Frage. Sie erlauben den Athleten die Einnahme verbotener Substanzen. „Das ist ein richtiger Stimulus zum Dopen“, so der Wissenschaftler in einem Interview mit dem Tagesspiegel. „Wenn ein Hochleistungsathlet liest, was er alles nehmen darf, wenn er einen Arzt findet, der ihm die Ausnahmegenehmigung erteilt – dann ist es für mich logisch und konsequent, dass er das auch versucht. Da ist dem Athleten kein Vorwurf zu machen. Der Fisch stinkt hier vom Kopf, und zwar gewaltig“, argumentiert Simon. Die Sommerspiele in Rio bezeichnet er als „die gedoptesten Olympischen Spiele aller Zeiten.“

Auch Jens Berger von der kritischen Webseite NachDenkSeiten betrachtet die Sachlage mit Argwohn: „Die von den russischen Hackern veröffentlichten Dopingakten der tennisspielenden Williams-Schwestern lesen sich im Vergleich zu den bereits genannten Dokumenten wie eine umfassende Dopingtestreihe. Angefangen bei Oxycodon, einem Schmerzmittel, das in Deutschland sogar auf der BTM-Liste steht, über das Opioid Hydromorphone, die Steroide Prednisolon, Triamcinolon, Foromoterol und Methylprednisolon“, so Berger.

„Sicher, rein theoretisch kann es sein, dass beide Williams-Schwestern schwer bronchenkrank sind und die ganzen Steroide und Opioide brauchen, um ein normales Leben zu führen Aber verkaufen wir uns doch hier bitte selbst nicht für dumm“, führt der Journalist weiter aus. „Ein einfacher Blick auf die Muskelberge der Tennisspielerinnen reicht doch eigentlich aus, um 1 + 1, also Steroide und unnatürliche Muskelbildung zusammenzuzählen und auf 2, also Doping zu kommen.“

(Bild: Shutterstock)

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Fancy Bear soll auch Server der Demokratischen Partei gehackt haben

Die russische Hackergruppe ist als Advanced Persistent Threat oder kurz APT 28 bekannt und wird informell Fancy Bear genannt. Es handelt sich um eine von zwei Gruppen mit Unterstützung aus russischen Regierungskreisen, deren Spuren Sicherheitsexperten von FireEye dieses Jahr auf Servern der Demokratischen Partei der USA fanden.

Laut WADA sind die Unbekannten in die Datenbank Anti-Doping Administration and Management System (ADAMS) eingedrungen. Es handle sich offenkundig um einen Versuch, die WADA und das weltweite Antidopingsystem in Misskredit zu bringen. Viele russische Olympiateilnehmer waren aufgrund des vorangegangenen systematischen Dopingbetrugs von den Spielen in Rio ausgeschlossen worden.

Konkret wurden offenbar gezielte „Spearphishing„-Angriffe auf E-Mail-Konten ausgeführt, auf die WADA-Mitarbeiter hereingefallen sein müssen. Die Angreifer konnten laut WADA nur Daten der diesjährigen Olympischen Spielen einsehen. Die Gruppe, die neuerdings selbst bei Twitter und im Web auftritt und dabei den ihr von FireEye gegebenen Namen Fancy Bear nutzt, sagt, die Veröffentlichungen seien nur „die Spitze des Eisbergs.“ Sie will auf ihrer Website fancybear.net weitere Unterlagen publik machen.

Das System ADAMS der WADA war kürzlich schon einmal angegriffen worden. Im August verschafften sich Unbekannte das Passwort der russischen Whistleblowerin Julia Stepanowa, die die WADA über das russische Dopingsystem informiert hatte.

[mit Material von Zack Whittaker, ZDNet.com]

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