Blackberry gibt Smartphone-Geschäft auf

Smartphone-Pionier Blackberry wird die Produktion von Smartphones einstellen. Ganz aufgeben will der kanadische Konzern seine einst wichtigste Sparte jedoch nicht. Wie Blackberry in einer Pressemitteilung mitteilte, werde die Firma Smartphones weiterhin vertreiben, deren Herstellung und Design aber anderen Firmen überlassen. „Das Unternehmen plant, jede eigene Hardware-Entwicklung zu beenden, und wird diese Funktion an externe Partner übertragen“, so CEO John Chen.

Damit ist ein wichtiges Kapitel der Smartphone-Geschichte abgeschlossen. Blackberry-Geräte waren vor rund zehn Jahren mit ihrer charakteristischen Tastatur vor allem bei Nutzern beliebt, die unterwegs viele E-Mails schrieben. 2009 war der Konzern mit rund 20 Prozent Marktanteil der zweitgrößte Produzent von Mobiltelefonen. Heute liegt der Anteil unter einem Prozent.

So soll Blackberrys zweites Android-Smartphone mit dem Codenamen "Vienna" aussehen (Bild via Crackberry).

So soll Blackberrys zweites Android-Smartphone mit dem Codenamen „Vienna“ aussehen (Bild via Crackberry).

Im zweiten Quartal dieses Geschäftsjahrs machte Blackberry 372 Millionen Dollar Verlust Vor einem Jahr verzeichnete das Unternehmen noch einen Gewinn von 51 Millionen Dollar. Der Umsatz ging um ein Drittel auf 334 Millionen Dollar zurück, Analysten hatten rund 394 Millionen Dollar erwartet.

Blackberry-Chef Chen glaubt, dass die Zukunft des Konzerns im Geschäft mit Software liegt. „Wir erreichen einen Wendepunkt unserer Strategie“, sagt er jetzt. „Unsere finanziellen Grundlagen sind gut, und unser neuer Dreh- und Angelpunkt Software bewährt sich.“

Blackberrys neue Geschäftsstrategie: Software

Chen hatte Software immer in den Mittelpunkt gestellt und sich zunehmend vom Smartphone-Geschäft distanziert. Aufgrund der dort erzielten Umsätze war ein sofortiger Bruch vor drei Jahren aber wohl undenkbar. Selbst zuletzt generierte die Smartphone-Sparte noch 30 Prozent der Einnahmen des kanadischen Unternehmens. Chen nahm kürzlich an der Vorstellung des Modells DTEK 50 als „sicherstes Android-Smartphone der Welt“ nicht einmal teil.

Render-Bild des mit Android ausgestatteten Blackberry Venice (Bild: Evan Blass/@evleaks)

Render-Bild des mit Android ausgestatteten Blackberry Venice (Bild: Evan Blass/@evleaks)

Das DTEK 50 ließ sich bereits als Hinweis auf die neue Strategie deuten: Es wird von Alcatel OneTouch gebaut und ist mit dessen Idol 4 auf der Hardwareseite nahezu identisch. Auch Foxconn baut seit Jahren Blackberry-Geräte. Und personell hat sich Blackberry ebenfalls längst umgestellt: Der für die Android-Geräte zuständige Veteran Ron Louks hat das Unternehmen nach dem Scheitern von Modellen wie dem Priv im Mai verlassen. Als Nachfolger wurde Ralph Pini berufen, der zuvor für Funkchips zuständig war.

Chens Sanierungsprogramm korrigierte letztlich die Fehler seines Vorgängers, des früheren Siemens-Managers Thorsten Heins. Dieser hatte geglaubt, mit Touchscreen-Geräten mit dem Betriebssystem Blackberry 10 auch bei Heimanwendern reüssieren zu können.

[Mit Material von Florian Kalenda, zdnet.de]

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