Verizon: Platzt nun der Übernahmedeal mit Yahoo?

Nach dem massiven Hackerangriff auf die Internet-Plattform Yahoo ist die bereits vor dem Vorfall geplante Übernahme des Unternehmens durch Verizon in Gefahr. Der Telekommunikationskonzern hatte zuletzt sein ursprüngliches Angebot nach Bekanntwerden des Leaks drastisch gesenkt, nun droht der Hoffnungsträger, ganz abzuspringen.

Wie der Chefjustiziar von Verizon,  Craig Silliman, dem Nachrichten-Magazin Washington Post mitteilte, stelle der Cyberangriff ein gravierendes Ereignis sei. Die Tatsache, dass der Vorfall von Yahoo mehr als zwei Jahre verschwiegen wurde, könnte dazu führen, dass Verizon von dem bindenden Kaufvereinbarung zurücktritt.

„Ich denke, wir haben aktuell eine vernünftige Basis, um zu glauben, dass die Auswirkungen wesentlich sind‘, erklärt Silliman in dem Interview. Wenn Yahoo anderer Ansicht sei, dann müsse das Unternehmen die tatsächlichen Auswirkungen offenlegen. „Das müssen sie uns zeigen, aber der Prozess läuft bereits.“

Yahoo: Werbeanzeigen verbreiteten Malware

Ist Yahoos Deal mit Verizon in Gefahr?

Auf Nachfrage, ob der Vertrag eine Klausel bezüglich „wesentlicher Ereignisse“ enthalte, sagte ein Verizon-Sprecher CNET.com: „Die Erklärung steht für sich. Das ist alles.“ Von Yahoo gibt es bisher keine Stellungnahme zu dem Sachverhalt.

Laut Washington Post sei ein Ende der Übernahme durchaus möglich. Verizon mache geltend, dass der Konzern in die Übernahme nicht eingewilligt hätte, wenn er von dem Vorfall während der Verhandlung gewusst hätte. Diese Einschätzung werde auch von Analysten geteilt.

Zunächst ist Verizons Erklärung wohl als Drohgebärde zu sehen. Schon vor einer Woche wurde berichtet, sein Verhandlungsführer Tim Armstrong wolle nachträglich den Preis von 4,8 Milliarden Dollar um etwa 20 Prozent drücken.

Verizon schwankt nach Yahoos Heimlichtuerei

Die Übernahmevereinbarung trafen Verizon und Yahoo im Juli. Anfang Oktober wurde bekannt, dass Yahoo über längere Zeit Kunden-E-Mails für US-Geheimdienste scannte. Grundlage ist offenbar ein Beschluss des Geheimgerichts FISC. CEO Marissa Meyer soll persönlich entschieden haben, ihn umzusetzen. Demnach durchsuchte das Unternehmen eingehende E-Mails seiner Kunden nach bestimmten Zeichenfolgen.

Zwei Wochen zuvor hatte Yahoo eingestanden, dass Hacker im Jahr 2014 Informationen von 500 Millionen Kunden gestohlen hatten. Es besteht der Verdacht, dass Yahoo diesen Vorfall wissentlich verschwieg. Sicherheitsforscher glauben, dass die Eindringlinge Kriminelle und nicht – wie von Yahoo behauptet – in einem Regierungsauftrag arbeitende Hacker waren. Sie erbeuteten jedenfalls Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und verschlüsselte Passwörter. Sicherheitsfragen und -antworten fielen ihnen teilweise unverschlüsselt in die Hände.

[mit Material von Andreas Donath, Übergizmo.de]

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