Apples Project Titan vor dem Aus?

Apple will sein Project Titan endgültig einstellen. Dies berichtet die Internetseite Bloomberg am gestrigen 17. Oktober 2016. Der Konzern plant die Entlassung von hunderten Mitarbeitern. Lediglich einige Sparten, die mit Software und Sensortechnik zu tun habe, sollen erhalten bleiben. Bis Ende 2017 will Apple eine Entscheidung treffen.

Laut Bloomberg zählt Apples in Sunnyvale (Kalifornien) ansässige Titan-Team rund 1000 Mitarbeiter. Davon sollen in den letzten Monaten Dutzende ihren Arbeitsplatz freiwillig geräumt haben, andere wurden entlassen oder mit neuen Aufgaben betraut, so das Magazin. Dem stehen Neueinstellungen von Experten gegenüber, welche die neue Ausrichtung des Konzerns umzusetzen sollen.

Apple hat sein Project Titan 2014 ins Leben gerufen. Das ehrgeizige Ziel des Unternehmens: Die Branche mit einem innovativen Elektro-Fahrzeug zu revolutionieren, ähnlich wie es der Konzern 2007 mit seinem iPhone geschafft hat. Das Auto sei „das ultimative Device“, wie es Apples Chief Operating Officer Jeff Williams 2015 formulierte.

Nach Einschätzungen von Bloomberg könnte Apples hohe Erwartungen Grund für die Schwierigkeiten von Project Titan ein. Das Unternehmen sei riesige Gewinnmargen gewöhnt, während in der Automobilbranche weniger als 10 Prozent üblich seien. Die Führung des Projects hat sich im Lauf des Jahres 2015 zerstritten. Anfang 2016 ist Steve Zadesky ausgeschieden, ein ehemaliger Mitarbeiter von Ford, aber auch ein iPod-Designer. Er ist zwar weiter bei Apple beschäftigt, jedoch nicht mehr im Autobereich.

Die Führung übernahm Dan Riccio, vor allem aber wurde Veteran Bob Mansfield reaktiviert. Er soll dem Team eine neue Strategie vorgelegt haben. Die sieht kein komplettes Elektrofahrzeug vor, sondern eine Plattform für autonome Fahrzeuge. Das führte allerdings dazu, dass extra eingestellte E-Auto-Spezialisten sich aus dem Projekt verabschiedeten.

iCar, Apples Elektroauto Projekt Titan

iCar, Apples Project Titan (Bild: Gizmodo.com)

Entsprechend Mansfields Vorgaben arbeite nun niemand mehr an Chassis oder Federung, aber auch die Entwicklung eines Auto-Betriebssystems sei heruntergefahren worden, heißt es. Stattdessen ständen autonome Programme, Umgebungssensoren und Simulationen für Tests im Mittelpunkt. Auch habe Apple Spezialisten für Regulierungsvorschriften in der Autobranche angeheuert.

Unter Mansfields Regie entstanden bei Apple einst Produkte wie das Macbook Air, der Desktop-Computer iMac und auch das iPad. 2013 schied er aus dem Executive Team aus und übernahm nur noch bei „speziellen Projekten“ wie der Apple Watch beratende Funktionen.

Hat Apples autonomes Fahrprojekt eine Chance?

Offiziell hat Apple die Arbeit an einem selbstfahrenden Auto nie bestätigt. Schon im Februar 2015 hatte Bloomberg berichtet, Apple baue die für Titan zuständige Entwicklungsabteilung aus, um spätestens 2020 mit der Produktion beginnen zu können. Anfang 2016 registrierte Apple zudem die Domains Apple.car und Apple.auto, die es aber ebenso gut für sein Infotainmentsystem CarPlay nutzen könnte.

Auch andere Firmen beschäftigen sich mit selbstfahrenden Autos, darunter Google, Tesla und der Fahrdienstvermittler Uber. Apple hat laut New York Times zwar Tests mit mehreren vollständig autonomen Fahrzeugen durchgeführt, aber nur in begrenztem Umfang und nur in einer „geschlossenen Umgebung“.

[mit Material von Andreas Donath, Übergizmo.de]

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Apples Project Titan vor dem Aus?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *