Prager Polizei verhaftet mutmaßlichen LinkedIn-Hacker

In Prag ist ein vom FBI gesuchter Hacker verhaftet worden. Dabei soll es sich um einen der Männer handelt, die 2012 einen Hackerangriff auf LinkedIn verübt und dabei Daten von mehr als 100 Millionen Nutzern erbeutet hatten. Das sagte ein Sprecher des Business-Netzwerks der Nachrichten-Agentur Reuters.

„Nach dem Diebstahl von Informationen von LinkedIn-Mitgliedern waren wir aktiv an den Ermittlungen des FBI gegen die Verantwortlichen beteiligt“, so der Sprecher. „Wir sind dankbar für die harte Arbeit und den Einsatz des FBI bei seinen Bemühungen, die an diesen kriminellen Aktivitäten Beteiligten zu finden und zu fangen.“

Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen russischen Staatsbürger, wie eine Sprecherin der tschechischen Polizei mitteilte. Ferner heißt es, dass der 29-Jährige Yevgeniy N. bereits am 5. Oktober verhaftet wurde.

Hacker (Bild: Shutterstock)

Hacker (Bild: Shutterstock)

Von der Polizei veröffentlichte Videoaufnahmen zeigen, wie ein Mann sich widerstandslos im Restaurant eines Hotels in der Prager Innenstadt festnehmen ließ. Vertreter der US-Regierung erklärten in dem Zusammenhang, dass der Mann nicht wegen der jüngsten politisch motivierten Hackerangriffe auf US-Institutionen und Bürger gesucht werde. Zu den genauen Vorwürfen oder eine mögliche Beteiligung an dem Hackerangriff auf LinkedIn machten sie keine Angaben.

Die tschechischen Behörden prüfen derzeit noch eine Auslieferung des Mannes an die USA. Russland erwägt laut einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur TASS eine Beschwerde gegen die Auslieferung seines Staatsbürgers. „Wir bestehen darauf, dass der Verhaftete an Russland übergeben wird“, sagte demnach ein Sprecher der russischen Botschaft in Prag.

Hacker verhärtet Fronten zwischen USA und Russland

Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist nicht nur aufgrund der Syrienkrise angespannt. Die Vereinigten Staaten werfen Russland vor, für durchgesickerte E-Mails und Wahlkampfunterlagen der Demokratischen Partei verantwortlich zu sein. Moskau versuche auf diese Art, den Ausgang der Präsidentenwahl am 8. November zu beeinflussen.

Nach einer öffentlichen Schuldzuweisung drohte die US-Regierung am Wochenende Russland zudem mit einem Cyberangriff. Vizepräsident Joe Biden kündigte in einem Interview an, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin „eine klare und angemessene Nachricht zu schicken“. Die US-Öffentlichkeit will Biden jedoch nicht über mögliche Gegenmaßnahmen informieren.

Im Mai hatte ein Hacker, der sich selbst „Peace“ nennt, im Dark Web eine Datenbank mit 117 Millionen LinkedIn-Zugangsdaten für rund 2200 Dollar zum Kauf angeboten. Die Hacker-Suchmaschine LeakedSource konnte rund 90 Prozent der zugehörigen Passwörter innerhalb weniger Tage entschlüsseln. Nach dem Vorfall von 2012 waren nur rund 6,5 Millionen Zugangsdaten aufgetaucht. Außerdem nannte LinkedIn vor vier Jahren keine endgültigen Zahlen und informierte die Betroffenen auch nicht auf direktem Weg.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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