EU kritisiert WhatsApp in offenem Brief

Die Artikel 29 Datenschutzgruppe der EU kritisiert heftig den Instant-Messaging-Dienst WhatsApp. In einem offenen Brief am CEO Jan Koum beklagt die Organisation die neue Datenschutzrichtlinie des Unternehmens. Durch sie können die Daten der WhatsApp-Nutzer innerhalb der „Familie der Facebook-Unternehmen“ nicht zuletzt für Werbezwecke missbraucht werden. Die Gruppe fordert bis auf Weiteres ein Aussetzen des Austauschs.

„Wir haben ernste Bedenken gegenüber dem Informationsaustausch für Zwecke vorgebracht, die nicht in den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie enthalten waren, als sich vorhandene Nutzer für den Dienst angemeldet haben“, heißt es in einer Pressemitteilung der Datenschützer. „Bedenken wurden auch formuliert gegenüber der Gültigkeit der eingeholten Zustimmung der Nutzer und der Wirksamkeit des Mechanismus auf die Rechte der Nutzer und die Rechte von Nicht-Facebook-Nutzern.“

Die Artikel 29 Datenschutzgruppe setzt sich aus Datenschützern der einzelnen EU-Staaten zusammen und hat unter anderem eine beratende Funktion. In dem genannten Schreiben fordert die Gruppe WhatsApp auf, alle Informationen offenzulegen. Unter anderem geht es um Details zu den übermittelten Daten wie Namen und Telefonnummern sowie ihre tatsächliche Herkunft, also ob sie von den Telefonen der Nutzer ausgelesen wurden oder bereits auf Firmenservern gespeichert sind.

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Was führen WhatsApp und Facebook im Schilde?

Außerdem soll WhatsApp Auskunft darüber geben, wer auf die Daten Zugriff hat. Auch wollen die Datenschützer wissen, welche Auswirkungen der Datenaustausch auf die Nutzer. „Um die Möglichkeit zu verhindern, dass die Verarbeitung persönlicher Daten durch WhatsApp oder die Facebook-Unternehmen nicht EU-Recht entspricht, bittet die Gruppe WhatsApp dringend, den Datenaustausch einzustellen, bis ein angemessener rechtlicher Schutz gewährleistet werden kann.“

EU nimmt auch Yahoo in die Mangel

Einen weiteren offenen Brief (PDF) erhielt Ende vergangener Woche Yahoo-CEO Marissa Meyer. Sie soll Fragen rund um den Verlust von Informationen von 500 Millionen Kunden im Jahr 2014 sowie das Scannen von Kunden-E-Mails für US-Geheimdienste beantworten. Konkret geht es den Datenschützern um eine Benachrichtigung betroffener Nutzer sowie Zusagen von Yahoo, die nationalen Datenschutzbehörden bei möglichen Ermittlungen zu unterstützen. Der Internetkonzern soll zudem die rechtliche Grundlage der Zusammenarbeit mit den US-Geheimdiensten erläutern.

Die Datenschutzgruppe hat einen Ausschuss eingesetzt, der sich nun mit möglichen Maßnahmen gegen beide Unternehmen befasst. Das nächste Treffen des Ausschusses findet Anfang November statt.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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