Gefährliches Add-on: Web of Trust verkauft Nutzerdaten

Wer auf seinem Browser das Add-On Web of Trust (WOT) installiert hat, sollte dieses sofort löschen. Die Erweiterung, die für Chrome, Firefox, Internet Explorer, Safari und Opera erhältlich ist, sammelt Nutzerdaten und verschickt sie an einen Server. Wie das NDR herausgefunden hat, werden die Daten sogar weiterverkauft.

Einige der Daten fanden die Reporter des öffentlich rechtlichen Senders in einem Datensatz  mit Informationen über besuchte Websites von drei Millionen Deutschen. Er enthält unter anderem E-Mail-Adressen und die Namen der Nutzer. Über 50 Anwender konnten mithilfe der Daten identifiziert werden.

Die Daten enthalten darüber hinaus auch Hinweise über Krankheiten der Nutzer und ihre sexuelle Vorlieben. Auch konnten die Reporter an Details einer polizeilichen Ermittlung gelangen und die Umsatzzahlen eines Medienhauses rekonstruieren.

Web of Trust hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 140 Millionen Nutzer. Das Tool soll helfen, die Vertrauenswürdigkeit einer Website einzuschätzen. Die Bewertung erfolgt in Form einer Ampel unter anderem auf Grundlage von Rückmeldungen von Nutzern.

(Bild: Google)

(Bild: Google)

Für die Bewertungen und Ranglisten benötigt WOT Daten der Nutzer. Die Erweiterung sammelt Details zur Browser-Nutzung und den besuchten Domains sowie Clickstream-Daten. Der Datenschutzrichtlinie zufolge werden aber auch die IP-Adresse, der Standort sowie die Art des genutzten Geräts inklusive Betriebssystem und Browser gespeichert. „Wir kennen die Identität des Nutzers nicht, von dem wir die nicht persönlichen Informationen sammeln“, heißt es in der Datenschutzrichtlinie von WOT. Daten die eine Identifizierung von Nutzern erlauben, würden nicht gesammelt. Zudem räumt WOT auch eine Weitergabe der Informationen unter bestimmten, nicht näher genannten Umständen an Dritte ein.

Web of Trust schweigt zu den Anschuldigungen

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar stuft die Richtlinie dem Bericht zufolge jedoch als unzureichend ein. „Zur Weitergabe von personenbezogenen Daten brauchen Unternehmen grundsätzlich eine Einwilligung der Betroffenen“, sagte Caspar. Die Nutzer von WOT wüssten aber nicht, wozu sie zustimmten. „Hier wird ja deutlich gesagt, es handle sich nicht um personenbezogene Daten, was nicht stimmt.“ Auch die Bezeichnung „anonymisiert“ sei hier nicht richtig.

Vom finnischen Herausgeber von Web of Trust liegt bisher keine Stellungnahme vor. Das Add-on für Firefox zählt mehr als 874.000 Nutzer, bei Google Chrome sind es mehr als 1,44 Millionen. Ohne eine Stellungnahme der Entwickler ist zumindest hierzulande derzeit nicht mit einem weiteren Nutzerwachstum zu rechnen. Chrome- und Firefox-User vergeben derzeit nur negative Bewertungen für WOT. „Jahrelang fast das einzige Add-on, das ich benutzt habe, funktioniert auch sehr gut, aber das Verkaufen anonymer Daten an Dritte geht gar nicht! Direkt deinstalliert!“, schreibt beispielsweise der Nutzer „Lrnz“ im Chrome Web Store.

[mit Material von Andreas Donath, Übergizmo.de]

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