Facebook stellt in Großbritannien Datenaustausch ein

Facebook reagiert auf die Forderung britischer Datenschützer und hat in Großbritannien den Datenaustausch mit WhatsApp bis auf Weiteres eingestellt. Die Datenschutzbehörde Information Commissioner’s Office hatte angeprangert, dass die neue Datenschutzrichtlinie der Messaging-App die Verbraucher-Daten nicht genügend schützt.

Laut der neuen Richtlinie kann WhatsApp bestimmte Daten wie Telefonnummern seiner Nutzer an Facebook und andere dem Mutterkonzern angehörenden Unternehmen weiterleiten. Zur so genannten „Facebook-Unternehmensfamilie“ zählt neben WhatsApp auch Instagram. Anhand der Datenweiterleitung durch WhatsApp soll Werbung gezielt für die Verbraucher platziert werden. Die Messaging-App gab seinen Nutzern 30 Tage Zeit, um der neuen Richtlinie zu widersprechen. Bleibt der Widerspruch aus, tritt eine automatische Zustimmung in Kraft.

Die britische Datenschutz-Beauftragte Elizabeth Denham ermittelt bereits seit Wochen gegen WhatsApp und Facebook. „Ich hatte Bedenken, dass Verbraucher nicht ausreichend geschützt sind, und man kann durchaus sagen, dass die Ermittlungen meines Teams diese Einschätzung nicht geändert haben“, schreibt Denham in einem Blogeintrag. „Ich glaube, Facebook informiert nicht ausreichend darüber, was es mit den Informationen der Nutzer vorhat, und ich glaube auch nicht, dass WhatsApp eine gültige Zustimmung der Nutzer für die Weitergabe der Informationen hat. Außerdem glaube ich, dass Nutzer stets die Kontrolle über die Weitergabe ihrer Daten haben sollten, und nicht nur in einem Fenster von 30 Tagen.“

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Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hält die von WhatsApp verwendete und voreingestellte Einwilligungserklärung für unzulässig. „Was bereits mit einem Häkchen versehen ist, wird oft unbewusst abgenickt. Verbraucher müssen jedoch ganz bewusst ihr OK dazu geben können, dass ihre Daten weitergegeben werden. Generell dürfen Daten nur erhoben, verarbeitet und genutzt werden, wenn sie für den Dienst erforderlich sind oder die Betroffenen vorher zustimmen konnten“, erklärte der Verband im September.

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz erließ Ende September eine Verwaltungsanordnung, die es Facebook untersagt, Daten von WhatsApp-Nutzern zu erheben und zu verarbeiten. Facebook und WhatsApp seien selbstständige Unternehmen mit eigenen Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen. Sie hätten nach dem Kauf von WhatsApp durch Facebook vor zwei Jahren „öffentlich zugesichert, dass die Daten der Nutzer nicht miteinander ausgetauscht werden. Dass dies nun doch geschieht, ist nicht nur eine Irreführung der Nutzer und der Öffentlichkeit, sondern stellt auch einen Verstoß gegen das nationale Datenschutzrecht dar“, so Caspar Ende September.

Auch EU kritisiert den Datenaustausch zwischen Facebook und Co.

Darüber hinaus stellt aber auch die Artikel 29 Datenschutzgruppe der Europäischen Union die Gültigkeit der von WhatsApp eingeholten Zustimmung der Nutzer infrage. Für sie ist zudem die Wirksamkeit gegenüber Nicht-Facebook-Mitgliedern ungeklärt. Der Aufforderung der EU-Datenschützer, die nur eine beratende Funktion gegenüber der EU-Kommission haben, den Austausch einzustellen, ist Facebook bisher nicht nachgekommen. Es geht jedoch gegen die Verwaltungsanordnung des Hamburgischen Datenschutzbeauftragten vor.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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