Gutachterempfehlung für Münchner Behörden: Das Ende von LiMux?

Nach mehr als zehn Jahren könnte nun das Ende von LiMux eingeläutet worden sein. Denn ein Gutachten der Unternehmensberatung Accenture empfiehlt München die Abkehr der eigens für die Stadt entwickelten Linux-Distribution. 

Accenture empfiehlt München wieder zu Microsofts Betriebssystem Windows zu wechseln – auch wenn dieser Wechsel Millionen kosten würde. Dabei schlägt die Unternehmensberatung einen mehrstufigen Umstiegsplan vor. Damit bekommen die Gegner von LiMux neue Munition. Denn der Umstieg von Windows auf Linux war in München nie unumstritten.

In einer Stadtratssitzung wurde das Gutachten von Accenture von den verschiedenen Abteilungen der Stadt kommentiert. Dabei wurde offenbar vor allem die Office-Suite LibreOffice kritisiert, da sie bei den Anwendern für viel Frustration sorge. Microsoft Office schneidet bei der Bewertung durch die Anagestellten der Stadt offenbar deutlich besser ab.

In einem ersten Schritt soll die Stadtverwaltung den einzelnen Referaten und Organisationen freistellen, welches Programm genutzt werden soll. Dann empfiehlt Accenture zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu prüfen, wie weit der Basis-Client überhaupt noch verbreitet ist und ob sich dann der wirtschaftliche Aufwand für die Stadt, zwei Betriebssysteme zu unterhalten, wirtschaftlich auszahlt.

Wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht, soll der LiMux-Client weiter verbessert werden und auch der Windows-Client, der nach wie vor bei etwa 4200 Rechnern im Einsatz ist, solle aktualisiert werden. Einen schnellen Abschied von LiMux wird es also in den nächsten Jahren nicht geben. Denn der Umstieg auf das Linux-Betriebssystem hat sich über mehr als zehn Jahre hingezogen. Eine Umkehrung dieser Strategie würde voraussichtlich ebenfalls eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Auch in den Protokollen zur Sitzungsvorbereitung scheint das klar zu sein: “Für die nächsten Jahre bleibt damit der Einsatz beider Client-Alternativen erforderlich.”

München hatte 2004 mit der Einführung von LiMux begonnen (Bild: Wikipedia, GPL)

München hatte 2004 mit der Einführung von LiMux begonnen (Bild: Wikipedia, GPL)

Doch bereits in der ersten öffentlichen Auseinandersetzung über das Gutachten regt sich der Widerstand: Die Stadtkämmerei will schon im Vorfeld geprüft haben, ob es auf längere Sicht sinnvoll oder möglich ist, weiterhin zwei Betriebssysteme zu pflegen. Anders als LiMux sei Windows in vielen Bereichen, etwa im Zusammenspiel mit Systemen von Oracle oder SAP, unbedingt erforderlich.

Vor allem LibreOffice wird heftig kritisiert

Schon im September hatte die Personalreferat bemängelt, dass LibreOffice weit hinter den technischen Möglichkeiten von anderen Standardanwendungen zurückbleiben, zudem müssten viele Mitarbeiter sich in beiden Systemen auskennen und dies parallel verwenden, weil die Open-Source-Programme nicht mit verschiedenen Fachanwendungen kompatibel sind. Die quelloffenen Produkte seien nicht barrierefrei und deutlich weniger sicher. Wie in den Kommentaren zur Sitzung zu entnehmen ist, scheint das Thema Betriebssystem aber nicht in allen Abteilungen ein Thema zu sein.

Doch wie objektiv ist die Untersuchung Accentures? Auftraggeber Dieter Reiter wird nachgesagt, den Produkten aus Redmond eher offen gegenüber zu stehen. Die Tatsache, dass ausgerechnet die Unternehmensberatung Accenture mit dem Gutachten beauftragt wurde, gibt aus Sicht von Kritikern wie Matthias Kirschner, dem Präsidenten der Free Software Foundation Europe, Anlass zur Skepsis. Denn Microsoft sei über das Joint Venture Avanade mit Accenture verstrickt, wie er gegenüber Techrepublic.com erklärt. Und auf diesem Hintergrund müssten auch die Ergebnisse der Untersuchung betrachtet werden.

Wie Krischner gegenüber dem Branchendienst erklärte, scheine der Report lediglich darauf abzuzielen, Linux abzuschaffen und nicht Windows. Andere Alternativen seien noch nicht einmal in Betracht gezogen worden, kritisiert Krischner. Das mache deutlich, dass der Report von Anfang an mit einer klaren Zielrichtung erstellt worden sei. Accenture selbst jedoch erklärt, dass man den genannten Plattformen neutral gegenüber stehe. Nun steht ein neues Programm mit einem Volumen von knapp 19 Millionen Euro im Raum, bei dem auch zwei Experten in einem Architektur- und Client-Projekt einen neuen Windows-Client für die Angestellten der Stadt entwerfen sollen.

Darüber hinaus regt das Gutachten unter anderem an, dass die städtische IT in einer eigenen Servicegesellschaft ausgegründet werden solle, um damit die Kundenzufriedenheit und die Qualität zu stärken. Es werden offenbar verschiedene Szenarien genannt. Jedoch in allen Fällen werde die Stadt nach Aussage von Accenture nicht umhinkommen, zusätzliche Mittel und Stellen zu bewilligen. Im Januar sollen die Beratungen über die Zukunft des LiMux-Projektes weiter fortgesetzt werden.

[Mit Material von Martin Schindler, ITespresso.de]

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