Kinder in Gefahr: Verbraucherschützer warnen vor vernetzten Spielzeugen

Der High-Tech-Wahn mancher Firmen macht selbst vor Kindern keinen Halt. Mit schwerwiegenden Folgen für die Kleinen. Daher warnt die europäische Verbraucherschutz-Organisation BEUC vor vernetzten Spielzeugen. Besonders die Puppe “My Friend Cayla” und der Roboter “i-Que” versagen laut Verbraucherschützer “kläglich”, wenn es um die Sicherheit und den Schutz der Privatsphäre geht. Die Spielzeuge werden in Deutschland über die Firma Vivid vertrieben.

BEUC bezieht sich auf Untersuchungen des norwegischen Verbraucherschutzverbandes. Auf Grundlage dieser Untersuchungen bereiten mehrere Verbraucherschutzorganisationen in Europa und den USA Beschwerden gegen den Hersteller vor.

“Kinder sind besonders verletzlich und haben daher ein Recht auf Produkte und Dienste die ihre Rechte auf Sicherheit und Privatsphäre besonders schützen. So lange Hersteller nicht bereit sind, diese Thematik ernst zu nehmen, ist diese Art von vernetzten Produkten offensichtlich für Kinder nicht geeignet”, erklärt BEUC-Direktorin Monique Goyens.

Goyens betont, dass sich immer mehr Firmen auf das Terrain vernetzter Spielzeuge wagen, was die Marktbeobachtung erschwere. Sie verweist daher auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Verbraucherschutzorganisationen und Behörden.

My Friend Cayla und i-Que verfügen über die Möglichkeiten wie Sprachausgabe und Sprachaufzeichnung. Die Verbraucherschützer kritisieren, dass Unbefugte mit einigen „einfachen Schritten“ die Kontrolle übernehmen können. Dadurch sei es möglich, mit den Kindern zu sprechen oder ihnen zuzuhören. Das hätte leicht verhindert werden können – etwa durch einen Knopf, der während der Verknüpfung mit einem Smartphone zu drücken wäre.

My Friend Cayla: Spielzeug oder Trojanisches Pferd?

My Friend Cayla: Spielzeug oder Trojanisches Pferd? (Screenshot: silicon.de)

Außerdem verletzen die Nutzungsbedingungen, die vorsehen, dass Daten an nicht genannte Dritte weitergegeben werden können, EU-Datenschutzbestimmungen und Verbraucherschutzrichtlinien. Desweiteren werde alles, was das Kind sagt, an die in den USA ansässige Firma Nuance Communications, einen Spezialisten für Spracherkennung, übertragen. Das Unternehmen behalte sich das Recht vor, die Daten weiterzugeben und für eine Vielzahl von Zwecken zu verwenden. Schließlich wird kritisiert, dass bei den vorprogrammierten Sätzen, mit denen die Spielzeuge ausgeliefert werden, auch einige dabei sind, die sich lobend über bestimmte Produkte äußern. Darunter befinden sich auch diverse Filme von Disney, zu dem der Hersteller der Anwendung eine Geschäftsbeziehung unterhält.

So werden Kinder ausgenutzt!

Mit solchen und ähnlichen Warnungen von Verbraucherschützern, Datenschutz und Sicherheitsexperten ist noch häufiger zu rechnen. Es ist auch nicht die erste. Im vergangenen Jahr war die Firma Mattel in die Schlagzeilen geraten, weil Sicherheitslücken bei der vernetzten Barbie-Puppe, der “Hello Barbie” gefunden wurden. Die Puppe nimmt mit dem verbauten Mikrofon ebenfalls Gespräche auf und sendet sie zur Analyse in die Mattel-Cloud. Ähnlich wie Siri oder Cortana kann die Puppe dann auch “aus der Cloud” antworten. Allerdings war die WLAN-Verbindung von der Puppe zum WLAN-Router fehlerhaft implementiert und damit angreifbar. Angreifer konnten sich mit einem von ihnen eingerichteten, ungesicherten WLAN mit der Puppe verbinden. Einzige Voraussetzung: Im Namen des WLANs musste “Barbie” enthalten sein.

Eine weitere Schwachstelle vernetzter Spielzeuge, die dazu genutzte Cloud im Hintergrund, geriet durch den Angriff auf den Hersteller VTech ebenfalls in der Vorweihnachtszeit 2015 in die Diskussion. Ihm sind dadurch Datensätze von Datensätze von 200.000 Kindern gestohlen worden. Außerdem fielen den Angreifern rund 4,8 Millionen Datensätze von Eltern in die Hände. Dazu gehörten E-Mail-Adressen mit den zugehörigen, per MD5 gehashten Passwörtern sowie die Sicherheitsfragen mit den unverschlüsselten Antworten.

[mit Material von Peter Marwan, Silicon.de]

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