Digitalkonferenz: Deutschland und Frankreich wollen digitale Transformation fördern

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will in Zukunft mehr auf Investitionen in die Infrastruktur und Digitalisierung setzten. Anstatt sich einseitig auf den Schuldenabbau zu konzentrieren, sollte man vielmehr stärker in Zukunftsthemen investieren, so der SPD-Politiker auf der zweiten Deutsch-Französischen Digitalkonferenz.

Wie aus einer gemeinsamen Erklärung hervorgehen, wollen Deutschland und Frankreich als stärkste Volkswirtschaften der EU bei der Entwicklung der digitalen Wirtschaft enger zusammenarbeiten. Im Zuge dessen sollen konkrete Projekte gefördert werden, welche digitale Innovationen vorantreiben.

Im Speziellen werden die Bereiche Industrie 4.0 und die Unterstützung von Start-ups. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wollen Deutschland und Frankreich eine Milliarde Euro in die Förderung von jungen Unternehmen investieren. Hier fehle es derzeit vor allem am Wachstumskaptial.

Gabriel sprach auf der Konferenz vier zentrale Themen an: “Die digitale Transformation der Industrie, die dafür sorgt, dass unser Produktionsstandort wettbewerbsfähig bleibt. Zweitens, die Unterstützung von innovativen Start-ups, die in beiden Ländern als treibende Kraft für Wachstum und Beschäftigung stehen.”

Angela Merkel (Mitte), François Hollande (2.v.r.), Sigmar Gabriel (3.v.l.) und sein französischer Amtskollege Michel Sapin (2. Reihe rechts) auf der Deutsch-Französischen Digitalkonferenz.

Angela Merkel (Mitte), François Hollande (2.v.r.), Sigmar Gabriel (3.v.l.) und sein französischer Amtskollege Michel Sapin (2. Reihe rechts) auf der Deutsch-Französischen Digitalkonferenz. (Bild: BMWi/Michael Reitz)

Über eine verbesserte Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen, insbesondere bei Cloud-Diensten, sollen vor allem kleine und mittelständische Betriebe die Vorteile der Cloud besser nutzen können. “Deutschland und Frankreich sollten auch in der europäischen und internationalen Zusammenarbeit ihre Kräfte bündeln und gemeinsam für einen freien und sicheren Daten- und Informationsfluss sowie für eine Stärkung des europäischen Normungssystems eintreten”, bekräftigt Gabriel.

Daher glaubt Gabriel nicht, dass eine einseitige Konzentration auf den Abbau von Schulden für den Wirtschaftsstandort förderlich sei. “Wenn wir jetzt nicht investieren, dann steigt die Arbeitslosigkeit und steigen übrigens auch die Schulden”, so Gabriel. Denn ohne eine konkurrenzfähige digitale Infrastruktur fehle dem Euroraum die Wettbewerbsfähigkeit, um langfristig Arbeitsplätze zu erhalten. Statt verschiedener kleinerer Projekte, wie sie von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vorgeschlagen wurden, sollten man vielmehr ein großes Investment wagen.

In der gemeinsamen Regierungserklärung verständigen sich Deutschland und Frankreich unter anderem darauf, dass beispielsweise die “Alliance Industrie du Futur” und die deutsche “Plattform Industrie 4.0” Szenarien für die Digitalisierung entwerfen, um so neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Auch neue Testinfrastrukturen zählen zu den gemeinsamen Initiativen.

Neben politischer Prominenz nahmen an der Deutsch-Französischen Digitalkonferenz auch Vertreter von Start-ups, internationalen Unternehmen und öffentlichen Institutionen teil

Neben politischer Prominenz nahmen an der Deutsch-Französischen Digitalkonferenz auch Vertreter von Start-ups, internationalen Unternehmen und öffentlichen Institutionen teil. (Bild: BMWi/Michael Reitz)

Forschungsprogramme und Arbeitsmarktkonzepte

Verschiedene Labs sollen vor allem kleinere Anwender bei der Entwicklung unterstützen. Zudem habe man sich auf die Erarbeitung einer gemeinsamen Referenzarchitektur für Normen auf Basis von RAMI 4.0, dem deutschen Referenzarchitekturmodell für Industrie 4.0, und dem französischen Pendant “Big Picture” geeinigt.

Ab 2017 werde es zudem gemeinsame Forschungsprogramme und Summer Schools des Institut Mines-Télécom und der Technischen Universität München geben. Das Arts et Métiers Paris Tech und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sollen zusammen in mehreren Projekten forschen. Zudem sollen neue Arbeitsmarktkonzepte erstellt werden, die es beispielsweise Quereinsteigern erleichtern sollen, in IT-Berufen Fuß zu fassen.

[mit Material von Martin Schindler, Silicon.de]

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