Test UMi Plus E und die RAM-Lüge

Es wird mal wieder Zeit für ein China-Handy-Test! Diesmal nehmen wir uns das UMi Plus E zur Brust. Das „E“ steht übrigens für Extreme. Denn das UMi Plus E ist das erste Phone mit dem neuen Mediatek Helio P20 und satten 6 GByte RAM. Dabei liegt der Kostenpunkt bei moderaten 210 Euro. Warum wir das Umi Plus dennoch nicht uneingeschränkt empfehlen können, erfährst du hier.

 

 PRO

 CON

 (Bild: Übergizmo)Schöne Optik in mattem Schwarz…  (Bild: Übergizmo)… mit Mängeln in der Verarbeitungsgenauigkeit
 (Bild: Übergizmo)6 GByte RAM sorgen für reibungsloses Multitasking…  (Bild: Übergizmo)… allerdings ist der RAM deutlich langsamer als er sein sollte
 (Bild: Übergizmo)Videoaufnahmen in 4K  (Bild: Übergizmo)Ungenaues GPS
 (Bild: Übergizmo)Schönes Display  (Bild: Übergizmo)Viele Unzulänglichkeiten die erst mit Updates entschärft wurden
 (Bild: Übergizmo)Schlankes Android  Kamera sehr anfällig gegenüber Wacklern(Bild: Übergizmo)
 (Bild: Übergizmo)LTE Band 20  (Bild: Übergizmo)Preisleistungsverhältnis bei anderen China-Smartphones besser
 (Bild: Übergizmo)Lange Akkulaufzeit  Schwankende Qualität je nach Gerät(Bild: Übergizmo)

Wer sich mit China Smartphones auskennt, für den ist das UMi Plus (hier gehts zum Test) ein alter Hut. UMi veröffentlichte es Ende 2016. Beliebt war es vor allem, weil es für einen vernünftigen Preis eine solide Ausstattung bot. Nun will UMi mit UMi Plus E noch einen draufsetzen.

Auf dem Papier lesen sich die Spezifikationen des UMi Plus E fast schon spektakulär – ganz besonders, wenn man den vergleichsweise günstigen Preis von 208 Euro (Stand:24.01.2017) auf Gearbest anschaut: Der neue Helio P20 Octa-Core Prozessor, 6 GByte DDR4 RAM, 64 GByte interner Speicher, Kamera-Sensor von Samsung und einen Quick-Charge-fähigen Akku mit 4.000 mAh Kapazität. Das wollten wir uns in einem Test genauer anschauen.

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Design und Verarbeitung

Sofort ist die enge Verwandtschaft zum UMi Plus erkennbar. Die Rückseite besteht aus einem matten, dunklen Metall, welches sich hervorragend anfühlt. Am oberen und unteren Rand befinden sich Kunststoffabdeckungen, um eine Durchlässigkeit für die verbauten Antennen zu gewähren. Leider sind hier kleinere Spalten zu erkennen. Die am oberen Ende mittig platzierte Kamera steht etwa einen Millimeter aus dem Gehäuse hervor, was wir vor allem in Anbetracht eines fehlenden optischen Bildstabilisators sehr schade finden. Auf der rechten Seite befinden sich der On- / Off-Taster und die Lautstärkewippe, die beide bei unserem Modell gut eingepasst wurden und nicht wackeln. Andere Tester bemängelten diesen Punkt.

Auf der linken Seite befinden sich ein frei programmierbarer Tastknopf und der Slot für zwei SIM-Karten oder ein SIM-Karte und eine micro-SD-Karte, um den ohnehin schon üppigen Speicher von 64 GByte zu erweitern.

Hier das Video-Review zum Vorgänger UMi Plus:

Netterweise hat UMi auf der Unterseite einen USB-Typ-C-Port verbaut, der allerdings etwas zu tief sitzt und damit nicht mit allen USB-Typ-C-Steckern kompatibel ist. Direkt daneben sitzen ein Mikrofon und ein ganz gut klingender Lautsprecher. Auf der Vorderseite befindet sich ein Fingerabdrucksensor, der in Positionierung und Form dem des Samsung Galaxy S7 zum Verwechseln ähnlich sieht. Wenn man gut zielt funktioniert er ausreichend gut, im Schnitt werden etwa vier von fünf Finger-Scans richtig erkannt.

Display

Das 5,5-Zoll-IPS-Display löst mit 1.920 x 1.080 Pixel auf und kommt mit angenehm schmalen Rändern. Es ist leuchtstark, farbintensiv und blickwinkelstabil. Das Display ist eines der Highlights des UMi Plus E! Allerdings soll an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass sich andere Tester über Pixelfehler und Probleme mit dem Touch-Panel beschwert haben. Bei unserem Modell gibt es keinen einzigen Pixelfehler und bis zu fünf Finger werden an allen Stellen parallel und genau erkannt.

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Als Schutzglas kommt Dinorex T2X-1 zum Einsatz, welches für seine Kratzanfälligkeit bekannt ist. Wer Mikrokratzer vermeiden will, sollte unbedingt eine Schutzfolie auftragen.

Hardware & Leistung

Das UMi Plus E kommt mit dem neuen, im 16nm-Verfahren gefertigten Mediatek Helio P20 (MT6757), unterstützt von der Mali T880 MP2 GPU und stolzen 6 GByte RAM. Laut UMi soll es sich beim RAM um den schnellen und stromsparenden LPDDR4X RAM handeln. Allerdings zeigen Benchmarks einen Durchsatz von etwa 7 GByte/s an, was eher für LPDDR3 RAM spricht. Hier hätte UMi lieber 4 GByte des schnellen RAMs als 6 GByte des langsamen RAMs verbauen sollen.

Wir wollen UMi hier keine Lüge unterstellen, allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass UMi bei seinen Geräten falsche Angaben macht. Sowas nennt man dann wohl „alternative Fakten“.

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Nichtsdestotrotz eignet sich das UMi Plus E sowohl zum Zocken, als auch für den normalen Alltag. So ist Asphalt 8 in den höchsten Einstellungen spielbar, mit Mikrorucklern muss man jedoch leben. Abwärme entwickelte das UMi Plus E kaum.

Besonders viel Spaß macht das das flotte Wechseln zwischen geöffneten Apps. Völlig egal, wie viele Apps wir gleichzeitig offen hatten, keine schloss sich, wenn wir wie wild zwischen ihnen hin und her sprangen.

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An internem Speicher verbaut UMi 64 GByte, welcher mit micro-SD-Karten erweitert werden kann. Außerdem kommt das UMi Plus E mit allen wichtigen Sensoren, lediglich ein Schrittzähler fehlt. Schon fast traditionell bei UMi arbeitet der GPS-Sensor deutlich unzuverlässiger als in anderen Smartphones. Das kann bei der Navigation zu Abweichungen in der Genauigkeit führen.

Das UMi Plus E ist eines der China-Handys, die das LTE Band 20 unterstützen, also auch in Deutschland mit LTE-Geschwindigkeit arbeiten. Die WLAN-Geschwindigkeit ist okay, wenn auch deutlich langsamer als bei Top-Smartphones. So erreichte das UMi Plus E beim WLAN-Benchmark meist etwa 2/3 des Ergebnisses eine Samsung Galaxy S7.

Software

Zu Beginn plagten das UMi Plus E täglich Abstürze. In der Form war es quasi unbrauchbar. Doch mit der Zeit schob UMi mehrere OTA-Updates nach, die das System deutlich stabilisierten. Mittlerweile läuft es seit Tagen ohne Abstürze, UMi scheint das Problem in den Griff bekommen zu haben. Trotzdem nicht schön, sich bei einem finalen Gerät wie ein Beta-Tester zu fühlen.

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Wie bei UMi üblich, wurde auch beim Plus E die Androids-Oberfläche kaum angepasst. Das sorgt für ein sehr aufgeräumtes User Interface, des auf Android 6.0.1 basierenden Systems.

Zusätzlich hat UMi lediglich die Einstellungen für den Shortcut-Button, für das Akku-Management und einen automatischen Task-Killer hinzugefügt. Außerdem können ergänzend zu den Hardware-Buttons Softkeys zur Navigation eingeblendet werden.

Kamera

Die Hauptkamera verbaut einen Samsung 3L8 Chip mit einer f/2.0 Blende und 13 Megapixel Auflösung. Unterstützt wird sie von einem Dual-LED-Blitz, ein OIS fehlt leider. Dabei hätte das UMi Plus E sehr gut einen optischen Bildstabilisator gebrauchen können. Denn gerade als Schnappschusskamera versagt sie auf ganzer Linie, da selbst in ordentlichen Lichtverhältnissen die Hand sehr ruhig gehalten werden muss, damit die Bilder nicht verwackeln.

Wird es dunkler, verschlimmert sich das Problem und ein starkes Bildrauschen zieht sich über das Ergebnis. Auch der HDR-Modus schafft es nicht, die Bildqualität zu verbessern. Wir hoffen, dass sich dies mit zukünftigen Updates noch verbessert, denn grundsätzlich ist die Kamera-Hardware dem Preis durchaus angemessen.

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Videos nimmt das UMi Plus E auf Wunsch in 4K auf. Die Qualität ist dabei besser als bei Full-HD-Aufnahmen. Allerdings findet man auch hier das starke Bildrauschen und bei Kameraschwenks ruckelt die Aufnahme etwas. Nach exakt fünf Minuten bricht die 4K-Aufnahme ab – wenn ihr Glück habt. Denn häufig bricht die Aufnahme noch eher ab wegen angeblicher Überhitzung, obwohl das Gehäuse höchstens handwarm ist. Die 5 Megapixel Frontkamera ordnet sich ähnlich wie die Hauptkamera im Einstiegssegment an.

Akku

Der Akku des UMi Plus E fasst eine Kapazität von 4.000 mAh. Im Zusammenspiel mit dem neuen und energieeffizienten Mediatek Helio P20 ergeben sich so gute Akkulaufzeiten von etwa 8,5 Stunden On-Screen-Zeit.

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Das UMi Plus E soll außerdem über die Schnellladetechnik Mediatek Pump Express Plus verfügen. Sehr viel haben wir davon jedoch nicht gemerkt. Denn für eine komplette Ladung von 0 auf 100 Prozent brauchten wir etwa 2,5 Stunden.

UMi Plus E Fazit

Auf dem Papier ist das UMi Plus E ein Überflieger. In der Praxis eher nicht. Irgendwie fühlt man sich bei der Nutzung wie Betatester. Denn die Hardware ist grundsätzlich okay, aber die Rädchen wollen nicht so ineinander greifen, wie sie sollten. Der RAM ist deutlich langsamer als angegeben, der Verarbeitung nicht optimal, das GPS ungenau und die Kamera verwacklungsanfällig und verrauscht. Das Schutzglas verkratzt leicht, die Schnellladefunktion ist ein Witz, der USB-Typ-C-Port sitzt zu tief im Gehäuse, 4K-Aufnahmen brechen wegen Überhitzung ab.

Andere UMi Plus E Modelle scheinen Probleme mit dem Digitizer zu haben, vereinzelt ist auch von Pixelfehlern die Rede, manchmal sitzen die physischen Knöpfe zu locker. Mangelt es bei UMi an der Qualitätskontrolle?

Klar ist nicht alles schlecht. So geht die Performance in Ordnung ,der üppige RAM macht Multitasking zur reinen Freude und auch 64 GByte interner Speicher ist toll. Der Akku hält überdurchschnittlich lang, das Display ist richtig schön und auch das Design mit dem matten, schwarzen Rücken weiß zu gefallen. Schön auch, dass das LTE Band 20 unterstützt wird.

Trotzdem gibt es nicht allzu viele Gründe, sich in das UMi Plus E zu verlieben. Ganz besonders in Anbetracht der starken China-Konkurrenz von Xiaomi, LeMax und Elephone in ähnlichen Preiskategorien.

Wer sich dennoch für das UMi Plus E interessiert, kann es zum Beispiel auf Gearbest kaufen.

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