Perspective: Google-Tochter Jigsaw stellt Programm gegen Hasskommentare vor

Googles Tochterunternehmen Jigsaw präsentiert mit „Perspective“ ein Programm, mit dem künftig die Diskussionskultur im Internet freundlicher gestaltet werden soll. Mittels künstlich intelligenter und selbst lernender Software sollen Hater von den Kommentar-Foren ausgeschlossen werden.

Immer mehr Webseiten haben in den letzten Jahren die Kommentarfunktion für ihre Leser abgeschaltet. Der Grund: Nicht wenige Nutzer verwenden das Angebot, um Beleidigungen zu äußern oder ihre fragwürdige Weltsicht zu formulieren. Nun hat die Google-Tochter Jigsaw eine Technik vorgestellt, durch die Verlage ihre Leser wieder zu einem Diskurs motivieren können. Sie nennt sich „Perspective“ und benutzt künstliche Intelligenz, um niveaulose und beleidigende Kommentare zu erkennen und aus dem Diskussionsforum auszuschließen.

hacker-security

Kann man Trollen mit intelligenter Software beikommen?

Die Technik hat Jigsaw in den vergangenen Monaten zusammen mit dem Nachrichtenmagazin New York Times getestet. Um den Algorithmus zur Erkennung von Hass-Kommentaren zu trainieren, ließ das Blatt der Google-Tochter rund 17 Millionen Kommentare zukommen samt den Bemerkungen ihrer Mitarbeiter darüber, welche Posts als „unangebracht“ einzustufen sind. Zusätzlich standen den Entwicklern zigtausende Diskussionen auf der Lexikon-Plattform Wikipedia zur Verfügung.

Aus den Daten, den Bewertungen der Redakteure und den Meinungen weiterer zugezogener  Personen ermittelt das Programm fragwürdige Kommentare und stuft deren „Giftgehalt“ auf eine Skala von Null bis 100 ein. Durch diese automatische Erkennung und Einstufung werden Verlagsredakteure wesentlich entlastet. Die bräuchten nicht mehr jeden Kommentar auf seinen Pöbel-Gehalt überprüfen, sondern nur die Stellungnahmen berücksichtigen, die eine hohe Einstufung erhalten haben.

Das Ziel von Google und Jigsaw ist es erklärtermaßen, eine freundlichere Diskussionskultur auf Internetforen und Webseiten zu gewährleisten. „Mit Perspective bekommen Verlage ein Werkzeug in die Hand, um hochwertige Gespräche zu ermöglichen“, wie Jigsaw-Leiter Jared Cohen zitiert von der Süddeutschen Zeitung gestern wird. Neben der New York Times soll das Programm ab sofort auch einigen anderen englischsprachigen Medien kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Geplant ist auch ein Einsatz in deutschsprachigen Verlagen, dazu müsste Perspective noch mit einigen Daten gefüttert werden.

Mobiles Internet (Bild: Shutterstock/Peshkova)

Bild: Shutterstock/Peshkova

Hasskommentare – pervertierte Form von Web 2.0

Jigsaws Perspective ist nicht der einzige Vorstoß gegen die immer gehässiger werdende Diskussionskultur im Internet. Immer mehr Nutzer und Leser wenden sich aufgrund der Pöbeleien von den Foren enttäuscht ab. Soziale Medien und Nachrichtenmagazine sind zunehmend von der Aufgabe überfordert, „giftige“ Kommentare zu erkennen und auszusortieren. Längst hat das Phänomen politische Dimension erreicht. Nicht wenige Populisten, gar Staaten nutzen das Internet, um mit Nachrichten und Kommentaren Menschen zu manipulieren. High-Tech-Unternehmen arbeiten eifrig daran, den Missbrauch zu stoppen. Ein Schlüssel dazu sind künstlich intelligente Software.

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Perspective: Google-Tochter Jigsaw stellt Programm gegen Hasskommentare vor

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *