Riesenpanne! Diese Oscarverleihung werden wir nie vergessen!

Die 89. Oscarverleihung wird in die Geschichte eingehen, darüber besteht kein Zweifel. Nicht etwa, weil Moderator Jimmy Kimmel mit der Präsentation der Galaveranstaltung herausragte, er machte seinen Job solide. Auch nicht, weil einer oder mehrere Stars durch besonderes Verhalten aufgefallen waren. Nicht wenige Preisträger hatten ihre Dankesreden erwarteter Weise mit kritischen und mahnenden Bemerkungen in Richtung des umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump versehen. Nein, alles wurde letzte Nacht deutscher Zeit in den Schatten einer beispiellosen Panne gestellt, über die heute die ganze Welt diskutiert. Was war geschehen?

Oscars

Bis zur Verleihung des letzten, wichtigsten Preises des Abend lief alles reibungslos. Preise wurden vergeben. Dankesreden wurden gehalten. Es wurde gewitzelt, dann hatte es wieder ernste Momente gegeben. Es gab glückliche Gesichter, aber auch das eine oder andere enttäuschte, das von einem gequälten Lächeln überspielt wurde. Alles wie es sich gehört bei der größten Filmpreisverleihung des Welt. Doch dann kam die Verkündung des Academy Awards für den besten Film. Die beiden Schauspielikonen Faye Dunaway und Warren Beatty kommen auf die Bühne. Die Adademy hatte sie als Laudatoren eingeladen aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums ihres Filmklassikers „Bonnie und Clyde“.

Nach einer kleinen Einführung und der Präsentation der nominierten Filme öffnet Oscar-Preisträger Beatty den Umschlag. Er zögert eine Weile, schaut in die Reihen der anwesenden Kollegen, die gespannt auf die Verkündung des Siegers warten. Dann wirft er wieder einen Blick auf den Umschlag, anschließend schaut er sichtlich verwirrt seine Partnerin Dunaway an. Die Oscar-Preisträgerin wird ungeduldig, bittet Beatty, sich zu beeilen. „Du bist unmöglich, hört man sie sagen“, bevor dieser ihr den Umschlag hinhält und die schließlich verkündet. „La La Land“.

Die Macher des Musicals, das zuvor bereits sechs Trophäen abgeräumt hatte, stürmen auf die Bühne. Einer der Produzenten, Jordan Horowitz, hält eine Dankesrede. Sein Kollege Marc Platt tut es ihm nach. Als Produzent Fred Berger an der Reihe ist, wird es hinter ihm zunehmend hektischer. Mitarbeiter der Sendung mischen sich unter die Preisträger und Laudatoren. Beatty läuft von einem zum nächsten. Man hört vereinzelt Stimmen: der falsche Film, heißt es leise.

„Es hat einen Fehler gegeben“

Während Berger spricht, wird Horowitz immer unruhiger. Schließlich unterbricht er seinen Kollegen, ergreift das Mikrofon und erklärt: „Es hat einen Fehler gegeben: ‚Moonlight‘ hat den besten Film gewonnen. Das ist kein Witz, ‚Moonlight‘ hat den Preis als bester Film gewonnen“, sagt er. Während die Verwirrung des Publikums immer größer wird, hält er den Zettel mit dem Siegerfilm hoch: Tatsächlich ist Barry Jenkins Drama „Moonlight“ zum besten  Film des Jahres gewählt worden. Das Publikum staunt ungläubig, die eigentlichen Gewinner trauen sich noch nicht, sich zu freuen. Nach und nach wird es allen klar: Gerade ist etwas passiert, was in den knapp 90 Jahren zuvor noch nie passiert ist.

Doch wie konnte es dazu kommen? Inmitten des Trubels nähert sich Beatty erneut dem Mikrofon, um den Sachverhalt aus seiner Sicht zu erklären. Auf seiner Karte habe „Emma Stone. La La Land“ gestanden, erklärt er. Die Schauspielerin war unmittelbar zuvor als beste Hauptdarstellerin in dem Film von Damien Chazelle ausgezeichnet worden. Er, Beatty, habe sich gewundert und deswegen auch gezögert. Das sei kein Spaß gewesen, fügte er hinzu. Sein Zögern bei der Verkündung des Gewinners soll Ausdruck der Unsicherheit und der Verwunderung gewesen sein.

Noch ist unklar, was genau passiert ist. Die für die Auszählung der Stimmen und letztlich die Verwahrung der Umschläge verantwortliche Wirtschaftsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers entschuldigte sich wenig später für die Panne. Offenbar seien den beiden Laudatoren die falschen Umschläge in die Hand gedrückt worden, heißt es. Man werde den Fehler untersuchen. Dann wird es sich hoffentlich klären, wessen Schuld das war. Eines dürfte aber schon jetzt sicher sein: Jimmy Kimmel hatte mit dem Fauxpas nichts zu tun, auch wenn er am Ende der Sendung ironisch behauptete: „Ich gebe mir selbst die Schuld (…). Ich wusste, ich würde diese Show vermasseln. Ich verspreche, ich komme nie wieder.“

Und hier die Liste mit allen Preisträgern:

BESTER FILM: „Moonlight“

BESTER HAUPTDARSTELLER: Casey Affleck („Manchester by the Sea“)

BESTE HAUPTDARSTELLERIN: Emma Stone („La La Land“)

BESTER NEBENDARSTELLER: Mahershala Ali („Moonlight“)

BESTE NEBENDARSTELLERIN: Viola Davis („Fences“)

BESTE REGIE: Damien Chazelle („La La Land“)

BESTER FREMDSPRACHIGER FILM: „The Salesman“

BESTER ANIMATIONSFILM: „Zootopia“

BESTES ADAPTIERTES DREHBUCH: „Moonlight“

BESTES ORIGINALDREHBUCH: „Manchester by the Sea“

BESTE KAMERA: „La La Land“

BESTER TON: „Hacksaw Ridge“

BESTER TONSCHNITT: „Arrival“

BESTER SOUNDTRACK: „La La Land“

BESTER FILMSONG: „City of Stars“ aus „La La Land“

BESTES PRODUKTIONSDESIGN: „La La Land“

BESTES KOSTÜM: „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“

BESTER DOKUMENTARFILM: „O.J.: Made in America“

BESTER KURZDOKUMENTARFILM:  „The White Helmets“

BESTER SCHNITT: „Hacksaw Ridge“

BESTE MASKE: „Suicide Squad“

BESTER ANIMATIONSKURZFILM: „Piper“

BESTER REALKURZFILM: „Sing“

BESTE VISUALEFFEKTE: „The Jungle Book“

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Riesenpanne! Diese Oscarverleihung werden wir nie vergessen!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *