Wiener Informatikerin beklagt unmenschliche Arbeitsbedingungen bei Apple

Apple wird einmal mehr von einem ehemaligen Mitarbeiter unter Druck gesetzt. Diesmal ist es die österreichische Informatikerin Daniela Kickl, die in ihrem gestern veröffentichten Buch „Inside Apple“ auf die bereits vielfach hingewiesenen unmenschlichen Arbeitsbedingungen beim kalifornischen Elektronik-Konzern aufmerksam macht.

Die Wirtschaftsinformatik und Personalmanagerin heuert 2014 bei Apples technischem Support im irischen Cork an. Hier wird sie drei Jahre lang angestellt bleiben. Länger hat sie es offenbar nicht ausgehalten, denn, so der Tenor in ihrem Buch: Der vermeintliche Traumjob entpuppt als „Horrorjob“.

Der Apple-Hype nimmt seinen Anfang (Wikimedia.commons.org/Aconcagua (CC-BY-SA 3.0) .

Die glatte Oberfläche von Apple bekommt immer tiefere Risse (Wikimedia.commons.org/Aconcagua (CC-BY-SA 3.0) .

Kickl spricht von standardisierten Arbeitsbedinungen; auf die Mitarbeiter würde Druck ausgeübt; sie würden eingeschüchtert und ihnen werde mit Konsequenzen gedroht, wenn sie die Erwartung des Arbeitgebers nicht erfüllen. Viele würden unter dem Druck leiden, nicht wenige hielten ihm nicht stand. Während ihrer drei Jahren bei Apple soll es drei Selstmordfälle gegeben haben, wobei Kickl vorsichtig ist und sich mit Hinweisen auf kausale Zusammenhänge zurückhält.

Befehle Ausführen, statt denken!

Ausführlich schildert die Informatikerin, dass Apple die Kreativität und das selbstständige Denken der Mitarbeiter unterdrückt. Im Umgang mit Kunden gelte das Prinzip Standardisierung. „Alles, was wir mit einem Kunden tun, muss einer Prozedur entsprechen“, schreibt Kickl. „Improvisationen und spontane Ideen, welcher Art auch immer, sind verboten. Wir dürfen unter keinen Umständen selbstständig denken und handeln, sondern müssen die jeweils anzuwendende Prozedur im Schlaf kennen und ihr genau folgen.“

(Bild: News.com)

Kickl wird mit ihren Anschuldigungen konkreter und in der Kritik schärfer, als sie die Mechanismen der Druckausübung beschreibt. Ein Arbeiter ist so viel wert, wie viel er leistet und Leistungsausfälle würden zu Konsequenzen führen. Ob diese von Krankheiten, Unfällen oder ähnlichen Ursachen verschuldet werden, sei irrelevant. „Apple wertet bei uns jeden Nicht-Arbeitsantritt gewöhnlich als incident („Vorfall“), egal, ob wir krank sind, einen Unfall auf dem Weg zur Arbeit haben oder schlicht blaumachen. Auch jede Verspätung wertet Apple grundsätzlich als incident. […] Die Konsequenzen zu vieler incidents sind mannigfaltig.“

Viele Mitarbeiter fügen sich dem Diktat, auf dem Spiel steht nämlich der Job, mindestens aber die Aussicht auf Beförderung. „Deshalb schleppen sich viele Apple-Advisors auch in einem mehr als fragwürdigen Gesundheitszustand ans Telefon, gemieden von anderen Kollegen, die noch mehr als die Ansteckung die damit einhergehenden incidents fürchten. Ein Kollege humpelte selbst mit frisch gebrochenem Bein, auf Krücken gestützt, zur Arbeit“, so Kickl.

Kickl ist eine von vielen, die es wissen müssten

Die Wiener Informatikerin ist nicht die erste, die auf die fragwürdigen Arbeitsbedingungen bei Apple hinweist. Vor zwei Jahren hatte der Australier Ben Farrell, ehemaliger Apple-Manager, mit einem Blog-Eintrag für Aufsehen gesorgt. Unter anderem schrieb er, dass Apple Krankheiten oder familiäre Probleme als „Leistungsschwierigkeiten“ betrachte.

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