Internet-Guru Vinton Cerf fordert Maßnahmen gegen Cyberkriege

Dass moderne Kriege weniger auf Schlachtfeldern geführt werden, sondern im abstrakten Raum der Cyberrealität, gehört längst nicht mehr in den Bereich Science-Fiction. Staaten rekrutieren heute keine Soldaten, sondern Informatik-Experten, um gegen andere Staaten zu Felde zu ziehen. Die Folgen eines Cyberkrieges können verheerend sein, daher fordert so mancher IT-Experte internationale Abkommen gegen Cyberkriege. Einer von ihnen ist der legendäre US-Informatiker Vinton G. Cerf.

Der „Vater des Internet“ plädiert in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Welt für internationale Abkommen gegen staatlich gelenkte Hackerangriffe. Es müsse „eine Art Genfer Konvention für Cyberkriege“ geschaffen werden. „Wir sind mittlerweile so abhängig davon, dass die Software, mit der wir uns im Alltag umgeben, funktioniert, dass jegliche Störung großen Schaden anrichten würde. Ich bin darüber wirklich in tiefer Sorge“, sagt Cerf in dem heute publizierten Gespräch“. „Bisher gibt es noch nicht einmal einen Dialog darüber, dabei brauchen wir dringend gemeinsame Absprachen über die Kriegsführung via Internet“, so der Internet-Experte in dem heute publizierten Gespräch.

Bild: Veni Markovski

Bild: Veni Markovski

Laut Cerf gelte es, auf höchster Ebene Gesetze und Richtlinien gegen Cyberkriege zu schaffen. „Es ist schlimm genug, dass wir uns im Alltag ständig mit digitalen ‚Schädlingen‘ wie Viren oder Trojanern herumschlagen müssen“, so der 73-Jährige weiter. „Aber wenn jemand, insbesondere eine staatliche Macht, bewusst das Internet eines anderen Landes torpediert, hat das noch mal eine andere Dimension.“

Ansonsten gilt Cerfs Rat: Probiert’s mal mit Gemütlichkeit!

Weit weniger düster fällt Cerfs Blick auf andere Bereich unserer digitalen Welt aus. Der Vormarsch der künstlichen Intelligenz zum Beispiel bedeutet noch lange nicht den Ausverkauf des Menschen. Er glaube nicht, dass Maschinen und Computer eines Tage selbstständig agieren können, und ein Roboter werde niemals die Intelligenz eines Menschen übersteigen, erklärt der Experte. Auch werde es keinen Internet-Kollaps geben, wie schon so mancher vorausgesagt hat. Es gebe so viel „überschüssige Kapazität über Radio- und optische Systeme, dass wir uns über einen Engpass auch in Zukunft keine Sorgen machen müssen“, so der Internet-Pionier.

Vinton G. Cerf ist Miterfinder des Internet. Er hat am ARPANet-Projekt, dem Vorläufer des Internet, mitgearbeitet. Außerdem war er an der Entwicklung von MCI Mail beteiligt, dem ersten kommerziellen E-Mail-Dienst. Für seine Verdienste im Bereich Informatik wird Cerf mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhält er 2004 den renommierten Turing-Preis.

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