Laufen europäische IT-Unternehmen der Konkurrenz aus Silicon Valley den Rang ab?

Beim Stichwort „Internet der Dinge“ denken viele sofort an führende IT-Unternehmen aus den USA. Im kalifornischen Silicon Valley, hier liegt das Epizentrum der digitalen, smarten Technologie. Da mag was dran sein, doch sollten sich Google, Apple, Microsoft und Co. vorsehen. Ihre Konkurrenten aus Europa sind ihnen dich auf den Fersen, wie eine Studie belegt.

Die internationale Managementberatung Bain & Company hat für die Untersuchung „Finding Europe’s Edge in the Internet of Things“ weltweit mehr als 500 Führungskräfte in unterschiedlichen Branchen befragt. Das Ergebnis: Europäische IT-Firmen schicken sich an, die Führungsrolle im Bereich des „Internet of Things“ zu übernehmen. Während US-amerikanischen Tech-Unternehmen „über die Möglichkeiten des Internets der Dinge“ diskutieren“, heißt es in einer Pressemitteilung der Beraterfirma, seien die europäischen Wettbewerber „aus der Experimentierphase bereits heraus“ und machten das Internet der Dinge „für ihre Kunden nutzbar“.

Sie wollen gemeinsam Windows für das Internet der Dinge weiterentwickeln. LG stellt erstmals einen internetfähigen Fernseher mit Windows vor. Zudem kündigt das Unternehmen neue Tablets und einen All-in-one-PC mit Windows 10 an.

Als Beispiele führen die Studienleiter die deutsche Automobilbranche an. Autohersteller wie BMW und Daimler hätten sich etwa durch die Investition in den Navigationshersteller HERE im Wettbewerb gegen Firmen wie Google und Apple aufgestellt. Durch weitere Partnerschaften, „traditionelle Stärken in puncto Neuentwicklung, Präzision und Qualität“ und nicht zuletzt das erhöhte Sicherheitsbewusstsein hätten diese und andere europäische Tech-Unternehmen eine Chance auf dem internationalen Markt.

Generell spielt Sicherheit in der IT-Technologie im Zeitalter von Hacker-Angriffen und Meinungsmanipulation durch Fake News und Social Bots für europäische Unternehmen eine größere Rolle als in den USA. Kein Wunder, da sich die Haltung doch auch bei ihren Endverbrauchern spiegelt. Laut der Studie sind Sicherheitsbedenken für 39 Prozent der europäischen Kunden ein Hindernisgrund für die Nutzung von smarten Geräten. In den USA haben lediglich 27 Prozent sicherheitsbezogene Vorbehalte.

Mercedes-Benz erhält Genehmigung vom Regierungspräsidium für autonom fahrende Fahrzeuge

Mercedes-Benz erhält Genehmigung vom Regierungspräsidium für autonom fahrende Fahrzeuge (Bild: Daimler AG)

„Das Bewusstsein für sicherheitsrelevante Fragen kann zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen werden“, sagt Michael Schertler, Bain-Partner und Co-Autor der Studie. „Es eröffnet ihnen die Chance, kostengünstige Lösungen für ein breites Spektrum an Regularien zu entwickeln und damit sicherheitsbewusste Kunden weltweit zu überzeugen.“

Gefahren und Möglichkeiten der Zukunftstechnologie

Doch die Unternehmen sollten sich auf dem hartumkämpften „IoT“-Markt nicht auf ihren Vorsprüngen ausruhen. Zu schnell könnten sie ihre Führungsrolle an die internationale Konkurrenz verlieren. Bain & Company nennt das Beispiel Nokia, dem einstigen Vorreiter auf dem Handymarkt, der durch den iPhone-Hersteller Apple abgelöst wurde. Ebenso sollten sich traditionelle europäische Autobauer vorsehen, Branchenneulinge wie Tesla haben sich längst in Stellung gebracht.

Um die Gefahr des Vorsprungverlustes zu bannen, gilt es, so Bain & Company, die Kunden weltweit für das Internet der Dinge zu sensibilisieren und ihnen die Möglichkeiten dieser Zukunftstechnologie aufzuzeigen. Aber auch und vor allem durch die kontinuierliche Arbeit an neuen Produkten und Dienstleistungen hätten europäische Unternehmen eine Aussicht „auf eine kontinuierliche Technologieführerschaft“.

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