Facebook, Twitter und Co. offline: Pakistan sperrt soziale Netzwerke

Bei den blutigen Auseinandersetzungen zwischen religiösen Hardlinern und Sicherheitskräften in Pakistan sind bereits mehrere Menschen getötet und hunderte verletzt worden. Gestern Abend ist nach der Polizei auch das Militär angerückt, um den Protest aufzulösen. Nun hat die Regierung soziale Medien wie Twitter und Facebook gesperrt.

„Uns ist bewusst, dass die pakistanische Regierung Maßnahmen ergriffen hat, um Twitter und andere soziale Medien zu blockieren“, heißt es in einer Mitteilung von Twitter. Man beobachte die Situation und hoffe, dass der Dienst bald wieder funktionieren werde.

Laut Medienberichten sind auch andere sozialen Netzwerke wie Facebook und der Videodienst YouTube von der Sperre betroffen. Ferner hat Ministerpräsident Shahid Khaqan Live-Berichterstattungen in TV-Sendern gestoppt.

Der bereits seit Monaten währende Konflikt zwischen religiösen Kräften und der Regierung hatte am 8. November eine neue Dimension erreicht, als mehr als 1.500 Mitglieder der Bewegung Tehreek Labaik Ya Rasool Allah eine große Kreuzung in Pakistans Hauptstadt Islamabad besetzten. Auslöser war eine von Justizminister Zahid Hamid initiierte Änderungen im Text des Eides, den pakistanische Politiker bei der Parlamentswahl unterschreiben müssen. Diese sollten nicht mehr „schwören“, dass sie „an die absolute und uneingeschränkte Prophetenschaft Mohammeds glauben“, sondern ihren Glauben lediglich „erklären“.

Die religiösen Kräfte sehen diese als „Vereinfachung“ gedachte Änderung als Angriff auf den Propheten. Zudem betrachteten sie das Vorhaben als Zugeständnis an die religiöse Minderheit Ahmadi, die von ihnen nicht als Muslime betrachtet wird.

Der Konflikt eskaliert

Zwei Wochen nach Ausbruch ließ die Regierung am gestrigen Samstag die Polizei und am Abend auch das Militär anrücken, um den Protest zu beenden. Der Einsatz artete in blutige Auseinandersetzungen aus. Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse ein, die Demonstranten warfen Steine und zündeten Autos an. Sechs Menschen kamen ums Leben, mehr als 200 wurden verletzt.

Die Sperre von sozialen Netzwerken und TV-Berichterstattungen dient offenbar dazu, die Ausweitung der Proteste zu verhindern. Denn nicht zuletzt durch die Verbreitung von Nachrichten und Bildern im Fernsehen und auf Twitter und Co. hatten sich immer mehr Menschen den Demonstranten angeschlossen. Inzwischen hat sich der Protest auf weitere Städte ausgeweitet, darunter befinden sich auch die beiden Metropolen Karatschi und Lahore.

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