Daimler leiht Teslas Model X und gibt das Elektroauto demoliert zurück

Daimler war mal wieder neugierig, was die Konkurrenz so treibt. Der Stuttgarter Autokonzern mietete bei einem kleinen Unternehmen in Bayern ein Tesla-Fahrzeug, das er ausgiebig testete und es den Vermietern anschließend demoliert zurückgab.

Manfred van Rinsum und Monika Kindlein betreiben eine kleine Firma namens Elektromotron, über die es Tesla-Autos als Nebenerwerb vermietet. Über insgesamt drei Fahrzeuge des US-Autobauers besitzt das Unternehmen, darunter auch den 200.000 Euro teuren Tesla Model X. Als Daimler im Sommer dieses Jahres Interesse am Elektro-SUV des US-amerikanischen Konkurrenten zeigte, war die Freude der Vermieter groß. Immerhin mehrere Wochen lang wollte der Automobilkonzern das Fahrzeug gemietet haben. Van Rinsum und Kindlein witterten ein gutes Geschäft. Doch es kam ganz anders. Statt Geld zu verdienen, müssen die Tesla-Vermieter draufzahlen.

Was war passiert? Wie der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, waren van Rinsum und Kindlein im Juni dieses Jahres von dem Autovermieter Sixt kontaktiert worden mit dem Anliegen, dass Daimler ihr Model X für sieben Wochen mieten wolle. Das Ehepaar sagte zu. Als sie das Elektrofahrzeug nach Ablauf der Mietfrist wiederbekamen, waren sie schockiert. Es war versehen mit Schrammen und Dellen. Die Heckklappe war verzogen, einige Verkleidungsteile waren abgerissen, andere mit Klebeband wieder befestigt worden. Ein Gutachter habe den Schaden auf mehr als 15.000 Euro beziffert, heißt es.

Model X

Model X (Bild: Tesla)

Daimler testet Tesla Model X verbotenerweise

Wie die Vermieter herausgefunden haben, hatte Daimler das Tesla-Auto offenbar für Testzwecke gemietet. Laut den Positionsdaten nutzte der Autokonzern das Fahrzeug auf einer Teststrecke in der Nähe von Barcelona, wo offenbar seine Belastbarkeit bei hohen Temperaturen getestet worden war. Zudem habe man das Auto auf der Teststrecke des Mercedes-Werks in Sindelfingen eingesetzt. Dort habe man es unter anderem über Rüttelstrecken und Steigungshügel fahren lassen. Außerdem hätten die Daimler-Ingenieure das Fahrzeug auseinandergeschraubt und anschließend notdürftig wieder zusammenmontiert.

Zwar habe Sixt die Reparaturkosten beglichen, heißt es im Spiegel. Auf weitere Kosten wie die Wertminderung des Fahrzeugs, werden die Vermieter wohl sitzenbleiben. Weil Daimler mit seinem Vorgehen zudem gegen den Mietvertrag verstoßen hat, verlangen sie von dem Mieter und dem Zwischenhändler (Sixt) zusätzlich eine Vertragsstrafe. Insgesamt fordert das Paar eine Entschädigung in Höhe von 99.000 Euro. Um Aussicht auf das Geld zu haben, müssten van Rinsum und Kindlein Daimler verklagen. Diesen Schritt scheuen sie aber, wie der Spiegel schreibt. Sie glauben, gegen die Rechtsabteilung des Konzerns keine Chance zu haben und am Ende auf noch mehr Kosten sitzenzubleiben.

Daimler war vor kurzem mit einer ähnlichen Aktion aufgefallen. Der Stuttgarter Autokonzern hatte sich über eine Tarnfirma einen Elektro-Lieferwagen der Deutschen Post ausgeliehen, um seine technische Beschaffenheit zu untersuchen. Das Unternehmen verwahrte sich jedoch gegen Vorwurf der Post, Industriespionage begangen zu haben. Sein Gegenargument: Es sei ein normaler Vorgang, wenn Unternehmen die Produkte der Konkurrenz mit den eigenen vergleichen würden.

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