Minute: Alles wird anders
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Viel passiert im deutschen HipHop nicht gerade. Während in Übersee die Gangstarap-Flut durch eine ausgeprägte Underground-Bewegung halbwegs in Balance gehalten wird, fehlen hierzulande offenbar der Mut und die Klientel für eine Anti-Szene. Das soll sich jetzt ändern: Ausgerechnet aus München, Deutschlands einziger Großstadt, die es nie zur HipHop-Metropole schaffte, kommt die vermeintliche Hoffnung - Minute. Sekunde mal, Minute gehört doch zu Vier zu Eins, die von Blumentopf gepusht und von Main Concept gesignt wurden. Also nichts weiter als berechnende Vetternwirtschaft? Wie dem auch sei, Minute verspricht, "Alles wird anders", und seine Promotionagentur sieht in ihm "die Avantgarde des deutschen Rap".
Wurde auch Zeit, dass sich etwas ändert. Dass das Album jedoch mit einem Club-Track beginnt, will nicht recht ins Bild passen. Zeichnet sich die HipHop-Avantgarde etwa dadurch aus, dass sie, abgesehen von der Gewaltfreiheit, dieselben abgedroschenen Anekdoten wie alle anderen erzählt? Glücklicherweise hat Minute mehr Themen parat als nur seine nächtlichen Ausflüge. Der Münchner pendelt mit seinen lockeren Lyrics zwischen typischen HipHop-Hymnen und leicht verklärten Alles-wird-besser-Songs.
Dabei hieß es doch "Alles wird anders". Gut, die minimalistische Produktion hat es tatsächlich in Deutschland so noch nicht gegeben. Dafür in den Staaten: Minutes Beats lehnen sich an J Dillas unverkennbaren Detroit-Stil an. Spartanische Drums, arhythmische Samples und kantige Synthies fügen sich stets zu einer relaxten Soundcollage zusammen. Auf Dauer fehlt es den Instrumentals zwar an Abwechslung, wenn "Alles wird anders" gediegen durch die Boxen plätschert, stört das jedoch kaum.
Auch Minutes Texte sind keine poetische Offenbarung, dennoch trifft er mit seinen einfach gestrickten Versen manchmal den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf. Damit diese Kleinode in der Phrasenflut - die Promo-Abteilung sagt dazu Dadaismus - nicht untergehen, muss allerdings genau hingehört werden. Sicherlich läutet "Alles wird anders" nicht wie versprochen die HipHop-Avantgarde ein. Muss es aber auch nicht. Als relaxter Sommer-Soundtrack funktioniert das Album hervorragend.
© Teleschau - der mediendienst
CD-Fakten | ||
| Veröffentlichungsdatum | 27.04.2007 | |
| Hersteller / Vertrieb | Groove Attack | |
Bewertung | ||
| Gesamt | 6 (von 10 Punkten) | |



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