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23. Mai 2012
3. März 2006 | 16:18 Uhr

Sora: Demented Honour

GENRE:: Hard&Heavy
Sora: Demented Honour

Kämen wir in die Verlegenheit, "Demented Honour" mit einem Wort beschreiben zu müssen, die Wahl fiele auf "vintage". Erlesen, brillant, etwas altmodisch. Drei Übersetzungsmöglichkeiten, drei Ansätze, die kleine musikalische Welt des Erol Sora zu umreißen. Dass der Gitarrist, Sänger und Songwriter dem klassischen Hardrock seine Liebe erklärt hat, sollte zusätzlich erwähnt werden. Auch wenn wir es eigentlich nicht wollen. Denn das liest sich viel zu unaufregend für ein solch wunderbares Album.

Bei John Lawton, dem ehemaligen Uriah-Heep- und Lucifer's-Friend-Sänger, stand Sora in Diensten. Ein kleiner Hinweis darauf, dass "Demented Honour" keine ordentlich gebügelten, sondern verwaschene Jeans trägt, vielleicht ein bisschen Leder darin. Nicht auffallend gekleidet, sondern dezent. Sora kreuzt auf dem Griffbrett John Sykes mit Ritchie Blackmore. Am Mikrofon Biff Byford von Saxon mit Gary Moore. Am Kompositionstisch Thin Lizzy mit Bad Company, Heavy Rock mit Pop und Blues. Bei solchen Pärchen kommt kein Bon-Jovi-Verschnitt hinten raus, auch wenn melodischer Hardrock das Heimterrain ist, auch wenn das Coverartwork etwas derartiges befürchten lässt. Das ist das Wichtigste. Es knackt im Gebälk, wenn beispielsweise "Broken Dreams" die grandiosen Uptempo-Nummern von Deep Purple als Vorlage heranzieht.

Der dringend empfohlene Anspieltipp indes nennt sich "NYC". Eine insistierende Akustikgitarre sprüht vor Elan, eine wummernde Orgel verfolgt konsequent das Geschehen; Soras Gesang und Spiel ist voll herzlicher Inbrunst, die Zeilen über den Big Apple bieten dem geistigen Auge reichlich Futter - das ist große Songwriterkunst in der Tradition eines John Waite und, wenn auch etwas weiter weg, eines Tom Petty. Daneben unprätentiöse Rocker der schnelleren Sorte ("One Way Ticket"), Gefühlsoasen mit südstaatlichem Temperament ("Rain") sowie einparfümierte AOR-Schlenker ("If You Ever Need Love"). "Demented Honour" ist eine ungewöhnliche CD, weil sie sich auf eine ungewöhnliche Zeit bezieht. Auf jene, als die Dauerwellenfraktion in den Startlöchern saß und die Siebziger-Größen ihr Jahrzehnt verloren. Als der klassische Hardrock sich mit der holden Melodie verbündete, ohne dabei die Überzuckerung huckepack zu nehmen. Schön, dass er auch heute noch den Mut dazu beweist.

© Teleschau - der mediendienst

CD-Fakten

Veröffentlichungsdatum   24.02.2006
Hersteller / Vertrieb   SPV

Bewertung

Gesamt   8 (von 10 Punkten)
 

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