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23. Mai 2012
2. September 2005 | 13:20 Uhr

Tango Crash: Otra Sanata

GENRE:: Besonderes
Tango Crash: Otra Sanata

Melancholie und Leidenschaft, südamerikanisches Feuer - so klingt der Tango. Heißt es. Ironie und Coolness sind nicht unbedingt die ersten Attribute, die einem zu den schwermütigen Melodien aus dem armen Süden Amerikas einfallen. So kann man sich täuschen: Die Formation Tango Crash zeigt mit ihrer zweiten Platte "Otra Sanata", wie moderner "Tango Nuevo" klingen kann, wenn er gut abgemischt ist: In einer aufregend komplexen Symbiose mit Jazz und Elektro wird der traditionelle Tango einer radikalen Verjüngungskur unterzogen und darf doch bleiben, was er ist.

"Sanata", das heißt Geschwätz oder Schwindelei. Ihre Kompositionen können Daniel Almada und Martín Iannaccone damit nicht gemeint haben, denn die sind von musikalischer Schwätzerei weit entfernt. Ein bisschen Geplapper aber ist durchaus Teil des experimentellen Spiels. Immer wieder kommuniziert das virtuose Bandoeon mit menschlichen Stimmen vom Band - wenn es nicht gerade mit dem Cello (Martín Iannaccone) um die Melodieführung ringt, mit akustischen Effekten spielt oder hingerissen schweigt. Letzteres vor allem dann, wenn das Jazz-Piano (Daniel Almada) zeigt, wie brillant es klingen kann.

Das Duo Almada / Iannaccone beschäftigt sich schon seit 1987 mit elektronischer Musik, blieb damals allerdings eher bei Fusion. Zurück zu den musikalischen Wurzeln ihres Geburtslandes kamen die beiden erst später: Im Jahr 2003 veröffentlichten sie mit Tango Crash ihr gleichnamiges Album, auf dem schon jene elektronische Variante des Tango versucht wurde, die nun in "Otra Sanata" ihre Fortsetzung findet. Mit dabei sind Rodrigo Dominguez (Saxophon), Gregor Hilbe (Schlagzeug), Marcio Doctor (Percussion) und nicht zuletzt Marcelo Nisinman: Der Bandeonist war gut mit Astor Piazzolla befreundet, und das hört man seinem begnadeten Spiel an.

Bei allen Experimenten mit akustischen Klängen und elektronischen Rhythmen gewinnen die Effekte nie die Überhand, wird die instrumentale Substanz nie an die Elektronik verraten. Dieser Stil-Mix lässt den Einzelelementen Gerechtigkeit widerfahren und bleibt auf diese Weise eine Art demokratische Auseinandersetzung über die Zukunft traditioneller Musik. Ironische Kommentare bleiben deswegen nicht aus: Droht das Cello zu sentimental zu werden, kratzt es leise dazu, als sei der Tango nur noch eine ferne Erinnerung auf Schellack. Ist er nicht: Am Ende lässt ihm das Stück "Milonga para Alberto" nicht nur rhythmisch, sondern auch buchstäblich das letzte Wort: "Tango!"

© Teleschau - der mediendienst

CD-Fakten

Veröffentlichungsdatum   13.06.2005
Hersteller / Vertrieb   AL!VE

Bewertung

Gesamt   8 (von 10 Punkten)
 

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