2. September 2010
1. Februar 2008 | 17:02 Uhr

JBBG: Electric Poetry & Lo-Fi Cookies

GENRE:: Jazz/Blues
JBBG: Electric Poetry & Lo-Fi Cookies

Eigentlich ist doch alles schon mal da gewesen. Die Mode, die Filme, die Tapeten, die Architektur und die Musik. Dass es aber immer wieder findige Köpfe gibt, die aus alten Formeln völlig neue Chemikalien zusammenbrauen, das beweisen JBBG mit "Electric Poetry & Lo-Fi Cookies". Sie verquicken Bigband mit Elektro - ja, das geht.

JBBG: Das sind Heinrich von Kalnein, Horst-Michael Schaffer und die Big Band Graz. Und ihr Sound ist so umfassend wie schwer beschreibbar. Erst einmal ist er instrumental, bläserlastig, dazu ein wenig zirkushaft-traditionell in seiner biederen und sachlichen Melodik. Dann aber legen die Musikantenmassen um ihre Bläsersammlung eine Menge elektronische Beats. Und als ob das nicht genug wäre, spielen sie mit Mundharmonika, Megaphon, Loops und Theremin. Track zwei, "Some Days Ago", klingt, als ob Edvard Grieg in seiner Bergkönighöhle nicht nur eine Bigband, sondern auch gleich noch eine Experimentierstation für Theremin-Sounds gesteckt hätte. Im weiteren Verlauf des Tracks wird es schrill, neu, verrückt. Dazu orchestrieren die Bläser eine dunkle Melodie. Jeder Filmemacher, dem noch visionäre Musik zu seinem experimentellen Schwarz-Weiß-Film fehlt, sollte hier zugreifen.

"The Smile Of Smiles" entpuppt sich dagegen als elegisch und raumgreifend. Der Song bringt die Dirigenten Schaffer und Kalnein vor Mikro und Megaphon. "Shades of Tango" mit der schönen Klarinette und dem Altsax erinnert an Klezmer, Mambo und Tango und weckt mit originellen Vokalsamples Fernweh. Bis nach vier Minuten eine wilde, schweißtreibende Bebop-Jagd sämtliche Versuchstänzer wie ein Wirbelsturm vom Parkett fegt. Weitere drei Minuten lang wird gerast und getrieben, bis der Track wieder in die holprig-gebrochene Glückseligkeit eines Tangorhythmus mündet. Dieser Track ist mit knapp acht Minuten übrigens der kürzeste des Albums.

Der gekonnte Mix von Elektronik-Klängen und Jazz, Easy-Listening-Bigband-Sounds und komplexen Strukturen ist extrem interessant und melodisch ausgefeilt. Am Ende lassen die JBBGs den Hörgenuss mit dem filigran arrangierten und kontrapunktierten "Meshell's Dreamland" modern-jazzy ausklingen. Bis auch dieser Track in eine Überraschung mündet. Da stehlen sich Bass, Rap und afrikanische Klänge hinein. Was für eine Mischung!

© Teleschau - der mediendienst

CD-Fakten

Veröffentlichungsdatum   01.02.2008
Hersteller / Vertrieb   Sunny Moon

Bewertung

Gesamt   8 (von 10 Punkten)
 

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