2. September 2010
3. März 2006 | 16:18 Uhr

Raul Midón: State Of Mind

GENRE:: Jazz/Blues
Raul Midón: State Of Mind

Es kommen einem so viele Vergleiche in den Sinn, wenn man Raul Midón hört, aber keiner passt richtig. Die Nachwuchshoffnung aus New Mexico kann Melodien schreiben, die voller Optimismus durch farbenprächtige Harmonien wandern, wie das einst Stevie Wonder gelang. Aber um zu dessen Nachahmern zu zählen, klingt er zu lateinamerikanisch. Er verbindet Akustikgitarre und Pop wie früher José Feliciano. Doch jener legt seine Stücke epischer an und nicht so kompakt und funky wie Midón. Und das letzte Mal, das jemand seinen Gesang und sein Gitarrenspiel so in den Mittelpunkt stellte, war wahrscheinlich vor zehn Jahren, als Keziah Jones' Blufunk-Debüt einschlug. Aber Midón mag es balladesker und melodiöser als Jones.

Sein Album "State Of Mind" ist die wahrscheinlich vielversprechendste Neuerscheinung dieser Saison. Von den alten Soul-Recken Arif und Joe Mardin hat sich der junge Sohn einer afroamerikanischen Mutter und eins argentinischen Vaters 13 Songs auf den Leib schneidern lassen, die harte Synkopen mit leichtem Schwingen verbinden. Meist ist Midóns Spiel auf der Akustikgitarre so perkussiv, dass man sich Drums getrost sparen kann. Begleitet wird er von Bass und Perkussion und manchmal ein wenig Orgel. Für "Expressions Of Love" erteilt ihm Stevie Wonder höchstpersönlich den Ritterschlag und spielt ein Mundharmonika-Solo. Bewegt sich Midóns Gitarrenkunst zwischen Soul und Flamenco, so hat er sich beim Gesang eindeutig für die schwarze Tradition entschieden. Dabei klingt er charismatisch, warm und intensiv.

Offenbar ist es ein gutes Zeichen, wenn alle Vergleiche mit bekannten Musikern hinken. Denn dann steht ein Künstler auf eigenen Beinen. Es wäre nicht überraschend, machte Midón mit "State Of Mind" noch große Sprünge.

© Teleschau - der mediendienst

CD-Fakten

Veröffentlichungsdatum   10.03.2006
Hersteller / Vertrieb   EMI

Bewertung

Gesamt   10 (von 10 Punkten)
 

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