Kings Of Leon: Only By The Night
-
Schrift
- Bookmark
- Kommentar verfassen

Das Monolithisch-Traurige, das den Vorgänger ausmachte, das hat sich zumindest ein Stück weit verabschiedet. Auf "Only By The Night" öffnen die Kings Of Leon Türen. Das mag man ganz schrecklich finden, wenn man die Dunkelheit von "Because Of The Times" als Ultima Ratio begriffen hat. Die Hinwendung zu einer gewissen Allgemeingültigkeit ist aber vielleicht auch zwingend, weil Weiterentwicklung. "Only By The Night" geizt nicht mit der großen Geste. Doch die Grundtugenden der Predigersöhne, die sind die gleichen geblieben. Bedeutet: Glätte wird immer wieder aufgebrochen durch eine gewisse Verzweiflung und nicht zuletzt Rauheit in der Stimme von Leadsänger Caleb Followill. Zumindest in "Revelry" klingt er wie ein hochgepitchter Bruce Springsteen - und das ist ja immer gut.
Eigenartig, dass im bisherigen Rezeptionsraster der Popjournaille der Boss nicht auftauchte. Stattdessen kamen Vergleiche zu den Killers und U2, der US-Onlinedienst Pitchforkmedia wähnte die Band sogar in der Nähe von 3 Doors Down und Konsorten. Letzteres ist natürlich grober Unfug, die ersten beiden Bezüge stimmen durchaus. Stücke wie "Somebody" oder "17" besitzen eine Klarheit in der Melodieführung, die für die Band aus Tennessee durchaus neu ist, vor allem aber ist die Produktion ebenso sauber wie schnörkellos. "Notion" indes zeigt, dass die Dramatik deshalb nicht verschwinden muss: Der Schmerz, Fundament eines jeden guten Songs, wirkt hier immer noch eine Spur verzweifelter, ein Stück hilfloser als beim amerikanischen AOR-Rock, der musikalisch manchmal durchklingt.
Weniges auf "Only By The Night" kommt nicht an. "I Want You" verzettelt sich irgendwo zwischen Kuhglocke, dumpfen Rockismen und zu oft gehörten Stereotypen von Shotguns und New Kids In Towns. Die Texte mag man bisweilen ambivalent finden, wobei die Band Inhalte noch nie über Worte transportierte. So sind es weiterhin andere, die Chronisten und Geschichtenerzähler amerikanische Befindlichkeiten sind, The Hold Steady etwa, oder neuerdings The Gaslight Anthem. Die Kings Of Leon sind ein notwendiges Gegengewicht - und haben schon alles Recht der Welt auf ihren Platz im CD-Spieler, in der Konzerthalle, irgendwann im Stadion.
© Teleschau - der mediendienst
CD-Fakten | ||
| Veröffentlichungsdatum | 19.09.2008 | |
| Hersteller / Vertrieb | SonyBMG | |
Bewertung | ||
| Gesamt | 8 (von 10 Punkten) | |


mehr...



Leserkommentare