3. September 2010
16. Januar 2009 | 17:42 Uhr

Ben Sidran: The Essential - Groove Master Selection

GENRE:: Jazz/Blues
Ben Sidran: The Essential - Groove Master Selection

Egal ob man schon einmal etwas von Ben Sidran gehört hat oder nicht, egal ob man ihn mag oder seinen groovigen, gefälligen funky Jazz als Weichspülersound verteufelt - der Mann ist nach 40 Jahren multipel angelegter Karriere einer Betrachtung wert. Das zeigt das Doppelalbum "The Essential - Groove Master Selection", das erstaunlich vielseitige Songs aus den letzten 27 Jahren versammelt.

Seit vier Jahrzehnten nun steht der Pianist, Rocksongschreiber ("Space Cowboy" für Steve Miller), Doktor der Musikwissenschaft, Video- und TV-Produzent, Autor, Moderator, Journalist und Vater weiterer guter Musiker auf der Bühne. Ganze 12 Alben forstete er durch, um die witzigsten und schönsten musikalischen Erinnerungen zusammenzusammeln. Zu deren Highlights gehören sicher das freche "I Wanna Be A Bebopper" aus dem wundervollen Album "Too Hot To Touch" von 1999 (dessen Titelsong leider hier fehlt), "Making Whoopee" aus dem 1982er-Album "Old Songs From New Depressions".

Klar, vieles hier hat eine gewisse vokale Gefälligkeit, aber trotz seiner offensichtlichen Nettigkeit besitzt Sidran einen leicht bösartigen augenzwinkernden Humor, für den ihn seine Fans lieben. Und obwohl er bei all seinen Aufnahmen versierte und namhafte Jazzmusiker um sich versammelte, meist zwei Saxophone, Flöten, manchmal Orgeln ("It Should Have Been Me"), manchmal Mundharmonika ("Get Happy") - scheint jede der Aufnahmen wie ein Feierabendstück. Wie eine kleine Session, bei der man in der schon geschlossenen Bar einfach nur so zum Gag vor den zwei schlafenden Restgästen jammt. Sidran klingt dabei ein wenig nach Pink Panther, nach Spaß und Ironie, Funk ("Nostalgia In Time Square") und Groove ("Look Here" mit Georgie Fame).

"Jazz is the teacher, Funk is the preacher" wie es so schön heißt. Macht Ben Sidran denn nun Jazz light? Auf CD 1, der "cool side" irgendwie schon. Aber gut macht er es. Und freiwillig, nicht aus Mangel an Können. Auf CD 2 hingegen, der "groovy side", gönnt sich Sidran sinnliche Bossas, subtil-funky Tunes, bluesige Töne und dazu Fusion, Wahwahs, genüssliche, deepe Beats und das ganze Instrumentarium zum Beckenkreisen und Fußspitzenwippen, das der retrofreudige Slacker zum Coolsein auf dem Tanzboden so braucht. Insgesamt eine tolle Retrospektive, trotz Weichspüler-Anleihen und Fusion-Gefahr.

© Teleschau - der mediendienst

CD-Fakten

Veröffentlichungsdatum   16.01.2009
Hersteller / Vertrieb   Broken Silence

Bewertung

Gesamt   6 (von 10 Punkten)
 

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