Paul Simon: So Beautiful Or So What
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Wer ist Paul Simon? Klar, er war zu Zeiten von Simon & Garfunkel der zärtliche Folk-Troubadour, der Schöpfer von einigen der unvergänglichsten Pop-Songs aller Zeiten. Später begeisterte er als Handlungsreisender in Sachen (Welt-)Musik, machte vor allem mit "Graceland" (1986) Rhythmen und Melodien aus Afrika einem breiteren Publikum schmackhaft. Aber mal abgesehen davon? Wenn "So Beautiful Or So What" eines deutlich macht, dann vielleicht dieses: Der Songwriter, der im Oktober seinen 70. Geburtstag feiert, sucht immer noch nach Songs und neuen Sounds. Er ist aber auch Schelm und scharfzüngiger Kritiker, Realist und Träumer zugleich.
Gleich im Opener "Getting Ready For Christmas Day" ist Simons Kritik fast schon ätzend scharf: Sowohl die von Anfang November bis Ende Dezember andauernde Weihnachtszeit wie auch der allgemeine Konsumdruck sind hier die Zielscheiben seines Spotts. Gleich darauf schildert Simon mit schelmischem Witz "The Afterlife": Um einen Schimmer der göttlichen Herrlichkeit zu sehen, muss er sich nach seinem Tod mit Buddha und Moses erst mal in eine Schlange einreihen und ein Formular ausfüllen.
Ja, hinhören lohnt sich auf "So Beautiful Or So What" - auch wenn musikalisch vieles einigermaßen vertraut wirkt. "The Afterlife" ist ein schwungvolles Soca-Stück, "Dazzling Blue" fließt verträumt zu afrikanischer Percussion dahin, und "Love And Hard Times" erinnert an seine Akustikballaden der 70er-Jahre. Ansonsten aber erzählt der musikalische Entdecker einmal mehr von seinen Reisen: Indische Elemente, Südstaaten-Blues-Rock, Barbershop-Gesang, Gospel und Bluegrass arbeitet Simon mit großer Sorgfalt in seine Songs ein.
Es sind hier eben die Details, denen man Aufmerksamkeit schenken sollte. Denn auffällig eingängige oder gar mitreißend euphorische Popsongs wie einst auf seinem Meisterwerk "Graceland" sind hier weder Simons Weg noch sein Ziel. Es geht um Liebe, Sterblichkeit, die Unwegbarkeiten und Sinn des (modernen) Lebens. Simon selbst findet, dass das Album, ohne dass er es wollte, eine Art Zusammenfassung seiner ganzen Karriere geworden sei. Recht hat er. Und als komprimierte Rück- und Werkschau, nur eben mit neuen Songs, funktioniert "So Beautiful Or So What" auch bestens.
© Teleschau - der mediendienst
CD-Fakten | ||
| Veröffentlichungsdatum | 08.04.2011 | |
| Hersteller / Vertrieb | Universal | |
Bewertung | ||
| Gesamt | 8 (von 10 Punkten) | |



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