Samsung Galaxy Tab angetestet: iPad-Konkurrent mit Android
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Zu Beginn der IFA stellt Samsung sein 7-Zoll-Tablet mit dem Google-Handybetriebssystem Android vor. Zur Ausstattung gehören WLAN, UMTS samt HSDPA, Bluetooth, GPS, zwei Kameras, ordentlich Speicher und einiges mehr. Wir hatten bereits die Möglichkeit, einen Blick auf einen Prototypen zu werfen.
Wieder einmal hat Apple vorgelegt - wie einst mit dem iPod und danach mit dem iPhone. In diesem Jahr war es das iPad. Auf einmal klappt die Fingerbedienung eines halbwegs handlichen Begleiters, von dem die Strategen diverser Technologieunternehmen seit etwa einem Jahrzehnt träumen - zunächst in der Form von Web Pads, danach als Notebook-Verschnitt unter dem Namen Tablet PC. Der Erfolg? Verschwindend gering, wenn man einmal von diversen Ausnahmen im professionellen Umfeld absieht. Aber das iPad. Sexy. Cool. Flott. Gut zu bedienen. Gut ausgestattet. Man braucht es nicht, aber man will es haben. Zum Surfen auf dem Sofa, zum Lesen von Büchern oder Nachrichten im Bett, zum Basteln von Präsentationen in der Hotellobby.
Alternativen? Gibt es kaum, wenn man mal von den zu Recht wenig erfolgreichen Windows-Tablet-PCs oder diversen Versuchen asiatischer Hardwareschmieden absieht. Bis jetzt. Google gibt Gas. Das äußerst erfolgreiche Smartphone-Betriebssystem wird gerade aufgepimpt und soll Ende des Jahres in einer neuen Version für Geräte mit großen Displays auf den Markt kommen. Für Tablets, für iPad-Konkurrenten eben. Aber auch die derzeit aktuelle Android-Version 2.2 (Froyo) läuft auf Tablets mit großen Touchscreens - was Samsung zum Auftakt der IFA mit seinem Galaxy Tab beweist.
Design
Auf den ersten Blick erinnert das Galaxy Tab durchaus an das iPad. Absicht? Nun ja - wie soll ein Tablet mit großem Touchscreen denn auch großartig anders aussehen. Im Vergleich zum Marktbegleiter mit dem Apfel auf der Rückseite ist das Display des Galaxy Tab ein Stück kleiner. 7 Zoll trifft auf 9,7 Zoll. Merklich kleiner also, aber gar nicht mal schlecht: Das Samsung Tablet passt nämlich in die Westentasche. Und sogar in die rückseitige Hosentasche. Hinsetzen sollte man sich damit allerdings nicht.
Auch aufgrund der minimal kleineren Abmessungen ist das Gewicht des koreanischen Geräts deutlich niedriger als das des amerikanischen Vorbilds. 380 Gramm wiegt das Galaxy-Tab, das iPad bringt es in der UMTS-Version auf 0,73 Kilogramm.
Ein weiterer Grund für das geringere Gewicht ist die Materialauswahl. Apple verbaut Aluminium und Glas - Samsung setzt auf Kunststoff. Zumindest auf der Rückseite. Der Rahmen scheint ebenfalls aus Plastik gefertigt zu sein, wirkt aber äußerst stabil - fast wie lackiertes Metall. Die Frontscheibe sitzt bündig auf der Vorderseite und ist aus Glas gefertigt. In wie weit das Display kratzfest ist, konnten wir zugunsten des handgefertigten Prototypen nicht ausprobieren - auf Anhieb wirkt es aber solide. Sobald uns ein marktreifes Testgerät zur Verfügung steht, werden wir diesen Test mit einem Messer nachholen. Zumindest bei der Rückseite können wir uns das sparen: Der weiße Kunststoff wirkt zwar stabil, ist aber offensichtlich nicht sonderlich kratzfest. Aber wie gesagt, es ist ein Prototyp - bis zur Markteinführung in etwa einem Monat könnte sich hier durchaus noch etwas tun.
Trotz der einfacheren Materialien und des geringeren Gewichts wirkt das Galaxy Tab äußerst stabil. Selbst unter Krafteinwirkung ist das Gerät hundertprozentig verwindungssteif.
Auf der Vorderseite gibt es keine mechanischen Elemente. Oberhalb der Anzeige ist nur der Samsung-Schriftzug zu sehen, sowie die Linse einer 1,3-Megapixel-Kamera oben rechts, die primär der Videotelefonie dient. Daneben gibt es noch einen Helligkeitssensor, damit das Gerät die Hinterleuchtung des Displays an die Umgebung anpassen kann. Unterm eigentlichen Display sind vier beleuchtete Soft-Touch-Tasten angebracht: Home, Menü, Zurück und Suchen. Einen mechanischen Hauptmenü-Button wie beim Android-Smartphone Samsung Galaxy S oder dem iPad gibt es nicht. Ein entsprechendes Icon erscheint virtuell auf dem Homescreen.
Die Oberseite des Galaxy S ist, wie der komplette Rahmen, schwarz lackiert. Weder matt noch klavierlackglänzend, sondern irgendwo dazwischen. Oben ist eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschluss von Headsets und Standard-Kopfhörern angebracht. Auf der linken Seite gibt es nur ein kleines Loch, hinter dem sich das integrierte Mikrofon verbirgt. Rechts ist mehr zu sehen. Von oben nach unten tummeln sich hier Ein-Aus-Taster, Wippschalter für die Lautstärkeregelung und unter Kunststoff-Abdeckungen verborgene Slots für microSD-Speicherkarte und SIM-Karte. Ganz unten befinden sich zwei Lautsprecher. Untypisch für Samsung: Der Ein-Aus-Taster des Tablets dient nicht als Lock-Schalter. Sperren des Displays ist - zumindest beim Prototypen - nur durch Ausschalten der Anzeige möglich.
Die Rückseite besteht aus weißem Plastik. Neben einem silbergrauen Samsung-Schriftzug und diversen anderen Einprägungen in der gleichen Farbe befindet sich hier die Linse der 3-Megapixel-Kamera samt Foto-LED.
Ausstattung
Während sich das iPad in seiner Ausstattung grundlegend vom iPhone unterscheidet, wirkt das Galaxy Tab, als hätten die Entwickler von Samsung das Android-Flaggschiff Galaxy S einfach vergrößert. Eine Version ohne UMTS gibt es nicht, und natürlich sind auch die Datenbeschleuniger HSDPA und HSUPA für schnelle Down- und Uploads aus dem Handynetz vorhanden. Sogar Telefonieren ist möglich - via Freisprechfunktion dank integriertem Mikrofon, per Headset oder Bluetooth. Das 7-Zoll-Tablet ans Ohr zu halten sieht nicht nur albern aus, sondern funktioniert auch einfach nicht - denn das Mikrofon ist links angebracht, die Lautsprecher befinden sich unten. Neben der normalen Telefonie sind auch Videogespräche möglich.
Auch ansonsten ist das Galaxy Tab dem Galaxy S recht ähnlich. Bluetooth, WLAN, GPS, Kamera samt Foto-LED - alles vorhanden.
Das Display nutzt entgegen einiger Gerüchte leider nicht die tolle Super-AMOLED-Technik des Galaxy S. Stattdessen kommt hier "nur" ein LCD zum Einsatz. Schlimm ist das aber nicht, denn die Anzeige ist mit einer Auflösung von 1024 mal 600 Pixeln (iPad: 1024 mal 768 bei 9,7 statt 7,0 Zoll) gestochen scharf, zeigt kräftige Farben und hat sehr ordentliche Blickwinkel.
Unser Prototyp ist mit 16 GByte Flash-Speicher ausgestattet. Alternativ wird es auch eine Version mit 32 GByte integriertem Speicher geben. In beiden Fällen ist der microSD-Speicherkartenslot vorhanden, der bis zu 32 GByte große Karten aufnimmt. Der Speicher des Prototypen ist in zwei Partitionen unterteilt. Etwa 2 GByte dienen dem System und der Installation von Apps, circa 13 GByte werden als "interne SD-Karte" ausgewiesen - also ähnlich wie beim Samsung Galaxy S, das in der hierzulande vertriebenen Version allerdings nur 8 GByte Speicher zu bieten hat.
Bedienung und Software
Auf dem Galaxy Tab ist die aktuellste Android-Version 2.2 (Froyo) installiert. Der Hersteller sichert schon heute zu, dass es ein Update auf die Tablet-Version geben wird, die vermutlich Ende des Jahres mit der Versionsnummer 3.0 auf den Markt kommen wird.
Die Oberfläche kennen wir schon vom Samsung Galaxy S. Es handelt sich um das Samsung-eigene TouchWiz-3.0-Interface, das auch beispielsweise beim Samung Wave zum Einsatz kommt. Es handelt sich dabei um ein angepasstes Android-Interface. Die Notification Bar oben, die über verpasste Anrufe, eingegangene Nachrichten & Co. informiert, gibt es hier ebenso wie mehrere Homescreens, die der Nutzer mit Widgets und Verknüpfungen an seine eigenen Vorstellungen anpassen kann. Im Gegensatz zum normalen Android-Programme-Menü wird hier, wie auch beim Galaxy S, horizontal statt vertikal durch die Apps gescrollt.
Mit an Bord sind die typischen Google-Apps inklusive Mail, Maps und Market. Dazu kommt der Samsung-eigene App-Store, der zusätzliche, speziell an das Tablet angepasste Programme beinhalten soll. Außerdem gibt es drei zusätzliche Programme namens Media Hub, Music Hub und Reader Hub. Hier finden sich Musik- und eBook-Stores samt der zugehörigen Programme zum Lesen von Magazinen und Büchern sowie zum Hören der Musik. Der Samsung-Musikstore bleibt vorerst amerikanischen Galaxy-Tab-Käufern vorbehalten - ob das Programm bei den deutschen Modellen überhaupt vorinstalliert ist, werden wir sehen. Definitiv gibt es aber den eBook-Shop, der nationale und internationale Bücher, Zeitschriften und Zeitungen beinhaltet.
Wie sich die Anwendungen aus dem Android Market auf dem großen Display schlagen, werden wir noch sehen - die meisten Apps sind derzeit, wie zum Verkaufsstart des iPad, eben für die deutlich kleineren Anzeigen der Smartphones gemacht. Sie werden zwar größtenteils funktionieren, aber das Galaxy Tab kann so eben seinen Vorteil der großen Anzeige nicht ausspielen. Leistung
Im Inneren des Tablets arbeitet der gleiche 1-GHz-Samsung-Prozessor, der auch im Galaxy S zum Einsatz kommt. Hier und da ruckelt's beim Prototypen zwar noch etwas beim Multitouch-Zoom im Browser oder bei Google Maps sowie beim Wischen durch die Menüs, aber wir gehen davon aus, dass das bis zum Verkaufsstart aus der Welt geschafft ist.
Die Akkulaufzeit konnten wir in der Kürze der Zeit nicht testen. Im Inneren ist ein 4000-mAh-Stromspeicher verbaut. Zum Vergleich: Bei den meisten Smartphones hat der Akku eine Kapazität von gut 1000 bis knapp 1500 mAh. Trotz der großen Anzeige sollen beim Galaxy Tab Laufzeiten von sieben bis acht Stunden beim Betrachten von Videos möglich sein. Apple gibt fürs iPad zwar zehn Stunden an, aber das Gerät ist auch doppelt so schwer und ein gutes Stück größer. Der starke Akku ist übrigens auch der Grund für den Verzicht auf die ansonsten übliche Micro-USB-Buchse: Das Aufladen würde über die Schnittstelle einfach viel zu lange dauern.
Erste in dunklen Umgebungen geschossene Testfotos wirken recht körnig, aber auch die Kamera werden wir dann ausführlich testen, wenn uns ein finales Gerät vorliegt.
Zubehör
Der Dock-Anschluss auf der Unterseite ermöglicht nicht nur das Laden und das Übertragen von Daten. Wie beim iPad ist er auch die Schnittstelle für umfangreiches Zubehör - etwa für ein Dock für das Nachtkästchen, in dem das Gerät als Wecker fungiert, der das Licht der Anzeige langsam hochdimmt und Vogelgezwitscher ertönen lässt.
Wer das Dock lieber zum Fernseher stellt, freut sich sicherlich über den integrierten HDMI-Anschluss. Außerdem wird es eine Aufnahme mit integrierter QWERTZ-Tastatur für das Galaxy Tab geben - so wird eine mobile Schreibmaschine aus dem Androiden. Besonders handlich sieht der Prototyp darin aber nicht aus. Vieltipper sollten sich besser auch weiterhin für ein Notebook oder Netbook entscheiden.
Ebenfalls im Programm wird es diverse Hüllen und Standfüße geben, sowie eine Auto-Halterung, die aus dem Tablet ein großes Navi im Querformat macht. Die kostenlose Google-Navigation ist natürlich vorinstalliert. Wer lieber mit einer On-Board-Lösung von A nach B fährt, kann sich Navigon, CoPilot & Co. wie bei einem Android-Smartphone gegen Gebühr aus dem Market laden.
Vorläufiges Fazit
Samsung nennt seinen iPad-Konkurrenten offiziell Smart Media Device - und das kommt gut hin. Die Bedienung macht Spaß, der Funktionsumfang ist gigantisch, die Ausstattung hervorragend. Lediglich der mit 799 Euro durchaus gesalzene Preis drückt die Vorfreude auf das in etwa vier Wochen erscheinende Tablet etwas. Aber im Gegensatz zum Apple-Gerät wird es das Galaxy Tab von Anfang an bei allen vier Netzbetreibern und im offenen Handel mit und ohne Vertrag geben. Das sorgt für Wettbewerb - und sollte die Preise schnell auf ein deutlich angenehmeres Niveau drücken. Wir sind sehr gespannt auf das finale Gerät - und auf das, was das kommende Android-Update wohl noch für Gimmicks mitbringt.






































Leserkommentare (1)
1.) Minderwertigeres Gehäuse
2.) Kaum mehr Ausstattung
3.) Kein besseres, maximal gleichwertiges OS
4.) Preislich vollkommen uninteressant
Da greife ich entweder mit Freude zum Original oder warte auf bessere Geräte mit Android. Schade, Samsung, aber mich lockt ihr damit nicht.