Erstes UMTS-Handy: Nokia 7600

von Stefan Grotzke am , 00:00 Uhr

Pro
  • erstes marktreifes UMTS-Handy
  • hoher "Auffälligkeitsfaktor" durch ungewöhnliche Formgebung
  • gute Sprachqualität
Con
  • Lage der Tasten gewöhnungsbedürftig
  • Tastatur teilweise ohne Druckpunkt
  • mit derzeitiger Firmware gebremste UMTS-Geschwindigkeit
  • kein Steckplatz für Speicherkarten
  • Display zerkratzt leicht
Hersteller: Nokia Listenpreis: 610 Euro (310 Euro mit Vertrag)
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das erste marktreife UMTS-Handy sieht nicht nur ungewöhnlich aus, auch die Handhabung ist gewöhnungsbedürftig. Bei der Firmware darf Nokia noch kräftig nachbessern - die erzielte Geschwindigkeit reizt die Möglichkeiten von UMTS längst nicht aus.

Das erste marktreife UMTS-Handy sieht nicht nur ungewöhnlich aus, auch die Handhabung ist gewöhnungsbedürftig. Die erzielte Geschwindigkeit reizt die Möglichkeiten von UMTS aber nicht aus.

Nokia beweist mit dem 7600 viel Mut und startet mit futuristischem Design ins UMTS-Zeitalter. Das 7600 ist das erste tatsächlich verfügbare UMTS-Handy. T-Mobile und O2 wollen das Gerät schon im Laufe des Aprils anbieten.

Technisch basiert das 7600 auf dem 6650, Nokias UMTS-Handy der ersten Stunde. Das Gerät wurde allerdings von keinem Netzbetreiber in Deutschland angeboten. Auch der Nachfolger unterstützt lediglich GSM- und UMTS-Netze der Frequenzen 900 und 1800 MHz. Wer häufig in Amerika unterwegs ist, wird eine Triband-Unterstützung vermissen.

Trotz der integrierten Kamera, die Bilder in mäßiger Schnappschuss-Qualität und VGA-Auflösung liefert, sind mit dem 7600 keine Video-Telefonate im UMTS-Netz möglich. Es lassen sich aber Videos mit einer Auflösung von 128 mal 96 Pixeln aufnehmen und als MMS verschicken. Zum Speichern von Bildern, Videos oder Musikdateien im MP3- oder AAC-Format stehen nur 29 MByte interner Speicher zur Verfügung. Ein Slot für Speicherkarten fehlt völlig. Das ist vor allem im Hinblick auf die Music-Player-Funktion des 7600 bedauernswert.

Angesichts der fehlenden Video-Telefonie-Funktion bringt die UMTS-Technik dem Anwender lediglich Vorteile beim Abruf von E-Mails oder beim WAP-Zugang. Ein Internetbrowser ist im 7600 auch integriert, doch hält sich das Surfvergnügen in Grenzen: Schließlich sieht der Anwender durch das 3 mal 4 Zentimeter messende Display immer nur einen sehr kleinen Ausschnitt der angeforderten Internetseite. Er muss ständig scrollen.

Theoretisch leistet das 7600 bis zu 384 kBit/s im Downstream und 64 kBit/s im Upstream. Mit der Firmware V 03.01 vom 15.12.2003 ist bei Messungen in Berlin, Augsburg, München und Hannover allerdings deutlich weniger drin. Der Download im T-Mobile-UMTS-Netz gelingt mit maximal 85 kBit/s, der Durchschnitt liegt nur etwas über 75 kBit/s. Auch der Upload kann mit maximal 50 kBit/s nur bedingt überzeugen. Der Durchschnittswert liegt bei etwa 47 kBit/s.

Getestet wird mit einem Asus L3400 und einer 3com-Bluetooth-Karte, über die das Nokia 7600 Kontakt mit dem Notebook [1] hält. Als erstes baut der Anwender die Bluetooth-Verbindung zum Handy auf und aktiviert Bluetooth am 7600. Aus den zur Verfügung stehenden Bluetooth-Verbindungen wählt er die DUN-Verbindung (DUN = Dial-Up-Network). Dann lässt sich das Nokia 7600 wie ein normales Modem verwenden, indem man eine feste DFÜ-Verbindung unter Windows definiert.

Vergisst der Anwender die Bluetooth-Aktivität am 7600 wieder abzuschalten, reicht der Akku kaum zwei Tage. Sofern er auch noch häufig telefoniert, ist der Akku schon nach einem Tag leer. Bei normalem Gebrauch sind etwa vier bis fünf Tage Akkulaufzeit möglich.

An die nahezu quadratische Form des Handys gewöhnt man sich noch verhältnismäßig schnell. Die Anordnung der Ziffern links und rechts vom mittig gelegenen Display erfordert längere Einarbeitungszeit – ist der Anwender doch bisher den Neunerblock gewöhnt. Daher ist der 7600-Neuling bei der Eingabe von Telefonnummern oder beim SMSen anfangs ständig auf der Suche nach der korrekten Taste. Doch nicht nur das geänderte Tastaturlayout ist wenig benutzerfreundlich, sondern auch die Tasten selbst: Sie schließen bündig mit der Gehäuseoberfläche ab und sind daher schwer zu fühlen. An manchen Stellen, vor allem bei den großen Tasten, fehlt ein deutlicher Druckpunkt.

Auf die Handy-üblichen Features muss der Anwender nicht verzichten: SMS, MMS, E-Mail-Client, Organizer, Music- und Video-Player sowie ein Webbrowser finden sich im Gerät. Auch die Synchronisation mit Outlook funktioniert reibungslos. Wem das nicht genügt, der kann zusätzliche Java-Programme installieren. Über den Nokia-Pop-Port lassen sich Zubehörteile wie das mitgelieferte Headset oder das USB-Datenkabel anschließen. Als weitere Verbindungen stehen Bluetooth und Infrarot zur Verfügung.

Wer sein 7600 individuell gestalten möchten, kann wie bei anderen Nokia-Telefonen üblich die Oberschale wechseln. Beim 7600 lassen sich die zwei seitlichen, farbigen Kunststoffteile austauschen.

Im Alltagsgebrauch häufen sich die negativen Eindrücke. Weder das Display noch die Linse der Kamera sind vor Kratzern geschützt. Das Display liegt nicht, wie sonst üblich bei Nokia, etwas tiefer, sondern auf einer Ebene mit dem Gehäuse. Bei der Linse fehlt ein Objektivschutz.

Auf einen externen Antennenanschluss verzichtet Nokia. Wer das 7600 im Auto nutzen möchte, muss sich ein separates Funk-Car-Kit von Nokia zulegen. Über das Bluetooth Profil „SIM Access“ (SIM Access Profile) steht der KFZ-Einbausatz mit dem Funktelefon in Verbindung.

Lob hat das 7600 hingegen für seine Sprachqualität verdient. Egal ob mit dem mitgelieferten Headset oder direkt am Gerät, die Verständigung bleibt sehr klar und deutlich. In erster Linie müssen sich wohl die Umstehenden an das Bild des Telefonierenden gewöhnen, der sich einen derart quadratischen „Klops“ ans Ohr hält. Immerhin: Das Gewicht ist mit 122 Gramm für ein UMTS-Telefon mit integrierter Kamera erfreulich gering ausgefallen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/