5-Megapixel-Digicam: Nikon Coolpix 5400

von A. Schmoll-Trautmann und Mitt Jones am , 16:41 Uhr

Pro
  • solide Metallkonstruktion
  • gute Funktionsausstattung
  • hervorragende Bildqualität
Con
  • keine Unterstützung für RAW-Dateien
  • kleines LCD
  • relativ kurze Akkulebensdauer für eine hochklassige Hobbykamera
Hersteller: Nikon Listenpreis: 699
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,5 von 10 Punkte
Fazit:

Die Coolpix 5400 präsentiert viele wirklich starke Features, allerdings fehlen ihr einige Funktionen, die sich gerade anspruchsvolle Hobbyfotografen wünschen.

Die Coolpix 5400 präsentiert viele wirklich starke Features, allerdings fehlen ihr einige Funktionen, die sich gerade anspruchsvolle Hobbyfotografen wünschen.

Zwar wurden das klobige schwarze Gehäuse, der gummierte Griff und der praktische LCD-Bildschirm zum Ausklappen und Drehen von der Coolpix 5000 übernommen, dennoch wurde bei der 5400 etwas gegen die schlimmsten Konstruktionsmängel ihrer Vorgängerin getan.

So hat die Kamera abgespeckt: Sie ist etwa acht Millimeter kürzer und schmaler und ihr Gewicht hat sich um etwa 37 Gramm auf etwa 384 Gramm inklusive Batterie und Speichermedien verringert. Auch der Blitzsensor wurde neu positioniert. Er befindet sich jetzt nicht mehr gleich neben dem Griff, wo er beim Fotografieren nur allzu leicht verdeckt wurde, sondern auf der anderen Seite des eingebauten Blitzgerätes, wo er vor umherirrenden Fingern sicher ist. Die überarbeitete Coolpix ist eine grundsolide Kamera mit Metallgehäuse und extrem ansprechendem Äußeren. Sie schießt hervorragende Bilder und liegt gut in der Hand. Leider ist jedoch der LCD-Schirm um 0,3 Zoll auf magere 1,5 Zoll geschrumpft.

Test
Preisfrage: Wie schaltet man in den Makro-Modus? Wenn man erst einmal herausgefunden hat, dass man mit der AF-Taste die Fokussierungs-Optionen durchgehen kann, dürfte einen die komplexe Oberfläche der 5400 nicht mehr abschrecken. Andernfalls ist ein Blick in die Anleitung fällig.

Nikon hat auch die Bedienelemente einer Überarbeitung unterzogen, zum Vorteil des Fotografen. So ist zum Beispiel die Taste zum Arretieren von Zeitautomatik und Autofokus (AE/AF-L) jetzt nicht mehr vorne, sondern hinten angebracht. Das neue Einstellrad für die Aufnahmemodi sitzt gut sichtbar oben auf der Kamera und bietet eine schnelle Auswahl unter sieben Einstellungen wie zum Beispiel einer bequemen Vollautomatik. Wenn man auf Motivmodus umschaltet, drückt man die Menütaste und ruft im Display die verschiedenen Modi auf. In Verbindung mit dem LCD-Menü kann man über das Einstellrad auch leicht auf die Optionen für Weißabgleich, Bildauflösung und -qualität sowie Lichtempfindlichkeit zugreifen.

Über ein paar kleine Tasten kann man in Verbindung mit einem anderen Einstellrad die Optionen für Belichtungsausgleich, Blitz- und Fokuseinstellungen sowie andere wichtige Funktionen erreichen. Die „Func“-Taste oben auf der Kamera kann programmiert werden, um eine aus einer Reihe von Funktionen zu steuern, wie etwa Weißabgleich und Mehrfachaufnahmen. Insgesamt funktionieren die Steuerelemente recht gut, doch die Bedienung der verschiedenen Tasten, Räder und Menüs erfolgt nicht immer intuitiv. Auf jeden Fall muss man zunächst die Bedienungsanleitung durcharbeiten, um zu verstehen, wie die Coolpix 5400 arbeitet.

Bei den entscheidenden Teilen der Ausstattung hat Nikon größtenteils die richtige Wahl getroffen. Anders als viele andere 4fach-Zoom-Objektive macht das Nikkor der 5400 keine Abstriche im Weitwinkelbereich; der Brennweitenbereich von 28-116 mm (dem 35-mm-Kleinbildformat entsprechend) lässt sowohl Portrait- als auch Landschaftsaufnahmen zu und im Makro-Modus kann man bis auf einen Zentimeter an das Motiv heran. Die Belichtungszeiten reichen von 1/4.000 Sekunde und 10 Minuten bei Bulb-Langzeitbelichtung.

Die 5400 bietet bei Belichtung, Messung und Fokussierung die Auswahl, die man von einer zwischen Mainstream und hochwertigem Hobby-Modell angesiedelten Kamera erwarten darf. Sie verfügt über eine Programmautomatik, eine Zeitautomatik und eine Blendenautomatik, manuelle Einstellmöglichkeiten, einen Film-Modus (mit Zeitrafferfunktion) und Motivmodi. Der Autofokus arbeitet wahlweise mit Punkt- oder Mehrfeldmessung und zur Belichtungsmessung stehen Matrix-, Punkt- und mittenbetonte Integralmessung zur Verfügung. Außerdem sind zahlreiche Tools vorhanden, mit denen die Aufnahmen dem eigenen Geschmack angepasst werden können. Über das Menüsystem erhält man Zugriff auf Bildeigenschaften wie Kontrast, Farbsättigung, Schärfe und Bildrauschen. Über die Menüs gelangt man auch zu den Einstellungen für automatische Belichtungs- oder Weißabgleichsreihen und zahlreiche Serienbildfunktionen.

An den Blitzschuh der Kamera kann man ein externes Blitzgerät anschließen, obwohl der integrierte Blitz zur gelegentlichen Verwendung durchaus ausreicht. Zu den Blitzoptionen zählen die bei Hobbyfotografen sehr beliebten Features Langzeitsynchronisation und Synchronisation auf den zweiten Verschlussvorhang. Die optischen Eigenschaften der 5400 können mit optional erhältlichen Vorsatzlinsen erweitert werden.

Alldem zum Trotz gibt es auch einige schwer wiegende Versäumnisse und Enttäuschungen zu nennen. Vor allem ist das 1,5-Zoll-LCD zu klein, um damit einen Bildausschnitt zu bestimmen, von Hand scharf zu stellen und Bilder in der Kamera zu bearbeiten. Des Weiteren gibt es, auch wenn diese frei auswählbar sind, nur fünf Messfelder für den Autofokus. Die 5400 unterstützt die Aufnahme von Videosequenzen mit 15 Bildern pro Sekunde, aber die Länge der Clips ist auf 70 Sekunden bei VGA-Auflösung und 180 Sekunden bei einer Auflösung von 320×240 Pixel beschränkt. Zudem gibt es keine Unterstützung für RAW-Dateien. Man kann JPEG- und TIFF-Bilder aufnehmen, doch füllen TIFF-Aufnahmen in höchster Auflösung den Speicherplatz auf der CompactFlash-Karte sehr schnell: Eine 5-Megapixel-Datei belegt etwa 15 MByte. Nikon plant zum Frühling 2004 ein Firmware-Update herauszubringen, das die 5400 RAW-fähig macht. Das Update wird in der Digital Knowledge Database des Unternehmens erhältlich sein.

Bei den Messungen schlägt sich die Coolpix 5400 recht gut. Nach dem Einschalten ist sie nach nur etwas über vier Sekunden aufnahmebereit. Bei guten Lichtverhältnissen (helles und kontrastreiches Motiv) liegt die Verschlussverzögerung bei respektablen 0,7 Sekunden; bei Innenaufnahmen beträgt sie etwa 1,3 Sekunden, was zwar dem Durchschnitt in dieser Kameraklasse entspricht, aber einigen Fotografen zu langsam sein dürfte.

Mit einer durchschnittlichen Aufnahmefrequenz von zwei Sekunden zwischen zwei Bildern und etwas über drei Sekunden bei Blitzaufnahmen erreicht die Nikon solide Werte. Wie bei den meisten Kameras dieser Klasse verlängert sich die Verarbeitungszeit bei der Aufnahme von TIFF-Bildern auf etwa 29 Sekunden.

Um eine vernünftige Verzögerung zwischen den Aufnahmen zu erreichen, muss man einfach das Blinklicht, das die Verarbeitung von Bilddaten anzeigt, ignorieren. Wenn der Pufferspeicher nicht voll ist, unterbricht die Kamera bei Druck auf den Auslöser vorübergehend die Bildverarbeitung, um ein weiteres Foto aufzunehmen.

Es gibt mehrere Serienbildfunktionen für Situationen, in denen man nicht mehrere Sekunden warten kann, um das nächste Bild zu schießen. Bei Außenaufnahmen bei Tageslicht ließen sich zum Beispiel mit der Serienbildfunktion H 6 Aufnahmen in 2,8 Sekunden schießen. Hierbei wird aufgenommen, bis der Pufferspeicher voll ist. Insgesamt erreichte die Kamera im Test zwischen 1,4 und 2,4 Bilder pro Sekunde, je nach Einstellung.

Test
Die Verantwortung für die geringe Anzahl mit einer Ladung möglicher Aufnahmen trägt der etwas armselige 680-mAh-Lithium-Ionen-Akku. Im Test reichte es zu 305 Bildern, die Hälfte davon wurden mit Blitz aufgenommen.

Nikon gibt die Lebensdauer des Lithium-Ionen-Akkus der 5400 mit 110 Minuten an. Dabei wird angenommen, dass jede dritte Aufnahme mit Blitz gemacht wird und bei allen der Zoom verwendet wird. Im Test kam die Kamera auf enttäuschende 305 Aufnahmen, von denen die Hälfte mit Blitz gemacht wurde. Der Akku verabschiedete sich außerdem recht überraschend: Die einzige Vorwarnung vor der Entladung kam nach 196 Aufnahmen. Zum Glück arbeitet die Kamera auch mit Lithium-Batterien von Typ 2CR5; es empfiehlt sich also, diese immer bereit zu halten.

Die 5400 erfüllte die insgesamt hohen Ansprüche an die Bildqualität, die man an eine Kamera dieser Klasse richten darf. In den sehr hellen Bereichen war ein geringes Maß an Clipping erkennbar, ansonsten war der Dynamikumfang durchaus beeindruckend. Das Gleiche gilt für die Belichtung, obwohl der Blitz die Aufnahmen nicht ausreichend ausleuchtete.

Die Farben wurden meist exakt wiedergegeben, doch wie bei vielen Geräten wurden in der Voreinstellung blauer Himmel und kräftige Farben zu stark betont. Die 5400 hatte keine Probleme strahlend rote Blüten aufzunehmen, die sich für Digitalkameras oft als schwierig erweisen, allerdings waren bei vielen anderen Bildern die kräftigen Farben ganz klar übersättigt. Die typischen Farbsäume traten in normalem Umfang auf. Die Rauschwerte waren bei ISO 50 und ISO 100 selbst in dunklen Bereichen sehr gut, bei ISO 200 war dagegen ein deutliches Bildrauschen auszumachen.

Test
Obwohl die Farbbalance nie vollständig auf dem Punkt ist, liefert die 5400 bei allen Einstellungen sehr gute Ergebnisse.

Test
Die Schärfe und die niedrigen Rauschwerte der mit der 5400 geschossenen Bilder waren beeindruckend. Bei der Aufnahme mit dem Hut gab es keinen Moiré-Effekt auf dem grob gerippten Stoff (links), der den meisten Kameras Schwierigkeiten verursacht.

Die Nikon Coolpix 5400 bietet eine Auflösung von 5 Megapixel und liefert im Vergleich zur Coolpix 5000 zahlreiche entscheidende Verbesserungen, darunter ein Objektiv mit Vierfach-Zoom, eine verbesserte Bildqualität und überarbeitete Bedienungselemente. Nikon hat außerdem noch 15 Motivprogramme hinzugefügt, was Gelegenheitsfotografen die Handhabung dieser Kamera erleichtern dürfte. Man sollte sich davon aber nicht beirren lassen: Mit ihren zahlreichen Funktionen und Einstellmöglichkeiten dürfte die Coolpix 5400 in erster Linie etwas für anspruchsvolle Hobbyfotografen sein. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn die Akkus länger durchhielten und die Kamera auch das RAW-Format unterstützte.

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