Multimedia-Handy: Nokia 6230

von Lee Chee Wee am , 00:00 Uhr

Pro
  • elegantes Business-Design
  • videofähige VGA-Kamera
  • MP3-Wiedergabe, UKW-Radio
  • Bluetooth und Infrarot
  • MMC-Erweiterungssteckplatz
Con
  • kleines Display
  • störungsanfällig
Hersteller: Nokia Listenpreis: 449 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Während dieses Nokia-Telefon über erstaunliche Multimedia-Fähigkeiten und Verbindungsmöglichkeiten verfügt, hinterlassen der Bildschirm und die launische Software einen unangenehmen Beigeschmack.

Während dieses Nokia-Telefon über erstaunliche Multimedia-Fähigkeiten und Verbindungsmöglichkeiten verfügt, hinterlassen der Bildschirm und die launische Software einen unangenehmen Beigeschmack.

Auf den ersten Blick scheint das Nokia 6230 einfach ein weiteres Gerät aus der 40er-Serie des finnischen Giganten zu sein. Man sollte sich aber nicht unbedingt von Äußerlichkeiten täuschen lassen, denn dieses Nokia-Gerät enthält viele Raffinessen, so dass es die meisten Technikbegeisterten eine ganze Weile zufrieden stellen sollte.

Design

Dieses 90 Gramm schwere Triband-Handy von Nokia zeigt sich im Industrial-Look mit Metall-Details und misst 103 x 44 x 20 mm. Wer ein anderes Aussehen bevorzugt, kann auf die austauschbaren Frontplatten zurückgreifen, die gesondert erhältlich sind. Dieser Vorzug bringt aber auch einen Nachteil mit sich, der Sitz der Front- und Rückplatten lockert sich mit der Zeit häufig.

Der in diesem Mobiltelefon eingebaute 128 x 128 Pixel große Bildschirm ist nach heutigen Maßstäben bestenfalls mittelmäßig. Er erfüllt zwar seine Aufgabe, gegenüber anderen Telefonen im ähnlichen Format, wie zum Beispiel dem Sony [1] Ericsson T630, nehmen sich seine 65.536 Farben aber enttäuschend aus. Auch kann sich mitunter als ärgerlich erweisen, dass es keine Einstellmöglichkeiten für Kontrast und Helligkeit gibt.

Die einzelnen Tasten auf dem Tastenfeld scheinen etwas wackelig, obwohl im Test keine Probleme mit deren Verwendung auftraten. Über einen Fünf-Wege-Schalter unter dem Bildschirm können die Funktionen des Telefons mit jeweils einem einzigen Tastendruck aufgerufen werden, einschließlich das Erstellen von Nachrichten oder das Aufnehmen eines Schnappschusses.

Oben auf dem Gerät befindet sich eine große Ein-/Aus-Taste, das An- und Abschalten des Telefons ist also einfach. Die Kamera auf der Rückseite des Geräts ragt etwa einen Millimeter über das Gehäuse hinaus und verkratzt deswegen leicht, wenn das Telefon auf einer rauen Oberfläche abgelegt wird.

Der interne Speicher des Geräts ist gut zum Speichern von Bildern geeignet, wenn man aber beabsichtigt, die Musikwiedergabefunktion des Telefons zu nutzen, sind die verfügbaren 8,8 MByte schnell zu wenig. Zum Glück befindet sich unter dem Akku ein MMC-Erweiterungssteckplatz. Nokia hat daran gedacht, dem 6320 ein 32 MByte großes MMC-Medium beizulegen, das Platz für etwa acht Musiktitel im MP3-Format bietet.

Die Schnittstellen, in Form von Bluetooth und Infrarot, sind gut implementiert. Es bereitet nicht die geringste Schwierigkeit, das Telefon mit dem Wireless Headset HS810 von Motorola zu koppeln. Auch der Anschluss des 6230 an einen HP iPaq h4310 Pocket PC, um im Netz zu surfen, verlief erfolgreich. Allerdings gibt es Verbindungsschwierigkeiten bei bestimmten iPaq-Modellen, zum Beispiel der h19xx-Serie und der h22xx-Serie. HP ist dieses Problem bekannt und wird einen Patch herausgeben, der diese Unregelmäßigkeit behebt. Insgesamt ist die Bilanz dieses Telefons beim Senden und Empfangen von Dateien beeindruckend. Im Test konnte dieses Nokia-Gerät sogar eine 3,4 MByte große MP3-Datei ohne Probleme per Bluetooth empfangen. Das Handy nimmt sogar Datenformate an, deren Wiedergabe es nicht unterstützt, zum Beispiel DOC-Dateien. Man kann es also auch als Speichergerät im Miniformat verwenden.

Neben Textnachrichten versendet das 6230 auch MMS-Nachrichten von bis zu 100 KByte Größe. Als Eingabehilfen werden sowohl T9 als auch Multi-tap unterstützt. Bei der Nutzerfreundlichkeit der Bedieneroberfläche enttäuscht Nokia nicht. In der Menüführung kann man zwischen den althergebrachten Listen und dem neueren Rastermenü wählen. Die Bedienung des Telefons geht schnell von der Hand und der größere Speicher für Nachrichten macht das Gerät kein bisschen langsamer.

Dank eines WAP-Browsers kann man per GPRS im Web surfen. Wie die meisten datenfähigen Mobiltelefone, so kann man auch dieses als Modem verwenden, um mit anderen Geräten ins Internet zu gehen. Auch die Datenübertragung EDGE und die dazugehörenden verbesserten Funktionen Contacts und Chat sind im Paket enthalten.

Wie die meisten Mobiltelefone der Serie 40, so verfügt auch dieses Telefon über die üblichen PIM-Funktionen (Personal Information Management), wie zum Beispiel einen Wecker, einen Kalender, eine Agenda und Notizen. Das Gerät unterstützt Java, und Nokia bietet hier vier nützliche Applets, darunter eine Umrechnungsfunktion für Maße und Gewichte und eine Weltzeit-Uhr. Eine angenehme Überraschung waren im Test die Geschwindigkeit, mit der Java anlief, und die schnelle Bildwiederholungsrate beim Spielen. Wer möchte, kann weitere Java-Spiele installieren, diese müssen allerdings über die Schnittstelle zum Desktop-Computer aufgespielt werden.

Die Multimedia-Fähigkeiten des 6230 gehören zweifellos zu seinen stärksten Verkaufsargumenten. Die eingebaute Kamera nimmt Bilder mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixel und Video-Clips von bis zu vier Minuten Länge auf. Dank eines Nacht-Modus kann man auch bei schlechten Lichtverhältnissen Bilder machen. Leider sind die Möglichkeiten der Kamera etwas eingeschränkt. Sie hat keinen digitalen Zoom, keine Möglichkeit, das Bild einzustellen, und keinen Spiegel für Selbstporträts.

Die 24-stimmigen polyphonen Klingeltöne stellen gegenüber früheren Nokia-Modellen eine Verbesserung dar, reichen jedoch bei weitem nicht an die Samsung [2]-Geräte heran, die mit 40 Stimmen arbeiten. Die Möglichkeit, nach Herzenslust MP3-Dateien als Klingelton zu verwenden, schafft hier einen Ausgleich. Dank der lauten Tonwiedergabe und des lebhaften Vibrationsalarms ist es nahezu unmöglich, einen Anruf zu verpassen. Im Test zeigten sich einige kleinere Missstände, etwa, dass das Telefon vom eingestellten MP3-Klingelton zu einem anderen wechselt, wenn man es ab- und wieder einschaltet.

Dank des vielseitigen Fünf-Kanal-Equalizers ist der Klang des eingebauten Musikabspielgerätes, das die Formate MP3 und AAC unterstützt, hervorragend. Der Equalizer verfügt auch über Voreinstellungen wie Normal, Pop, Rock, Jazz und Klassik und kann so unterschiedlichen Musikgeschmäckern angepasst werden. In begrenztem Umfang können auch mehrere Funktionen dieses Telefons gleichzeitig benutzt werden, so kann man zum Beispiel Nachrichten versenden, während das Radio läuft oder Musikdateien wiedergegeben werden. Außerdem kann mit dem 6230 die Musik über einen eingebauten Lautsprecher ausgegeben werden. Dabei ist das Handy verblüffenderweise lauter als mancher iPaq von HP. Das eingebaute Diktiergerät kann bis zu drei Minuten lange Audio-Notizen aufzeichnen.

Die International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (ICNIRP) hat für die Spezifische Absorptionsrate (SAR) einen Grenzwert von weniger als 2,0 W/kg festgelegt. Dieses Modell hatte im Test einen SAR-Wert von höchstens 0,59 W/kg.

Es gab beim Test des 6230 keine Probleme mit der Signalstärke oder dem Empfang. Im Gespräch gab es jedoch gelegentlich einen Echo-Effekt. Nokia gibt die Standby-Zeit bei Verwendung des mitgelieferten Akkus mit etwa 12 Tagen und die Gesprächszeit mit 5 Stunden an. Tatsächlich ergab sich im Test eine Lebensdauer von zwei bis drei Tagen bei durchschnittlicher Nutzung. Wer das Telefon als Musikabspielgerät nutzen möchte, sollte sich darauf einstellen, noch häufiger aufzuladen.

Ergebnis

Das 6230 ist derzeit ohne Vertrag zu einem Preis von 449 Euro erhältlich. Nokia wendet sich mit diesem Mobiltelefon ganz klar an all jene, die unterwegs nicht auf Unterhaltung verzichten wollen. Während es im Multimedia-Bereich hervorragend abschneidet, bedürfen das altersschwache 128 x 128-Pixel-Display und die launische Software der Verbesserung.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39125846/multimedia-handy-nokia-6230/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/