Mehr Navigationshilfe als Handheld: Acer n35 GPS

von Sandra Vogel am , 00:00 Uhr

Pro
  • adrette und aufgeräumte Handheld/GPS-Kombination
  • GPS-Empfänger funktioniert gut
  • vernünftiger Preis
Con
  • moderate Prozessorgeschwindigkeit
  • begrenzter Speicherplatz für nutzereigene Anwendungen und Datensicherungen auf Flash-ROM
  • Navigationssoftware belegt den SD-Kartensteckplatz
  • Benutzeroberfläche und Anweisungssystem könnten verbessert werden
  • kein Bluetooth, kein Wi-Fi
Hersteller: Acer Listenpreis: 399 Euro
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,7 von 10 Punkte
Fazit:

Diese preislich ausgewogene Kombination von Handheld und GPS auf Basis von Windows Mobile könnte sich für diejenigen als attraktiv erweisen, die bereit sind, über mittelmäßige Leistungsdaten und ein paar Probleme mit der im Paket enthaltenen Navigationssoftware hinwegzusehen.

Diese preislich ausgewogene Kombination von Handheld und GPS auf Basis von Windows Mobile könnte sich für diejenigen als attraktiv erweisen, die bereit sind, über mittelmäßige Leistungsdaten hinwegzusehen.

Früher hat Acer [1] sowohl Palm OS- als auch Windows Mobile-kompatible Handhelds angeboten, jetzt aber scheint Acer sich dauerhaft auf die Seite von Windows Mobile geschlagen zu haben. Das Unternehmen kündigte kürzlich zwei Neuzugänge an: den n50 und den n35, der über einen eingebauten GPS-Empfänger verfügt und mit Version 3 der Navigationssoftware Destinator ausgeliefert wird.

Design

Die Abmessungen des n35 – 7,2 mal 12,0 mal 2,0 Zentimeter – sind für einen Handheld eher groß, mit seinen 165 Gramm ist er dafür aber recht leicht. Die GPS-Antenne ist mit einem Scharnier oben am Gehäuse befestigt und kann bei Bedarf ausgeklappt werden. Wenn sie eingeklappt ist, schließt die Antenne direkt mit der Rückwand des Geräts ab – wenn man möchte, kann man den n35 also richtig flach auf den Schreibtisch legen.

Das Gerät ist in Schwarz und Silber gehalten, die Zugriffstasten und die Navigationstaste befinden sich dabei in ihren üblichen Positionen unter dem Bildschirm. Die Navigationstaste ist ein recheckiges und leicht erhöhtes Joypad, das sich nach anfänglichem Misstrauen als leicht zu bedienen erwies.

An der linken Seite des n35 befindet sich ein Auswahlrad, ein hervorragendes Werkzeug zum Navigieren innerhalb von Anwendungen. Der in einem Fach an der oberen Hälfte der rechten Kante untergebrachte Griffel ist lang aber etwas zu leicht. Die Kopfhörerbuchse befindet sich an der oberen Kante, wo auch ein Mikrofon untergebracht ist, während die Unterkante Möglichkeiten für weiches (die aktuelle Anwendung wird abgebrochen, gespeicherte Einträge bleiben erhalten) und hartes (alle Einträge gehen verloren) Zurücksetzen der Hardware angeboten werden. Diese sind nicht eigens gekennzeichnet, jedoch handelt es sich um eine Taste für das weiche und um einen Schalter für das harte Zurücksetzen, so dass die Funktionen gut unterschieden werden können. Beide Tasten beziehungsweise Schalter sind gut gegen versehentliche Betätigung geschützt.

Acer besteht darauf, dass der n35 in erster Linie ein Navigationswerkzeug und erst in zweiter Linie ein Handheld ist. Im Allgemeinen beschreiben Anbieter ihre diesbezüglichen Kombinationsgeräte – egal, ob die Antennen nun eingebaut sind oder nicht – als vollwertige Handhelds, die als besonderes Extra auch noch Navigationsfähigkeiten mitbringen.

Der Akzent, den Acer hier setzen will, ist vollkommen verständlich angesichts der technischen Daten dieses Handhelds, die sich klar im mittleren Bereich bewegen. Der mit 266 MHz getaktete Samsung [2]-Prozessor bereitet im normalen Handheld-Betrieb keinerlei Probleme, es erwuchs im Test jedoch der Verdacht, dass er für ein Problem im Zusammenhang mit Destinator verantwortlich sein könnte. Die größten Schwierigkeiten bereitet die Speicherzuweisung. Obwohl in der technischen Beschreibung auf der Acer-Website behauptet wird, dass für nutzereigene Anwendungen und das Speichern von Daten 64 MByte SDRAM zur Verfügung stehen, belief sich vor der Installation von Destinator der gesamte freie Speicherplatz für „Daten“ und „Anwendungen“ auf 46,19 MByte. Nach der Installation von Destinator verblieben noch 42,87 MByte und weitere 1,84 MByte freier Flash-Speicher.

Für die, die dieses Gerät ausschließlich zur Navigation verwenden wollen, mögen 43 MByte verfügbarer Speicher ausreichen, für diejenigen jedoch, die zusätzliche Software aufspielen möchten, könnte es durchaus knapp werden. Die 1,8 MByte Flash-Speicher ergeben sich daraus, dass für das Betriebssystem ein 32 MByte ROM verwendet wird, was wenig Raum für Nutzerzugriff lässt. Wenn man Sicherungskopien seiner Daten auf nicht-flüchtigen Speichermedien anlegen möchte, ist dies nicht ausreichend.

Glücklicherweise wird die Navigationssoftware Destinator auf einer 256 MByte großen SD-Karte geliefert, und nach der Installation der Software verbleiben auf der Karte noch 52,28 MByte freier Speicher, die auch für andere Zwecke zur Verfügung stehen. Einige Anwendungen können auf Flash-Speicherkarten installiert und auch so betrieben werden, andere jedoch müssen sich dazu im internen Speicher befinden.

Es befindet sich ein einzelner SDIO-kompatibler Steckplatz für SD-Karten an der oberen Kante des n35. Dieser wird von der Destinator-Software beansprucht, was bedeutet, dass man nicht gleichzeitig Destinator verwenden und zusätzliche Karten nutzen kann.

Der n35 verfügt weder über Bluetooth noch über Wi-Fi und ist damit seit langem das erste Gerät im Test, dem beide drahtlosen Kommunikationsmöglichkeiten fehlen. Um dem Gerät eine dieser Funktionen hinzuzufügen, braucht man den SD-Kartensteckplatz – das schließt jedoch, wie oben erwähnt, die Verwendung von Destinator aus.

Beim Betriebssystem handelt es sich um die erste Ausgabe von Windows Mobile for Pocket PC 2003, die nicht die Möglichkeit zur Drehung der Anzeige bietet, wie bei der Second Edition. Das mitgelieferte Angebot an zusätzlicher Software fällt eher dünn aus. Es gibt ein Backup-Werkzeug, das so konfiguriert werden kann, dass es automatisch Sicherungskopien erstellt, wenn der Ladestand des Akkus 30 Prozent unterschreitet. Sonst befindet sich auf der Installations-CD noch der Acrobat Reader für Pocket PC.

Neben dem n35 und der 256-MByte-SD-Karte mit der Destinator-Software befinden sich in der Verpackung noch ein Netzkabel, ein Synchronisationskabel, ein Kabel zum Aufladen am Zigarettenanzünder des Autos, eine KFZ-Halterung und ein Etui für den Handheld. Auch eine kleine Auswahl an Desktop-Software für Destinator ist dabei, mit der zusätzliche Karten geladen und Kartenausschnitte erstellt werden können.

Die Destinator-Software hat ihre Vor- und Nachteile. Die Installationsroutine läuft automatisch ab, wenn man die SD-Karte in den Steckplatz einsetzt, was die Installation auch für technisch nicht so versierte Nutzer einfach macht.

Leider startete die Installationsroutine im Test jedes Mal aufs Neue, wenn die Destinator Karte nach Verwendung einer anderen SD-Karte wieder in den Steckplatz eingesetzt wurde. Ein Abbruch des Vorgangs ist kein Problem, allerdings erhält man dann die Nachricht, dass das Programm nicht erfolgreich installiert werden konnte – und wird aufgefordert, das Setup-Programm noch einmal zu starten. Tatsächlich gab es mit der installierten Software keinerlei Probleme, es handelt sich hier offensichtlich um eine Standardreaktion auf die Verwendung der Taste „Abbrechen“ während der Installation.

Destinator hat ein paar hervorragende Funktionen. Klar auf der Plusseite ist zu verbuchen, wie einfach sich Reiseziele eingeben lassen. Es ist sehr praktisch, dass man Reiseziele unter Verwendung verschiedener Variablen in unterschiedlicher Reihenfolge eingeben kann (etwa erst die Postleitzahl, dann die Straße oder erst die Stadt, dann die Straße, dann die Hausnummer). Es ist zum Beispiel ganz einfach, eine bestimmte Adresse zu finden – hier gehört die Software zu den besten, die hier bisher im Test waren.

Der GPS-Empfänger lokalisierte die aktuelle Position sehr schnell, und das sogar schon bei der ersten Verwendung – einige andere Geräte benötigen eine Aufwärmphase von mehreren Minuten. Die Sorge, dass der Empfänger seine Verbindung verlieren könnte, wenn sich der n35 im Auto nicht in der Nähe der Windschutzscheibe befindet, erweist sich als unbegründet, die GPS-Verbindung bleibt auch auf den Rücksitzen stabil.

Als besonders hilfreich bei der Visualisierung der Fahrtroute erweist sich eine Kartenansicht namens „Bird’s Eye“, die irgendwo zwischen zwei- und dreidimensionaler Darstellung angesiedelt ist. Manchmal baute sich der Bildschirm im Test nur langsam neu auf, das hat aber mehr mit dem von Acer ausgesuchten Prozessor als mit der Destinator-Software zu tun.

Bei einem Abweichen von der vorgesehenen Route hat man die Wahl, sich von Destinator benachrichtigen oder die Route einfach neu berechnen zu lassen. Die zweite Möglichkeit führt mitunter zur Anweisung, sofort umzudrehen, was unter Umständen überraschend kommen kann. Man kann sich auch darauf aufmerksam machen lassen, dass man die Geschwindigkeitsbegrenzung überschreitet, dass das GPS-Signal schwach wird oder dass man doch ein wenig vorsichtiger fahren sollte.

Die Darstellungen, mit denen die nächsten Abzweigungen angezeigt werden, sind groß und übersichtlich, bleiben allerdings nicht lange auf dem Bildschirm. Es gibt nur eine Zeile auf der Bildschirmoberfläche, auf der aufeinander folgend wichtige Informationen angezeigt werden: die geschätzte Ankunftszeit einschließlich der verbleibenden Reisezeit, der Längen- und Breitengrad, die Geschwindigkeit, die Höhe über Normalnull sowie die Entfernung von Zielort. Diese Daten werden rotierend angezeigt, was den Bildschirm übersichtlich hält, aber vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack ist.

Der Acer n35 gibt laute Anweisungen, die gut zu verstehen sind. Es gibt bezüglich der Fahrtanweisungen allerdings auch ein paar Kritikpunkte. Das Programm gibt zum Beispiel nur dann Anweisungen, wenn es annimmt, dass der Fahrer sich an einer wichtigen Abzweigung befindet. Das heißt, dass das Programm nach rechts oder links abgehende Straßen oder Gabelungen mitunter ignoriert. Dadurch muss man öfter auf den Bildschirm schauen, als dies während der Fahrt wünschenswert wäre – hier ist eine Verbesserung angebracht.

Auch die Anweisungen im Kreisverkehr waren nicht so eindeutig wie die anderer Navigationsprogramme. Es ist irritierend, nach dem Verlassen eines Kreisverkehrs auf einem langen und geraden Straßenabschnitt Instruktionen für einen weiteren Kreisverkehr zu erhalten – gefolgt von der Information, dass dieser noch einige Kilometer entfernt sei. Dies ist ein einfach zu beseitigender Fehler: Besser wäre es, zunächst die Entfernung zum nächsten Abzweig anzugeben und erst dort die entsprechenden Anweisungen folgen zu lassen.

Der hier normalerweise bei Handhelds angewandte Test für die Akkulebensdauer besteht darin, kontinuierlich MP3-Dateien abzuspielen und den Bildschirm dabei aktiviert zu lassen. Unter diesen Bedingungen lieferte der Akku 4 Stunden und 55 Minuten Betriebsdauer und 4 Stunden und 33 Minuten Musik. Der Akku kann nicht ausgewechselt werden, aber da ein Autoadapter zum Lieferumfang des n35 gehört, sollte es auch auf längeren Reisen keine Probleme geben.

Als Kombination von Handheld und Navigationsgerät ist der n35 GPS von Acer akzeptabel, jedoch nicht überragend. Der technisch mittelmäßig ausgestattete Acer n35 stellt niemanden zufrieden, der an seinen Handheld gehobene Ansprüche jenseits der Navigation stellt. Die Destinator-Software ist teilweise gut, aber die Eigenheiten der gesprochenen Anweisungen sind doch ziemlich irritierend.

Innerhalb seiner Marktnische ist der Acer n35 akzeptabel und mit 399 Euro ist er zu einem guten Preis zu haben. Wer aber nach einer Navigationslösung auf Basis eines Handhelds sucht, ist mit dem n35 nicht optimal beraten.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39132369/mehr-navigationshilfe-als-handheld-acer-n35-gps/

URLs in this post:

[1] Acer: http://www.cnet.de/unternehmen/acer/

[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/