Starke Kamera mit sechs Millionen Pixeln: Nikon D50

von David D. Busch am , 09:56 Uhr

Pro
  • gute Performance
  • hervorragende Bildqualität
  • geringes Bildrauschen
  • einfache Modi für Anfänger
  • robuster Serienbildmodus
Con
  • umständlich zu bedienende Bedienelemente
  • kleiner Sucher
  • keine Tiefenschärfe-Vorschau
  • nur ein Satz individuell einstellbarer Parameter
  • Zusatzkosten für Software (für RAW-Dateien und Bildkontrolle)
Hersteller: Nikon Listenpreis: 749 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,6 von 10 Punkte
Fazit:

Die Nikon D50 ist eine attraktive Spiegelreflexkamera für private Anwender, die Wert auf eine einfache Bedienung und ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis legen.

Die hervorragende Bildqualität, eine gute Performance und die vereinfachten Bedienelemente machen diese 6-Megapixel-Spiegelreflexkamera zu einer guten Wahl für Hobbyfotografen oder Privatanwender.

Wenn man das D50-Gehäuse aus Kunststoffguss in der Hand hält, ist vom günstigen Preis nichts zu spüren. Das Gehäuse ist zwar solide und ausbalanciert genug, um es in einer Hand zu halten. Aber man wird die Kamera wahrscheinlich eher wie eine traditionelle Spiegelreflexkamera halten, wobei man die linke Seite der Kamera mit zwei Fingern um den Zoomeinstellring stützt, während die rechte Hand den Griff hält. Während der rechte Zeigefinger über dem Auslöser schwebt, kann man mit dem Daumen bequem das Einstellrad bedienen.

Oben auf der Kamera befinden sich das Status-LCD, der Auslöser, der Ein-/Ausschalter sowie die Tasten für Belichtungsausgleich und Selbstauslöser. Die Anordnung der Bedienelemente kann anfangs etwas verwirrend sein, wenn man bereits andere Nikon-Spiegelreflexkameras benutzt hat. Die Belichtungsfunktionen des einzigen Einstellrades ändern sich je nach verwendetem Modus, daher bedarf es schon einiger Übung, wenn man Einstellungen ändern will, ohne das Auge vom Sucher zu nehmen.

Bei der Belichtungspriorität und im manuellen Modus stellt man mit dem Rad die Verschlusszeit ein. Um im manuellen Modus die Blende einzustellen, muss man eine EV/Blende-Taste neben dem Auslöser gedrückt halten, während man an dem Rad dreht. Wenn man mit der Blendenpriorität arbeitet, stellt man mit demselben Rad den F-Stop ein. Im vorprogrammierten automatischen Belichtungsmodus wählt man mit dem Rad alternative Kombinationen aus Verschlusszeit und Blende, welche dieselbe Belichtung bewirken. In den vorprogrammierten Modi für Belichtungs- und Blendenpriorität verwandelt die EV-Taste das Einstellrad in ein Bedienelement zur Einstellung des Belichtungsausgleichs.

Sehr gewöhnungsbedürftig ist die Aufteilung der Bedienelemente zum Umschalten zwischen Einzel- und Serienaufnahme, Selbstauslöser und Infrarotfernbedienung auf zwei separate Tasten. Die Optionen Einzel- und Serienaufnahme können über das Einstellrad erreicht werden, wenn man eine Taste direkt neben dem Sucherfenster drückt, während Selbstauslöser und Fernbedienungsfunktionen über eine Taste am Handgriff eingestellt werden.

Das Einstellen der Messmodi oder der Belichtungsreihenoptionen ist kein Problem, verzichten muss man aber auf Tiefenschärfe-Taste und Hintergrundbeleuchtung für das LCD-Display an der Oberseite. Da sollte man bei Nachtaufnahmen mit der D50 immer eine kleine Taschenlampe dabeihaben.

An der Oberseite gibt es einen ausklappbaren Blitz mit einem zusätzlichen Anschlussschuh für ein externes Blitzgerät, der durch eine aufsteckbare Abdeckung geschützt ist. Außerdem gibt es ein Einstellrad für die Modi mit den traditionellen Optionen M/A/S/P sowie sieben Motivmodi.

Um das Farb-LCD-Display an der Rückseite herum (130.000 Pixel, 51 Millimeter/2 Zoll) befinden sich zusätzliche spezielle Tasten für häufige Funktionen wie Wiedergabe, Zugriff auf Menüs, ISO-Einstellung, Weißabgleich und Qualitätseinstellungen (Auflösung). Die meisten dieser Tasten haben im Wiedergabemodus abweichende Funktionen, sodass man zwischen Vollbild und vier oder neun Thumbnails wechseln, einen bestimmten Bildausschnitt vergrößern oder ein Bild vor versehentlichem Löschen bewahren kann. Mit der linken und rechten Pfeiltaste auf dem Cursorpad kann man durch einzelne Bilder scrollen. Die Pfeiltasten nach oben und unten ändern die Art der angezeigten Aufnahmeinformationen.

Auf der Rückseite befinden sich eine Löschtaste sowie eine Arretiertaste für automatische Blende und Belichtung, rechts neben einem Schieber zum Dioptrienausgleich, der effektiv gegen versehentliches Verstellen durch die größere und besser befestigte DK-20-Augenmuschel geschützt ist.

Wer bislang eine vollautomatische Schnappschusskamera benutzt hat, wird es begrüßen, dass auch die Nikon D50 einem die schwierigsten Entscheidungen abnehmen kann. Im Automatikmodus oder einem der Motivmodi (Digital Vari-Program) sperrt die Kamera die meisten Optionen und wählt optimale Belichtungszeit, Schärfe, Farbanpassung sowie Fokus für das gewünschte Motiv. Aber auch der Weg zu fortgeschritteneren Modi ist leicht. Wenn man sich beispielsweise nicht sicher ist, ob man AF-S (einfacher Autofokus) für statische Motive oder AF-C (kontinuierlicher Autofokus) für bewegte Motive nehmen soll, hilft einem die D50 mit dem neuen AF-A-Modus, der zwischen beiden Modi je nach Bedarf umschaltet. Die Kamera wählt standardmäßig einen von fünf Fokusbereichen, die im Sucher markiert sind und stellt auf das nächstgelegene Objekt scharf. Man kann aber auch das Messfeld manuell auswählen.

Obwohl das 3D-Color-Matrix-Metering-II-System der D50 mit 420 Segmenten gröber ist als das Belichtungssystem der D70 mit seinen 1005 Messpunkten, sorgt es für eine präzise Belichtung bei Verschlusszeiten von 1/4000 bis zu 30 Sekunden. Es gibt auch eine „Glühlampen“-Einstellung für noch längere manuelle Belichtung. Zu den 20 vom Benutzer auswählbaren individuellen Funktionen gehören auch Optionen für mittengewichtete und Spotmessung. Man kann allerdings den 8-Millimeter-Durchmesser des mittengewichteten Bereichs nicht ändern wie bei anderen digitalen Spiegelreflexkameras von Nikon.

Diese Vereinfachung setzt sich auch bei anderen Einstellungen fort. So kann der ISO-Wert nur in ganzen Stufen eingestellt werden (ISO 200, 400, 800 oder 1600) statt in 1/3-Schritten. Auch der Weißabgleich lässt Möglichkeiten zur Feineinstellung vermissen und muss auf eine der sechs Standardbeleuchtungsarten, entsprechend einer Benutzermessung oder einem vorgegebenen Foto auf der Speicherkarte eingestellt werden.

Die D50 teilt die Leistungsfähigkeit des elektronischen Blitzes ihrer größeren Schwester, der D70s. Dazu zählt eine Synchronisierungsgeschwindigkeit von 1/500 Sekunde zum Ausgleich von Umgebungslicht, bereitgestellt von einem kombinierten mechanischen und CCD-Verschluss, eine ISO 200-Leitzahl von 15 (manuell justierbar bis auf 1/16 der Leistung), vollständige iTTL-Blitzbelichtung, die mit externen Blitzgeräten zusammenarbeitet sowie Blitzbelichtungskompensation von -3 EV bis +1 EV in 1/3 EV oder 1/2 EV-Schritten. Leider hat die Kamera keinen Commander-Modus zum drahtlosen Auslösen externer Blitzgeräte, aber zu den Synchronisationsmodi gehören langsame Synchronisation (mit und ohne Rote-Augen-Kontrolle), Synchronisation auf den 1. und 2. Verschlussvorhang und konventionelle Rote-Augen-Reduktion.

Die D50 bietet keine kabelgebundene Fernbedienung, sondern verwendet stattdessen den ML-L3-Infrarotauslöser, der vorne am Handgriff sitzt. Nikons Capture-Software ist gegen Aufpreis erhältlich und bietet nützliche Funktionen wie Zeitrafferaufnahmen (bei Anschluss an den PC), das Entzerren von Aufnahmen mit Fischauge oder fortschrittliche Bearbeitungsmöglichkeiten – inklusive Batchmodi – für Raw-Dateien. Fortgeschrittene Fotografen sollten die Software auf jeden Fall in Betracht ziehen, da sie dem mitgelieferten Programm Picture Project haushoch überlegen ist.

Die Nikon D50 liefert die Performance, wie man sie von einer digitalen Spiegelreflexkamera erwartet: Sie ist in nur 0,6 Sekunden betriebsbereit, Einzelaufnahmen kann man mit einer Geschwindigkeit von einem Bild pro Sekunde machen und auch bei Blitzaufnahmen verlangsamt sich dies nur auf 1,2 Sekunden Wartezeit zwischen zwei Bildern. Im Serienbildmodus schafft die Kamera vier JPEG Fine-Bilder in höchster Auflösung in 1,4 Sekunden – und damit besser als die angegebenen 2,5 Bilder pro Sekunde. Bei niedrigster Auflösung (1504 mal 1000 Pixel) und maximaler JPEG-Kompression nimmt die Kamera ununterbrochen Bilder auf, ehe der Zeigefinger auf dem Auslöser nach zwei Minuten und 200 Bildern erlahmt. Ein Zähler im Sucher zeigt an, wie viele Aufnahmen noch in den Pufferspeicher passen, wobei sich die Anzeige aktualisiert, wenn Fotos auf die SD/MMC-Karte geschrieben werden.

Die Verschlussverzögerung ist mit 0,35 Sekunden bei Beleuchtungsverhältnissen mit hohen Kontrasten minimal. Bei schlechteren Beleuchtungsverhältnissen mit wenig Kontrasten wird das weiße Autofokus-Hilfslämpchen aktiviert, sodass die Verzögerung bei vertretbaren 0,9 Sekunden bleibt.

Die Ansicht durch den Reflexsucher mit fünf Spiegeln ist nicht so groß und hell wie bei anderen Kameras, deckt aber 95 Prozent des Bildausschnitts ab. Wie auch andere Consumer-Digital-Spiegelreflexkameras von Nikon verwendet die D50 einen Sucher, der hinter der Konkurrenz hinterherhinkt, indem er nur eine Vergrößerung von 0,75x beim 50-Millimeter-Objektiv bietet (üblich sind 0,8x oder mehr). Der Sucher hat auch einen relativ kurzen Augenabstand von 18 Millimetern, das ist die maximale Entfernung vom Sucher, bei der man noch ein klares Bild sieht. Falls man eine Brille trägt, sollte man diesen Punkt beachten.

Obwohl die Hauptkonkurrenten der Nikon D50 die 6-Megapixel-Digital-Spiegelreflexkameras von Konica Minolta und Pentax sind, kann sie es in Sachen Bildqualität schon mit 8-Megapixel-Rivalen wie der Olympus Evolt E-300 oder der Canon EOS 350D aufnehmen. Bei einigen Aspekten ist die Bildqualität der D50 dank reduzierten optischen Rauschens, verbesserten Details in hellen Bereichen und lebhafter Farben sogar besser als bei der D70s.

Die insgesamt gute Qualität des mitgelieferten, preiswerten 18-55-Millimeter-Objektivs überrascht. Trotz des niedrigen Gewichts und der äußeren Komponenten aus Kunststoff (einschließlich einer Objektivhalterung aus Polymer) enthält das Objektiv ED-Optik (niedrige Dispersion) sowie einen gleichmäßig arbeitenden Silent Wave Motor für die Fokussierung. Die Bilder sind scharf und weisen nur mäßige chromatische Aberration auf (hauptsächlich einige cyanfarbene Säume an den Kanten von Objekten im Gegenlicht) sowie etwas Verzerrung an den Kanten.

Die Testbilder weisen einen guten Belichtungs- und Dynamikbereich auf. Im Vergleich zur D70s tendiert die Nikon D50 dazu, leuchtendere Bilder mit verbesserten hellen Bereichen zu liefern, obwohl es auch hier noch zu gelegentlichen Überbelichtungen kommen kann. Die Farben werden präzise und neutral wiedergegeben, aber bei den warmen Tönen hätte man sich doch einige der Einstellmöglichkeiten zur Farbtemperatur gewünscht, wie sie andere Digital-Spiegelreflexkameras von Nikon mitbringen. Blitzaufnahmen sehen besonders gut aus und sind gleichmäßig ausgeleuchtet, da der Blitzbereich der D50 erweitert wurde und nun das Sichtfeld eines 18-Millimeter-Objektivs abdeckt. Die Rote-Augen-Reduktion funktioniert hervorragend und Hauttöne weisen keine magentafarbenen Bereiche auf, wie es manchmal bei Blitzaufnahmen vorkommt.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39138165/starke-kamera-mit-sechs-millionen-pixeln-nikon-d50/