Viel Speicher, aber kein Scart-Eingang: JVC DR-MH50

von Guy Cocker am , 22:01 Uhr

Pro
  • Größe der Festplatte
  • Component-Ausgänge
  • Infrarotsender
  • guter Funktionsumfang
Con
  • Fehlen eines RGB-Scarteingangs verschlechtert die Aufnahmequalität massiv
  • keine DivX-Wiedergabe
Hersteller: JVC Listenpreis: 799 Euro
ZDNet TESTURTEIL: BEFRIEDIGEND 5,7 von 10 Punkte
Fazit:

Der JVC sieht gut aus und bietet mit seiner 250-GByte-Festplatte ausreichend Speicherplatz. Leider bedeutet das Fehlen eines RGB-Scarteingangs, dass die Aufnahmen bei allen Qualitätseinstellungen nicht besonders gut sind. Da immer mehr Anwender Abschied vom Analogfernsehen nehmen und sich den besseren - digitalen - Alternativen zuwenden, kann man zum Kauf dieses Geräts leider nicht raten.

Der Kombirekorder von JVC hebt sich vor allem durch eines von der Konkurrenz ab: die riesige 250-GByte-Festplatte. Leider geht das Fehlen eines RGB-Scarteingangs stark zu Lasten der Aufnahmequalität, was angesichts des Preises nicht tolerierbar ist.

Am JVC DR-MH50 DVD/HDD-Rekorder scheint auf den ersten Blick nichts auszusetzen zu sein: Er sieht gut aus, verfügt über eine riesige Festplatte mit 250 GByte und einen Progressive-Scan-Video-Ausgang. Aber leider gibt es ein großes Problem: Er hat keinen RGB-Scarteingang, was bedeutet, dass Aufnahmen nie so gut werden, wie sie eigentlich sein könnten.

Diese Situation kommt einem von Sonys Network Walkman-Reihe bekannt vor. Bis vor kurzem weigerte sich der Hersteller standhaft, das MP3-Format zu unterstützen. Da ist es egal, wie gut Klangqualität, Akkulaufzeit oder Design sind – dieses eine Manko macht das Gerät quasi unbrauchbar.

Genauso beim DR-MH50. Die größte Festplatte nutzt wenig, wenn man dafür auf einen RGB-Videoeingang verzichten muss, was angesichts des Preises eine Schande ist. Anfang des Jahres gab es zwar noch einige Billiggeräte ohne RGB-Scarteingang, aber inzwischen findet man einen solchen selbst bei Billigherstellern wie Liteon standardmäßig. Keinen Scartanschluss mitzuliefern, ist schlicht ein Ärgernis.

Besonders tragisch ist dies, weil das Gerät ansonsten einiges zu bieten hat: Der Speicherplatz geht quasi nie aus, das Gerät ist einfach zu bedienen und macht sich optisch auch gut unter dem Fernseher. Das Nachfolgemodell wird auf dieser soliden Grundlage aufbauen können, aber derzeit kann man dieses Gerät nur als Kuriosität betrachten.

Das schlichte, coole Design dieses Players überzeugt, sodass man ihn im Wohnzimmer auch nicht zu verstecken braucht. Das Gehäuse ist silber- und graphitfarben, wobei ein paar blaue Lämpchen die Vorderseite verzieren. Das Gerät wirkt attraktiv, ohne zu aufdringlich zu sein, selbst wenn die Vorderseite mit den vielen Aufklebern und Logos etwas zugepflastert wirkt. Es ist nicht zu sperrig oder schwer und bleibt im Betrieb unheimlich leise, selbst wenn man auf die Festplatte oder eine DVD zugreift.

Die Anschlussmöglichkeiten sind angemessen, mehr aber auch nicht. Zuerst die gute Nachricht: Die Component-Ausgänge sind vollständig zu PAL Progressive-Scan kompatibel, worüber sich Besitzer eines Flachbildschirms freuen werden. Der Rest ist Standard: Antennenein- und ausgang plus S-Video- bewiehungsweise RGB-Scartausgänge zum Anschluss an den Fernseher. Wenn man sich für den Component- oder S-Video-Ausgang entscheidet, kann man den zweiten Scartanschluss ebenfalls als Eingang nutzen, wobei sich der Sinn dieser Maßnahme nicht gleich erschließt. Vielleicht kann man seine Xbox anschließen und einen besonders tollen Sprung mit einem Warthog in Halo 2 aufnehmen, aber zumindest ist diese Option gegeben. Was Audio betrifft, kann man entweder per Koaxial- oder optischem Kabel ein digitales Signal an einen Receiver schicken, und der Player unterstützt Dolby Digital sowie DTS.

Doch nun zu den schlechten Nachrichten. Die AV-Eingänge an der Vorderseite (einschließlich Firewire) sind zwar ideal zum Anschluss eines Camcorders, ohne dass man an der Rückseite herumfummeln muss. Aber der Haupt-AV-Eingang ist nicht RGB-Video-kompatibel. Das bedeutet, dass man bei Aufnahmen von Sky oder Freeview auf eine brillante RGB-Wiedergabe verzichten muss, was bei einem Rekorder für 799 Euro Preisempfehlung eigentlich nicht der Fall sein sollte – mehr dazu weiter unten.

Da dies ein Spitzenrekorder ist, gehört auch ein Infrarotsender zum Lieferumfang, was es dem DR-MH50 ermöglicht, direkt den Satellitenempfänger zu steuern. Das funktioniert so, dass man das eine Ende des Senders hinten am Rekorder anschließt, während das andere Ende auf den Infrarotempfänger des Satellitenempfängers zeigt. So kann der JVC, wenn man in den Urlaub fährt oder Aufnahmen von mehreren Kanälen vorprogrammiert, die Kanäle wechseln, indem er dem Satellitenempfänger ein entsprechendes Signal sendet. Man muss nur über einen einfachen Code angeben, um welche Marke es sich handelt.

Wenn man mit der suboptimalen Aufnahmequalität leben kann, wird man mit der Größe der Festplatte mehr als zufrieden sein. Panasonic bietet zwar sogar ein Modell mit 400 GByte an, aber auch 250 GByte an Speicher sind nicht zu knapp bemessen. Immerhin entspricht dies über 473 Stunden Aufnahmen in niedriger Qualität oder über 100 Stunden in hoher Qualität. Und dank der Unterstützung für unterschiedliche DVD-Formate (DVD-R/RW/RAM) bieten sich eine Vielzahl von Archivierungsmöglichkeiten.

Da man erst einmal alles auf der Festplatte aufzeichnen kann, dürfte man für Timeshift oder Archivierungszwecke kaum RW- oder RAM-Medien verwenden: Die meisten Anwender werden das Material auswählen, das sie behalten wollen, es mithilfe einer Playlist bearbeiten, um Werbepausen zu entfernen, und dann auf DVD-R brennen. Merkwürdigerweise müssen RAM-DVDs aus ihrem Cartridge genommen und in die Laufwerksschublade gelegt werden, was dem eigentlichen Zweck dieses Formats – nämlich seiner Robustheit – zuwiderläuft.

Wie die meisten DVD-Rekorder bietet auch der DR-MH50 Modi, bei denen entweder ein oder zwei Stunden Videomaterial in hoher Qualität auf eine 4,7-GByte-DVD passen, plus Modi für bis zu acht Stunden, wenn es mehr auf Quantität als auf Qualität ankommt. JVC hat außerdem eine coole Funktion namens ‚Free Rate‘-Modus implementiert, die eine Aufnahme automatisch an den zur Verfügung stehenden Platz anpasst, wobei die maximal mögliche Qualitätsstufe gewählt wird. Wenn man zum Beispiel eine kurze Episode einer Fernsehsendung von der Festplatte auf DVD sichern will, kann man dem Gerät ruhig die gesamte Prozedur überlassen. Die Ergebnisse sind zwar recht gut, aber die Größe der Festplatte sollte mehr als ausreichen, dass man seine Lieblingsserien auch dort verwahren kann um leichter auf sie zugreifen zu können.

Das Online-Hilfesystem des JVC für den Benutzer in Form von FAQs überzeugt. Falls man Schwierigkeiten mit irgendwelchen Anschlüssen hat, bietet es nützliche Diagramme, die erläutern, wie die Lösung aussehen könnte. Dies ist eine viel bessere Alternative, als wenn man jedes Mal die Bedienungsanleitung hervorkramen müsste. Hier könnten sich die anderen Hersteller gern eine Scheibe abschneiden.

Ebenfalls zur Benutzerfreundlichkeit trägt bei, dass das System mit Video Plus kompatibel ist, sodass man bis zu 16 unterschiedliche Aufzeichnungen im Voraus programmieren kann. Wie man es von einem Festplattenrekorder erwartet, speichert er das aktuelle Programm immer auf der Festplatte zwischen, aber da die Kapazität so großzügig bemessen ist, kann man insgesamt bis zu drei Stunden an Material zwischenspeichern. Der Rekorder bietet dann die Möglichkeit zur Retro-Actively-Aufzeichnung, indem man einfach Anfangs- und Endpunkt aus dem archivierten Material auswählt. Wenn man also an das Ende eines Films gelangt, der ruhig so lang sein darf wie Der Pate, und sich dann entschließt, ihn sich noch einmal anzugucken (falls man zwischendurch womöglich eingeschlafen ist), kann man hinterher einfach alles auf der Festplatte speichern. Derart leistungsfähige Benutzeroptionen wären noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen.

Wie bereits erwähnt ist der AV-Eingang nicht RGB-Scart-kompatibel, was bedeutet, dass Besitzer eines digitalen Dekoders leider auf ein Standard-Scartkabel oder den S-Video-Eingang an der Vorderseite zurückgreifen müssen. Eigentlich sollte man meinen, die Zeiten, da man mit Nicht-RGB-Aufnahmen vorlieb nehmen musste, seien längst vorbei, da inzwischen selbst die Billiganbieter diese Funktion in ihre Geräten für unter 300 Euro integriert haben, aber das war wohl zu früh gefreut. Auf diesem Punkt wird hier deshalb so herumgeritten, weil Leute mit Digitalfernsehern wahrlich besseres verdient haben, als sich wie früher mit unscharfen Bildern und verwaschenen Farben zufrieden geben zu müssen.

An die schiere Kapazität der Festplatte des DR-MH50 reicht so schnell nichts heran, aber der Toshiba RD-XS34 bietet doch ein deutlich besseres Preis-Leistungsverhältnis, ausreichend Speicherplatz, exzellente Bedienbarkeit sowie einen größeren Funktionsumfang. Toshibas Modell bietet außerdem eine wesentlich bessere Auswahl an Qualitätsstufen für die Aufnahme.

Der DR-MH50 spielt auch MP3-, WMA- und JPEG-Dateien ab, ist aber nicht DivX-kompatibel.

JVC hat schon einige hervorragende DVD-Player auf den Markt gebracht, und der DR-MH50 macht da keine Ausnahme. Die Wiedergabe über den RGB-Scart- oder Component-Ausgang ist wunderbar detailliert und bei Letzterem auch schön gleichmäßig. Die Tests wurden mit einem Hitachi-Plasmabildschirm durchgeführt, und der JVC lieferte ein vollständig ruckelfreies Bild. Die Component-Eingänge können zwischen Progressive-Scan und Interlaced-Video umgeschaltet werden, aber nur Flachbildschirme älterer Bauart werden das letztere Format benötigen.

Falls es noch immer nicht klar geworden sein sollte: Man von den Aufzeichnungen nicht zu viel erwarten. Sie sind nicht besonders detailreich und die Farben neigen dazu, ineinander zu verlaufen, aber wer an analoges Fernsehen gewohnt ist und einen der Modi mit höherer Qualität verwendet, wird an den Aufnahmen nichts auszusetzen finden.

Der Ton wird in Standard-Stereo wiedergegeben, und es gibt keine Möglichkeit, die Qualität manuell niedriger einzustellen. Falls man den SP-Aufnahmemodus auf der Festplatte wählt, erzielt man das ausgewogenste Ergebnis zwischen Videoqualität und Speicherkapazität. Dann kann man die Qualität manuell oder mit dem Free Rate-Modus automatisch absenken, wenn man Material auf DVD überspielt.

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