Die Innereien der Xbox 360 entsprechen insgesamt einem leistungsfähigen PC. Der speziell angepasste PowerPC-Prozessor von IBM hat drei Prozessorkerne mit je 3,2 GHz Takt, von denen jeder wiederum zwei Threads gleichzeitig abwickeln kann. Der Grafikprozessor von ATI schafft nach Angabe von Microsoft 500 Millionen Triangles (grafische Dreiecke, aus denen die Oberfächenstruktur besteht) pro Sekunde. Weiter könnte man 16 Gigasamples pro Sekunde bei Vierfach-Antialiasing und 48 Milliarden Shader-Berechnungen pro Sekunde aufzählen – von 48 parallelen Shader-Pipelines und 9 Millarden Pixel-Operationen pro Sekunde ganz zu schweigen. Überprüfen oder testen lässt sich das im Detail freilich nicht.

Fest steht, dass die Grafik von Spiel zu Spiel sehr unterschiedlich ausfällt. Project Gotham Racing 3 ist das bis dato vielleicht beste Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Xbox-Grafik: Es bietet echt wirkende Stadtsilhouetten und fotorealistische Ferraris, deren Abgase man fast riechen kann, wenn sie über die Brooklyn Bridge rasen. Ähnlich duckt man sich bei Call of Duty II unwillkürlich, wenn man Kämpfe aus dem Zweiten Weltkriegs nachspielt. Interessant sind auch die Basketballspieler in NBA 2K6, die im Verlauf des Spiels stark zu schwitzen beginnen, und man sieht ihre Trikots flattern, unabhängig von den Körpern, die sie bedecken. Den Gegenpol markiert Tony Hawk’s American Wasteland: Das auf Xbox 1 und PS 2 mittelmäßige Spiel ist auf der Xbox 360 richtig schlecht, weil jeder Textur- und Grafikfehler auf dem High-Definition-Bildschirm drastisch auffällt.

Vielleicht liegt es an der gesenkten Erwartungshaltung: Xbox-1-Spiele sehen auf der 360 richtig gut aus. Microsoft gibt an, die Auflösung älterer Spiele zu erhöhen und zusätzliche Antialiasing-Effekte einzubauen, und beim Spielen von Halo 2 kann man beides tatsächlich beobachten. Übrigens kann man onlinefähige Xbox-1-Spiele problemlos mit Spielern spielen, die noch die alte Konsole benutzen.

Apropos, ein vollständiger Test von Xbox Live war noch nicht möglich, da die Konsole in Europa zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell verfügbar war – und somit auch einige Dienste nicht bereitstanden. CNET.de wird nach dem 2. Dezember weiter testen und berichten. Fest steht schon, dass Xbox Live besser mit der Xbox 360 integriert ist, als das beim Vorgängermodell der Fall war. Zu jedem Zeitpunkt kommt man durch Drücken des Home-Knopfes zur Nachrichtenzentrale des Live-Systems, während das Spiel selbst pausiert. Theoretisch kann man also ein Single-Player-Spiel wie Kameo abbrechen, nachdem man eine Nachricht eines Freundes bekommen hat, um mit ihm Project Gotham Racing zu spielen.

Als Multimedia-Zentrale funktioniert die Xbox 360 wie von Microsoft angegeben. Im Test ist es kein Problem, Fotos von mehreren Digicams zu ziehen – oder von einem Sony Memory Stick Duo, der wiederum in einem USB-Kartenleser von Lexar steckt. Auch Streaming von Musik eines Samsung-MP3-Players funktioniert. Und wie versprochen arbeitet die Microsoft-Konsole problemlos mit Wettbewerbern des Herstellers zusammen – die Übertragung der MP3s eines Apple Ipod oder einer Sony PSP läuft tadellos. Allerdings hat man keinen Zugriff auf die Playlists des Ipod, und kopiergeschützte Dateien aus dem Itunes Music Store kann die Xbox nicht lesen – was aber am proprietären Format Apples liegt. Auch Streaming vom PC über das Netzwerk funktioniert – das beste Erlebnis bleibt aber Anwendern mit Media-Center-PCs vorbehalten, die die Software von der Xbox aus quasi fernsteuern können und Vollzugriff auf sämtliche Multimedia-Daten, inklusive Filme, bekommen.

Selbstverständlich ist die Xbox 360 auch ein leistungsfähiger CD- und DVD-Player. Daten aus Netzwerkquellen können leider nicht kopiert werden, aber CDs kann man direkt auf die Festplatte rippen und anschließend als Soundtrack fast jedes Xbox-360-Spiels nutzen. DVDs spielt die Xbox 360 mit 480p-Auflösung mit Progressive Scan ab. Das ist für eine Konsole mit HD-Fähigkeiten ziemlich rückschrittlich. Mit einem DVI- oder HDMI-Interface könnte die Xbox 720p- oder 1080i-Auflösungen hochrechnen. Schlimmer, leistungsfähigere optische Medien als DVDs kennt die 360 nicht, was heißt, dass die hoffentlich bald verfügbaren „Spiele der nächsten Generation“ auf 9-GByte-Medien passen müssen, wenn es nicht zusätzliche Inhalte im Download geben soll.

Zum Vergleich: Sony setzt mit der Playstation 3 auf das kommende, wenn auch nicht konkurrenzlose Blu-Ray-Format, das mindestens 25 GByte Kapazität pro Disc bieten soll. Die Xbox 360 wird weder Blu-Ray-Medien noch HD-DVDs lesen können: 2005 ist das kein Problem, da die Formate noch nicht einmal finalisiert sind und niemand weiß, welches von beiden sich durchsetzen wird. Aber ab 2006 könnte sich diese Beschränkung als Achillesverse der Xbox 360 erweisen.

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Erste High-Definition-Konsole: Microsoft Xbox 360

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *