Monströser Spiele-PC: Dell Dimension XPS 600 Extreme

von Chris Stevens am , 09:00 Uhr

Pro
  • Ehrfurcht gebietende Leistung
  • leicht zu öffnendes Gehäuse
  • riesige Speicherkapazität
Con
  • Frontabdeckung ist etwas kitschig
Hersteller: Dell Listenpreis: 4699 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Für diejenigen, die nicht zu den Leuten gehören, die gerne Einzelteile aus ihren Gräbern hervorholen und sie zusammenlöten, während im Hintergrund Futurama im Fernsehen läuft, ist eine fertig zusammengestellte Extrem-Gaming-Maschine möglicherweise das Gerät der Wahl, wenn es um die Befriedigung ihrer Wünsche nach polygonintensiven Multiplayer-Onlinespielen geht. Die Marke Dell bürgt zwar nicht für einen Elitestatus auf der nächsten LAN-Party, die Komponenten im Inneren dieses Geräts aber schon.

Eine neue Spieledimension: Peter Jacksons King Kong stürmt auf dem XPS 600 dahin, während der innere Gorilla des Benutzers vor Vergnügen stampft und schreit.

Während einige andere Modelle der Dell-Dimension-Serie ihre ausdruckslosen Gehäuse abgestreift haben und jetzt in strahlendem Weiß daherkommen, bleibt der XPS grau und silberfarben. Auch wenn sich die Gehäuseform des Geräts nur wenig von der vorangegangener Versionen unterscheidet, befindet sich im Inneren des XPS 600 jetzt ein SLI-System, was bedeutet, dass er mit zwei Grafikkarten bestückt werden kann, was für ziemlich aufregende Spiele-Action sorgt. Wenn man das Spiel zu Peter Jacksons King Kong auf dem XPS und einem 40-Zoll-Fernseher spielt, ist das, als ob man sich einen King-Kong-Anzug überstreift und mit dem Fallschirm über dem Amazonas abspringt.

Das Testgerät erweitert die Grenzen für Desktop-Computer für Privatanwender. Die Daten dieses Desktop-Rechners dürften jeden betören, der die jüngsten Sprünge in der PC-Entwicklung nicht verfolgt hat. Dieser XPS hat ein Terabyte an Festplattenspeicher – jetzt nicht die Schriftgröße des Browsers neu einstellen: ein Terabyte. Das Testgerät ist weiter mit einem DVD-Laufwerk und einen DVD-Brenner ausgestattet. DVDs werden in Minuten gerippt, und beim Wiederverschlüsseln von Video-Streams bietet das Gerät eine für einen fertig zusammengestellten Desktop-Rechner äußerst beeindruckende Leistung. Solche Luxus-Spezifikationen haben natürlich ihren Preis – 4699 Euro inklusive der 1-Terabyte-Festplatten. Ist es das wert?

Design

Das Gehäuse des XPS 600 ähnelt denen der vorangegangenen XPS-Serie. Die Frontseite ist silbergrau mit einer dreieckigen Chromblende, die das Dell-Logo trägt. Hinter der Blende verströmt ein neonblaues Licht seinen beruhigenden Schein. Auch wenn einige die Gestaltung des Gehäuses geschmacklich zweifelhaft finden werden – es lässt unweigerlich an Rallyestreifen und Sportauspuff denken -, ist sie doch ein wenig zurückhaltender als die anderer Gaming-PC-Hersteller. Dell hat sich stets in ähnlicher Weise um Glaubwürdigkeit bei der Gaming-Elite bemüht, wie als wenn BMW versuchen würde, einen Beat-Poeten für sich zu gewinnen. Die bloße Größe und die weite Verbreitung von Dell verhindern, dass dem Hersteller der gleiche Respekt entgegengebracht wird, den kleinere und spezialisiertere Hersteller von Gaming-PCs genießen, zum Beispiel Alienware. Wenn man allerdings vom XPS 600 ausgeht, könnte sich dies ändern.

Das Gehäuse des XPS öffnet sich wie eine große Muschel: Es schwingt auf, gehalten von großen Scharnieren hinten am Gerät. Es müssen keine Schrauben entfernt oder Laschen geöffnet werden. Die gesamte linke Seite des Gehäuses öffnet sich und gibt den Zugang zu PCI-Steckplätzen, Festplatte, Hauptplatine und anderen Komponenten frei. Die Schließe des Gehäuses öffnet sich, wenn man diese Tür leicht nach oben zieht. Das Gehäuse ist leicht zu öffnen, dennoch ist es sehr unwahrscheinlich, dass es sich auf dem Weg zu einer LAN-Party unbeabsichtigt öffnet.

Wie bei den früher getesteten Modellen Dell 5100 und 9100 hat Dell dem Test-Rechner kein Diskettenlaufwerk eingebaut. Wer jedoch ein solches benötigt, um Treibersoftware für ältere Hardware zu installieren, kann für 23,20 Euro eines dazubestellen.

Unter dem DVD-Laufwerk und dem DVD-Brenner des XPS befinden sich CF-, SMC-, MS- und SD/MMC-Kartenleser – diese sind besonders für Digitalfotografen nützlich. Hinter einer kleinen, mit Scharnieren versehenen Klappe befinden sich Firewire-, USB-, Kopfhörer- und Mikrofonanschlüsse. Die Rückseite des XPS ist sehr eine aufgeräumte Angelegenheit mit klar gekennzeichneten Kabelanschlüssen und einem Lüftergitter.

Auf dem Test-XPS ist die aktuelle Version von Windows XP Professional (32 Bit) vorinstalliert, die also den 64-Bit-Prozessor nicht nutzt. In diesem Fall nutzte sie erst einmal überhaupt nichts – Windows fuhr zunächst nicht hoch und musste neu installiert werden. Man sollte Dell zugute halten, dass es sehr einfach ist, Windows neu zu installieren, und dass die Systemsoftware und die Treiber auf klar gekennzeichneten CDs beigelegt sind. Nach der Neuinstallation gab es mit dem Rechner keinerlei Probleme mehr; man darf also annehmen, dass es sich zunächst um ein Problem der ursprünglichen Windows-Installation gehandelt hat.

Im Testgerät befindet sich ein auf 3,20 GHz getakteter Intel Extreme Edition 840 mit 800-MHz-Frontside-Bus und 2 MByte Cache. Mit anderen Worten: ein heißer Ofen.

Mit der Grafik-Konfiguration des XPS 600 kann man sich ziemlich groß tun. Zwei Nvidia-Geforce-7800GTX-Karten werden mit allem fertig, was aktuelle Spiele ihnen abverlangen. Die Karte ist hervorragend gewählt – die GTX hat acht Vertex-Einheiten und unterstützt die Decodierung von DVD- und HDTV-Signalen bis zu einer Auflösung von 1920 mal 1080 Pixeln. Die Begriffe mögen verwirrend klingen, aber einfach ausgedrückt heißt dies, dass die Chips auf diesen Nvidia-Karten Spiele und Videos schnell wiedergeben. Sehr schnell.

Wenn man den Gipfel fast erreicht hat, warum nicht ganz nach oben gehen? Das hat man sich wahrscheinlich auch bei Dell gedacht, als man die Festplatte des Testgeräts installierte. Sie hat ein Terabyte (1 TByte oder 1000 GByte). Physisch verfügt der Rechner über zwei Laufwerke mit je 500 GByte, diese sind jedoch in einer RAID-0-Stripe-Konfiguration geschaltet, was eine logische Festplatte von 1 TByte ergibt. Diese Konstellation verbessert die Ansprechzeit der Laufwerke erheblich. Anstatt, dass ein Laufwerkmechanismus suchen und schreiben muss, arbeiten bei einem RAID-0-System zwei Laufwerke zusammen. Alternativ können paranoide Nutzer die beiden 500-GByte-Laufwerke auch in einer Spiegelkonfiguration (RAID 1) schalten, sodass die Daten des einen Laufwerks automatisch auf dem zweiten gespiegelt werden. Allerdings reduziert sich der effektiv nutzbare Festplattenspeicher bei diesem Ansatz auf 500 GByte.

Die Grafikkarte auf dem Test-XPS bietet nur DVI-Anschlüsse. Wer einen Monitor sucht, den er an den Rechner anschließen kann (den gibt es für 4699 Euro nicht dazu), sollte ein DVI-Modell nehmen. Das scharfe Bild und die klaren Farben der neuen Digitalbildschirme sind nicht zu schlagen. Wer mit einem alten VGA-Monitor vorlieb nehmen muss, kann in den meisten Elektronik-Geschäften einen DVI-auf-VGA-Adapter kaufen; das ist ein kleiner, relativ preiswerter Kabeladapter.

Wie bei den meisten modernen Tower-PCs können Festplatten, Hauptplatinen und PCI-Karten durch Öffnen des Gehäuses des XPS ausgewechselt werden. Zumindest im Moment dürfte es aber schwierig sein, ein Upgrade für den XPS 600 zu finden – ganz einfach deshalb, weil die verbauten Komponenten die schnellsten derzeit erhältlichen sind. Wer diesen Rechner schneller machen will, könnte Übertakten und zusätzliche Kühlung erwägen, aber die mit dergleichen einhergehenden Komplikationen und Kosten lassen dies nicht wirklich sinnvoll erscheinen. Der XPS ist bereits so schnell, dass selbst die anspruchsvolleren aktuellen Spiele ihm keinerlei Schwierigkeiten machen können.

Im Test läuft der XPS 600 mit Peter Jacksons King Kong, dem brandneuen Spiel zum kommenden Film. Es handelt sich um ein extrem anspruchsvolles Spiel, das aufwendiges Texture Mapping, starkes Antialiasing, Auflösungen von bis zu 1360 mal 768 und einige beeindruckende 3D-Umgebungen in sich vereint.

Um zu sehen, was der XPS unter echtem Druck leisten kann, wird der PC im Test an einen Samsung [1]-LCD-Fernseher mit 40 Zoll Bildschirmdiagonale angeschlossen. Da dieser Fernseher so groß ist, toleriert er schlechte Eingangssignale nicht – es ist ein High-Definition-Gerät. Erwartungsgemäß läuft King Kong auf dem LCD faszinierend – das Spiel versetzte die Tester in wahre Begeisterungsstürme. Ein derart beeindruckendes First-Person-Adventure hat es bis jetzt nicht gegeben.

Es trifft sich gut für den XPS, dass King Kong seine doppelte Grafikkarte so spektakulär beansprucht. Es klappt einem langsam der Kiefer herunter, wenn einem ein 15 Meter großer T-Rex wie ein geschuppter Riese hinterher galoppiert – und der Kiefer bleibt, wo er ist, bis man den XPS ausschaltet. Lichtstrahlen durchbrechen den mit perfekten Texturen überzogenen Polygon-Dschungel auf dem Bildschirm. Freilich kann man die Polygone in diesem Spiel nicht mehr erkennen, es gibt so viele Facetten, dass alle Oberflächen im Grunde glatt wirken. Wenn man zu lange auf die individuell gerenderten Blattranken starrt, verliert die King Kong-Figur ihren Halt an der Liane und stürzt in eine bodenlose (aber wundervoll detailreiche) Schlucht.

Die Erfahrungen mit Half-Life 2 und Battlefield 2 waren ähnlich. Hardcore-Gamer mit dicken Brieftaschen, die nach einer fertig zusammengestellten Maschine für ihre Bedürfnisse suchen, sollten neben den aktuellen Angeboten der einschlägigen Spezialhersteller auch den XPS 600 in Betracht ziehen. Dell verschafft sich langsam Respekt in einem Bereich, in dem das Unternehmen bisher nicht besonders stark war. Mögen die Velociraptor-Saurier alle zerreißen, die etwas anderes behaupten: Dies ist ein brutal schnelles Gaming-Gerät.

Spezifikationen

  • 3G - nein
  • WLAN - nein
  • Betriebssystem - Windows XP
  • Touchscreen - nein
  • Multitouch - nein
  • Computer-Typ - Desktop-PC
  • Prozessor - Intel Extreme Edition 840 3.2 GHz
  • Grafik - Nvidia Geforce 7800GTX
  • optisches Laufwerk - DVD; DVD-Brenner
  • Bluetooth - nein
  • Spiegeldisplay - nein

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39139236/monstroeser-spiele-pc-dell-dimension-xps-600-extreme/

URLs in this post:

[1] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/